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15.01.2007

10:22 Uhr

Ausstieg aus Brillenproduktion

Die Zeit der Rodenstocks geht zu Ende

Nach 130 Jahren in Familienbesitz ist Schluss: Die Rodenstocks verkaufen ihren letzten verbliebenen Anteil von zehn Prozent an dem gleichnamigen Münchener Brillenhersteller an den Finanzinvestor Bridgepoint.

HB MÜNCHEN. „Wir haben keine sinnvolle Rolle mehr als Kapitalgeber“, sagte Familienoberhaupt Randolf Rodenstock in München. Der Abschied kommt genau 170 Jahre, nachdem Firmengründer Josef Rodenstock in Würzburg seine erste feinmechanische Werkstatt eingereichtet hat. Der Verkauf erfolgt im Zuge eines umfangreichen Gesellschafterwechsels: Dabei reicht die Beteiligungsgesellschaft Permira ihren 85-Prozent-Anteil an den Finanzinvestor Bridgepoint weiter. Bridgepoint hält damit 95 Prozent der Anteile. Der Rest ist in den Händen des Managements. Insgesamt wird Rodenstock laut Branchenschätzungen auf bis zu 750 Mill. Euro bewertet.

Randolf Rodenstock hatte Deutschlands bekanntesten Brillenproduzenten bis vor vier Jahren in vierter Generation selbst geführt. Dann war es vorbei mit der Erbfolge: Zuerst verkaufte der Physiker eine Minderheitsbeteiligung an Permira, dann auch die Mehrheit. Der Unternehmer wechselte in den Aufsichtsrat, an dessen Spitze er heute steht.

Gescheitert ist Randolf Rodenstock am verlustträchtigen Amerikageschäft. Zudem machten dem Unternehmer die Gesundheitsreformen auf dem Heimatmarkt Deutschland zu schaffen. Letztlich waren die Banken nicht länger bereit, die roten Zahlen zu finanzieren, und Rodenstock entschloss sich zum Verkauf. Rodenstock: „Ein Börsengang schied 2003 wegen des desolaten Umfelds als Option aus.“

Wer in Deutschland eine Brille trägt, der kommt an Rodenstock kaum vorbei. Kein anderer Markenhersteller verkauft so viele Gestelle und so viele Gläser wie das Münchener Unternehmen. Im internationalen Vergleich hat die Firma allerdings Aufholbedarf: 2005 lag der Umsatz bei lediglich 345 Mill. Euro. Zum Vergleich: Die Nummer eins weltweit, Luxottica, erwirtschaftet in einem Quartal dreimal so viel. Dazu kommt, dass Konkurrenten wie Luxottica und Safilo, die weltweite Nummer zwei, börsennotiert sind. Sie können sich viel leichter frisches Kapital besorgen. Entsprechend aggressiv expandieren die Italiener.

Auch im Geschäft mit Brillengläsern kämpft Rodenstock gegen größere Wettbewerber. Der Weltmarktführer, die börsennotierte Essilor aus Frankreich, kommt auf etwa 2,5 Mrd. Euro Umsatz. Für Rodenstock sind die Gläser entscheidend, denn hier erwirtschaftet die Firma 80 Prozent vom Umsatz.

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