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12.01.2005

14:15 Uhr

Ausstieg der Großaktionäre

Neue Freiheiten für den MAN-Chef

Die Spekulationen um eine Zerlegung des Traditionskonzernes MAN werden durch den Ausstieg der lange Zeit treuen Großaktionäre Allianz, Münchener Rück und Commerzbank neu angefacht. Zunächst dürfte die neu gewonnene Freiheit aber auch dem neuen Vorstandschef Hakan Samuelsson nützen.

HB MÜNCHEN. „Der Dauerbrenner Übernahme bleibt und hat neue Nahrung erhalten“, sagt HVB-Analyst Albrecht Denninghoff. Bislang war eine Übernahme gegen die Großaktionäre, die 25,24 % der MAN-Stimmrechte in der Verwaltungsgesellschaft Regina gepoolt hatten, nicht möglich. Dieser Schutz fällt nun theoretisch weg. Praktisch sei eine feindliche Übernahme von MAN derzeit jedoch kaum denkbar. Die hohe Marktkapitalisierung von 4,3 Mrd. € mache den Einstieg von Finanzinvestoren unwahrscheinlich, Interessenten aus der Industrie stünden vor Kartellproblemen, gibt Denninghoff zu bedenken. „Es wird wohl erst einmal alles beim Alten bleiben.“

Für MAN dürfte der Verlust der Regina, die bei dem Konzern drei Jahrzehnte lang für Stabilität sorgte, vor allem Positives bedeuten. „Die Freiheitsgrade für das Management werden sicher erhöht“, sagt Richard Analyst bei HSBC Trinkaus & Burkhardt. Vor gerade zwölf Tagen hat der bisherige Nutzfahrzeug-Vorstand Hakan Samuelsson den Vorstandsvorsitz von Rudolf Rupprecht übernommen, der sich stets auf die Regina verlassen konnte. Auch wenn der Schwede tiefe Schnitte in die Teile des Konglomerats nicht für nötig hält: Dass sich MAN von Sparten trennen könne, wenn der Markt es erfordere, hält Schramm nicht für ausgeschlossen. „Dann werden auch einmal alte Zöpfe abgeschnitten.“ Zugleich rechnen manche Experten mit einer weniger vorsichtigen Kommunikation der Konzernführung.

Analysten monieren seit Jahren die breite Aufstellung der Münchener, die vom Lkw und Omnibus über die Druckmaschine bis zum Schiffs-Dieselmotor praktisch alles herstellen, was mit Maschinen- und Anlagenbau zu tun hat. Im Sommer 2003 sollte der Konzern schon einmal zerschlagen werden. Treibende Kraft war nach Darstellung von MAN der Düsseldorfer Unternehmer Heinrich Weiss, der mit 50 % an der im Hütten- und Walztechnikgeschäft tätigen Konzerntochter SMS beteiligt war. Er wollte MAN übernehmen, sich die Mehrheit an SMS sichern und das hoch profitable Nutzfahrzeuggeschäft umgehend verkaufen. In der Branche war VW als Interessent gehandelt worden. Damals stand Regina hinter Rupprecht, der sich nach Kräften gegen das Ansinnen wehrte.

In der Münchener MAN-Zentrale selbst sieht man den Ausstieg der Regina überwiegend positiv. Auch eine mögliche feindliche Übernahme schreckt den Konzern nicht. „Es ist nicht so, dass wir jetzt hier zittern vor Angst, wir könnten übernommen werden“, sagte ein MAN-Sprecher gelassen. Statt der Großaktionäre schütze MAN nun der Aktienkurs von knapp 30 €. Beim Vorstoß von Weiss notierte das Papier zeitweise bei weniger als der Hälfte.

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