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18.07.2012

18:06 Uhr

Australien

Contergan-Opfer erhält Entschädigung

Weil ihre Mutter ein Schlafmittel mit Contergan nahm, kam eine Australierin ohne Arme und Beine auf die Welt. 50 Jahre später bekommt sie Geld als Wiedergutmachung. Ein Musterfall - aber nicht für Deutschland.

Das Schlaf- und Beruhigungsmittel Contergan steht in einer Vitrine im Deutschen Museum in München.

Das Schlaf- und Beruhigungsmittel Contergan steht in einer Vitrine im Deutschen Museum in München.

Sydney/AachenIn Australien hat ein Contergan-Opfer nach Angaben seiner Anwälte eine hohe Wiedergutmachung erstritten. Die 50 Jahre alte Lynette Rowe war ohne Arme und Beine geboren worden. Ihre Mutter hatte während der Schwangerschaft ein Schlafmittel mit dem Contergan-Wirkstoff Thalidomid eingenommen.

Rowe, die eine Sammelklage eingereicht hatte, einigte sich am Mittwoch nach Auskunft ihrer Anwälte außergerichtlich mit der Vertriebsfirma des Mittels von der deutschen Pharmafirma Grünenthal. Diese Übereinkunft ermögliche Einigungen in mehr als 100 weiteren Fällen, hieß es.

Über die genaue Summe wurde nichts bekannt. Die Eltern der Klägerin sprachen australischen Medienberichten zufolge von „mehreren Millionen Dollar“, die auch für ihre weitere Pflege benötigt würden. Der Wirkstoff Thalidomid wurde unter verschiedenen Namen vermarktet, in Deutschland hieß das Medikament Contergan.

Die im Rollstuhl sitzende Rowe verklagte Grünenthal, die australische Vertriebsfirma Distillers Company Biochemicals sowie den britischen Konzern Diaego Scotland, der die Vertriebsfirma 1997 übernommen hatte. Die außergerichtliche Einigung wurde mit Diaego erzielt, ein Übereinkommen mit Grünenthal stehe noch aus, berichteten australische Medien. Das Gericht im Bundesstaat Victoria werde die Klage gegen Grünenthal voraussichtlich im August 2013 wieder aufgreifen, sollte es bis dahin zu keiner außergerichtlichen Einigung kommen, hieß es weiter.

Kommentare (12)

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Jens_Martin

18.07.2012, 20:28 Uhr

Die finanziellen Forderungen des Opferverbandes Untersuchungsausschuss Conterganverbrechen sowie die des Contergannetzwerk Deutschland sind äußerst zurückhaltend und von großem Realitätssinn geprägt. Grünenthal sollte noch 2012 seiner moralischen Verantwortung nachkommen und auch die deutschen Opfer menschenwürdig entschädigen.

Sopie

19.07.2012, 04:01 Uhr

Das wird leider nur niemals geschehen! Die korrupten Anwälte von Grünenthal haben dafür gesorgt, dass die Familie Wirtz für alle Zeiten auf ihren zweistelligen Milliarden Euro-Sack sitzen bleiben können. Die Wirtz' sind sogar so abgebrüht, dass sie sich für alle Fälle nachem das Medieninteresse nach dem Film Contergan so groß wurde, komplett aus dem Unternehmen Grünenthal herausgezogen haben.
Der letzte Schachzug war eine Studie, die von den Geldern der Opfer finanziert wurde und die mit Sicherheit dazu genutzt wird, die Ansprüche der Opfer neu zu bewerten. Ich möchte nicht wissen, wievielen Opfern statt einer Erhöhung der Rente oder gar einer zusätzlichen Entschädigung die Rente noch gekürzt wird. Das ist das, was ich kommen sehe!!! Aber niemals eine gerechte und angemessene Entschädigung.
Ich wünsche dem australischen Opfer von ganzem Herzen, dass Grünenthal dazu verdonnert wird, wenigstens ihr auch noch ein paar Milliönchen zu zahlen !
Ebenso wünsche ich mir von Herzen, dass die anhängenden 100 Klagen auch jeweils mit mehreren Millionen Entschädigung enden.
Ich wünsche mir, dass ihnen insgesamt so viel zugesprochen wird, dass die Familie Wirtz weinend in ihrem Luxus-Bau sitzen wird und sich wünschte, von sich aus faire Entschädigungen gezahlt zu haben, anstatt sich durch schmierige Anwälte auf dermaßen beschämende Art und Weise aus der Verantwortung zu ziehen.

pyramide

19.07.2012, 10:28 Uhr

Es gibt Contergangeschädigte, die durch eine Ausschlussfrist daran gehindert waren, vor dem Jahr 2009 die kleine Conterganrente zu beantragen. Die Rente dieser Opfer werden vom Steuerzahler bezahlt. Für diese Contergan-Nachzügler hat Grünenthal noch nie etwas gezahlt! Grünenthal steht auf Grund diesem abstrusen Vergleich von 1972 außen vor.
Die Eltern der Contergankinder wurden seinerzeit von Grünenthal und der deutschen Regierung zu diesem Vergleich genötigt, nach dem Motto "Friss, oder stirb!". Ihrer Rechte betrogen, so läuft das auch noch heute. Grünenthal und die Bundesregierung lassen die Opfer hängen und hoffen auf die "biologische Lösung"! Wenn nicht bald etwas geschieht, wird es so kommen. Armes Deutschland!

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