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02.02.2011

10:10 Uhr

Australien

Die Kohleindustrie zittert vor dem Monster-Zyklon Yasi

VonFlorian Brückner

Der stärkste Wirbelsturm seit Jahrzehnten rollt auf den australischen Bundesstaat Queensland, und damit auf das Rückgrat der Kohleindustrie zu. Zahlreiche Minen und Verladehäfen sind bereits geschlossen worden. Das dürfte den Kohlepreis auf neue Höchststände treiben – und die Stahlbranche teuer zu stehen kommen.

Der tropische Zyklon Yasi. DAPD

Der tropische Zyklon Yasi.

DÜSSELDORF. Yasi kommt. Zehntausende Menschen hat der Wirbelsturm schon in die Flucht geschlagen. Und nun haben die ersten Ausläufer des riesigen Zyklons auch die Nordostküste Australiens erreicht. Zwischen den Städten Cairns und Townsville türmen sich vor der Küste kilometerhohe dunkle Wolken. Die Behörden rechnen mit dem schlimmsten Unwetter seit Generationen - das nicht nur für die Bewohner Queenslands, sondern auch für die Kohleindustrie ein Debakel ist.

Die Rohstoffkonzerne Rio Tinto und Xstrata haben am Dienstag mehrere Kohleminen aus Sicherheitsgründen geschlossen. Auch an großen Verladehäfen wie Dalrymple Bay, Abbot Point, Gladstone und Hay Point geht nichts mehr, wie Unternehmenssprecher mitteilten. Mindestens 32 Kohletransporter sind nach Angaben der Hafenbetreiber vor dem nahenden Sturm auf hohe See geflüchtet. Mehrere Bahnlinien haben ihren Verkehr eingestellt. Die Kohleproduktion liegt weitgehend still, der Transport auch. Und obwohl Yasi die Branche noch gar nicht unmittelbar getroffen hat, rechnen Experten wie etwa die Energieberatung Wood Mackenzie jetzt schon mit stark steigenden Preisen etwa für Kokskohle.

Australien ist der größte Kohleexporteur der Welt, der zwei Drittel des weltweiten Handels mit Kokskohle bestreitet, die etwa für die Stahlherstellung benötigt wird. Und 90 Prozent der australischen Kokskohle kommt aus Queensland. In den Jahren 2008 bis 2009 wurden 159 Millionen Tonnen Kohle in 38 Länder exportiert. Queensland ist Kohleland. Und allein in der jetzt geschlossenen Mine Hail Creek sind im vergangenen Jahr mehr als sieben Millionen Tonnen Kohle gefördert worden.

Yasi kommt für die Branche zur Unzeit. Erst wenige Wochen zuvor hatte die Überflutung weiter Teile Queenslands 85 Prozent der Kohleminen in dem Bundesstaat lahmgelegt. Und von diesem Schlag hatte sich die Kohleindustrie noch gar nicht erholt. Die beiden größten Häfen Dalrymple und Gladstone etwa hatten ihr normales Umschlagsniveau nicht wieder erreicht. Und Meteorologen erwarten mit Yasi schwere Regenfälle, die die Aufräumarbeiten weiter erschweren dürften. Bis heute liegen immer noch verschiedene Bahnstrecken und Minengruben unter Wasser.

Der Wirbelsturm hat indes mit 400 Kilometern Durchmesser riesige Ausmaße angenommen. "Wir sehen uns einem Sturm mit katastrophalen Proportionen ausgesetzt, und das in einem dicht besiedelten Gebiet", sagte die Ministerpräsidentin von Queensland, Anna Bligh. "Es wird sehr, sehr beängstigend." Yasi ist mit erwarteten Windstößen von mehr als 300 Kilometern in der Stunde auf die höchsten Kategorie Fünf hochgestuft worden und ist damit vergleichbar mit dem Hurrikan "Katrina", der 2005 die Südküste der USA und New Orleans verwüstete.

Zyklon Larry, der Queensland 2006 heimgesucht hatte, hinterließ einen Schaden in Höhe von einer Milliarde Dollar. Derzeit sieht es ganz danach aus, dass Yasis Rechnung nicht billiger ausfallen dürfte. Auf die Kohlebranche, und damit auch auf Stahlindustrie, kommen harte Zeiten zu.

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