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10.01.2005

07:49 Uhr

Aussteller sehen sich gegängelt – Alternativ-Veranstaltung „Aquanale“ wächst

Schwimmbad-Hersteller erklären „Interbad“ den Messekrieg

VonChristoph Schlautmann

In der deutschen Schwimmbad- und Wellnessbranche tobt der Messekrieg. Der Bundesverband Schwimmbad und Wellness e.V. (BSW) rief Ende 2003 eine Gegenveranstaltung zur Interbad ins Leben gerufen. Im Oktober soll eine Neuauflage starten.

DÜSSELDORF. „Über viele Jahre hinweg hat die Traditionsmesse Interbad die Wünsche der Aussteller in den Wind geschlagen“, schimpft Dieter C. Rangol, Geschäftsführer des Bundesverbands Schwimmbad und Wellness e.V. (BSW). Einen Messetermin direkt vor Weihnachten hätten die Aussteller ebenso akzeptieren müssen wie ungewöhnlich knappe Auf- und Abbauzeiten. Der Verband, hinter dem rund 250 Schwimmbad- und Saunaausrüster stehen, konterte Ende 2003 mit einer Gegenveranstaltung, der „Aquanale“ in Köln. Im Oktober soll eine Neuauflage starten.

Pikant dabei: Den mächtigen Wettbewerber Interbad trägt indirekt der Steuerzahler. Veranstalter der Messe ist die „Deutsche Gesellschaft für das Badewesen“ in Essen, ein bundesweiter Zusammenschluss von rund 800 kommunalen Schwimmbadbetreibern. Abwechselnd in Düsseldorf und Stuttgart lässt er seit Ende der sechziger Jahre Lieferanten antanzen, um sich über Neuheiten zu informieren. Die Industrie saß dabei bislang im Messebeirat, wirklichen Einfluss auf das Messegeschehen hatte sie nicht.

Bis heute durchweht die Organisation der Interbad ein Hauch von Staatswirtschaft. Die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen finanziert sich nicht nur durch Mitgliedsbeiträge der kommunalen Unternehmen, hinter denen meist der Steuerzahler steht. Jahr für Jahr erhält sie zudem 200 000 Euro Unterstützung aus den Kassen der Messe Stuttgart, dem inzwischen exklusiven Ausrichter der Interbad.

An den umfangreichen Geldzuwendungen seines größten Kunden kann der Essener Geschäftsführer Christian Ochsenbauer nichts finden. Mit der ideellen Trägerschaft seien schließlich auch Kosten verbunden, sagt er. Außerdem sei die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen keinesfalls finanziell abhängig von der Stuttgarter Messe. Sicher ist indes: Auch die Messe Stuttgart wird mit Gesellschaftern wie der Stadt Stuttgart und dem Land Baden-Württemberg ausschließlich vom Fiskus getragen.

Der ungleiche Wettkampf schreckt die Kölner nicht. Im Oktober soll die Branchenschau zum zweiten Mal im Trio mit der Internationalen Fachmesse für Freiraum-, Sport- und Bäderanlagen (FSB) und der Fachmesse für Sonnenlicht-Systeme „Solaria“ starten. Schon jetzt berichtet Messe-Projektleiterin Bettina Frias von einem Run auf die Standflächen: „Wir haben 30 Prozent mehr Anmeldungen als bei der ersten Aquanale.“

Große Aussteller wie Rivera Pool und Grando haben sich in Stuttgart vollständig verabschiedet, ebenso wie weitere 50 der insgesamt 60 BSW-Mitgliedsunternehmen, die bislang auf der Interbad vertreten waren. „Das entspricht zwar nur 15 Prozent der Aussteller“, sagt Dieter Rangol, „aber 32 Prozent der bisherigen Ausstellungsfläche.“

Kontrahent Ochsenbauer lässt daher kein gutes Haar an der Aktion des privatwirtschaftlichen Herstellerverbands „Was die gemacht haben, gefällt der Branche gar nicht“, sagt er. Der nämlich sei es wichtig, dass sich das Messetreiben an einem Platz konzentriere. Das meint auch die Kölner Messemanagerin Frias: „Unser Ziel ist es“, sagt sie, „demnächst die einzige Schwimmbadmesse zu sein.“

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