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05.08.2012

17:41 Uhr

Australien

Öl- und Gaskonzerne ächzen unter hohen Kosten

VonUrs Wälterlin

Den australischen Rohstoffkonzernen geht es im Grunde blendend. Doch gerade der Boom der vergangenen Jahre sorgt nun für Probleme: Hohe Lohnkosten, Entwicklungsinvestitionen und eine allzu starke Währung.

Gasbohranlage von Santos Moomba, Südaustralien. Reuters

Gasbohranlage von Santos Moomba, Südaustralien.

SydneyEine starke Währung und steigende Entwicklungskosten machen den australischen Öl- und Erdgasförderern zu schaffen. Gemäß einer Studie der Consultingfirma Deloitte ist der Gesamtwert der an der australischen Börse gelisteten Öl- und Gasförderer im letzten Quartal des am 30. Juni abgelaufenen Geschäftsjahres um 14 Prozent gefallen. Laut dem Deloitte-Analysten Stephen Reid ist die Sorge über die „steigenden Geschäftskosten in Australien“ verantwortlich für die Situation. Erschwerend auf das Geschäft ausgewirkt habe sich auch ein Fall des Rohölpreises um 25 Prozent.

Drei Unternehmen dominieren in Australien den Sektor: Woodside Petroleum, Santos und Origin Energy. Alle mussten jüngst bei verschiedenen Projekten deutlich höhere Entwicklungskosten bekanntgeben als erwartet. So sah sich Santos gezwungen, das Budget für das massive Gladstone-Flüssiggasprojekt im Bundesstaat Queensland um 2,5 Milliarden australische Dollar aufzustocken, das die Firma im Verbund mit der malaysischen Petronas, der französischen Total und koreanischen Kogas entwickelt.

Die größten börsennotierten Ölkonzerne der Welt

Die größten Öl- und Gaskonzerne

Sie fördern und raffinieren Erdöl oder Gas und betreiben riesige Tankstellennetze. Wie viel die zehn größten Öl- und Gaskonzerne der Welt an der Börse wert sind.

Quelle: Bloomberg, Stand: 26.7.2012

Platz 10

ENI (Italien)

Der italienische Öl- und Gaskonzern erreicht mit einer Marktkapitalisierung von 70 Milliarden Dollar Rang zehn unter den Energiekonzernen. Das Unternehmen mit Sitz in Rom ist der größte Gasversorger Italiens. Neben dem Öl- und Gasgeschäft mit Exploration, Förderung, Raffinerie und Vertrieb sind die Italiener auch im Stromgeschäft aktiv.

Platz 9

Sinopec (China)

Der chinesische Mineralölriese zählt zu den größten Energiekonzernen des Landes und erreicht an der Börse eine Marktkapitalisierung von 80,9 Milliarden Dollar. Das Unternehmen mit Sitz in Peking ist im Hang-Seng-Index notiert.

Platz 8

Total (Frankreich)

Die Franzosen betreiben in Europa ein dichtes Tankstellennetz. In mehr als 30 Ländern fördert der Konzern Öl und Gas. Der Konzern mit Sitz in Courbevoie nahe Paris erreicht einen Börsenwert von 124 Milliarden Dollar.

Platz 7

Gazprom (Russland)

Der russische Konzern rangiert an der Weltspitze der Gasförderer. Das Moskauer Unternehmen ist an der Börse mit 116 Milliarden Dollar bewertet. Gazprom kontrolliert fast die gesamte Erdgasförderung Russlands.

Platz 6

Petrobras (Brasilien)

Der halbstaatliche Konzern mit Sitz in Rio de Janeiro hat eine Marktkapitalisierung von 125,1 Milliarden Dollar. Die Brasilianer sind besonders in der Offshore-Förderung von Öl stark. Der Konzern wurde ursprünglich zur Abwehr von US-Konzernen gegründet.

Platz 5

BP (Großbritannien)

Die Katastrophe im Golf von Mexiko hat den Konzern in Bedrängnis gebracht. Aktuell ist das Unternehmen mit 129,1 Milliarden Dollar bewertet. In Deutschland wird Benzin und Diesel unter der Marke Aral vertrieben.

Platz 4

Chevron (USA)

Der US-Konzern ist auf dem Parkett 213,4 Milliarden Dollar wert. Die Hauptsitze sind im kalifornischen San Ramon sowie im brasilianischen Fortaleza. Der Konzern ist im Bereich der geothermischen Energiegewinnung führend.

Platz 3

Royal Dutch Shell (Großbritannien)

Das Unternehmen mit Sitz in London und Den Haag zählt zu den drei größten Öl- und Gaskonzernen der Welt. Shell ist in mehr als 180 Ländern aktiv. An der Börse ist der Konzern mit 216,4 Milliarden Dollar bewertet.

Platz 2

PetroChina (China)

Die Chinesen schoben sich auf rang zwei der größten Öl- und Gaskonzerne vor. An der Börse ist der Konzern 249,2 Milliarden Dollar wert. Das Unternehmen ist besonders im Sudan aktiv und steht deswegen in der Kritik.

Platz 1

Exxon Mobil (USA)

Die Spitze der Öl- und Gaskonzerne erobert Exxon Mobil mit einer Marktkapitalisierung von 399,7 Milliarden Dollar. Das Unternehmen entstand 1999 durch den Zusammenschluss von Exxon mit Mobil Oil. Das Unternehmen gilt als Nachfolger der Standard Oil Company des legendären Milliardärs John D. Rockefeller.

Die Papiere von Santos verloren nach der Ankündigung ein Viertel ihres Wertes. Nicht im Index der Öl- und Gasproduzenten an der australischen Börse aufgenommen sind diversifizierte Rohstoffunternehmen wie BHP Billiton, deren Aktivität in diesem Sektor nur einen Teil des Gesamtgeschäfts ausmacht.

Die Kosten für die Erschließung und den Betrieb von Gasvorkommen in Australien beschäftigt seit geraumer Zeit Unternehmen, Analysten, Investoren und Politiker. Internationale Konzerne wie ExxonMobil, Royal Dutch Shell und Chevron – die drei sind Partner in der 43 Mrd. australische Dollar teuren Erschließung des Gorgon-Gasfeldes in Westaustralien – warnen regelmäßig vor zu hohen Kosten.

In erster Linie beklagen die Unternehmen den als Folge des Rohstoffbooms hohen australischen Dollar, Probleme mit der Produktivität und vor allem eskalierende Lohnkosten. Die landesweit steigende Zahl von Bergbauprojekten und ein akuter Mangel an Beschäftigten hat vor allem im rohstoffreichen Bundesstaat Westaustralien zu einer Situation geführt, wo Jahresgehälter von 150.000 australische Dollar (127.961 Euro) selbst für ungelernte Mitarbeiter als normal gelten.

Der Unternehmenschef von Shell warnte jüngst vor möglichen Verspätungen bei der Entwicklung der australischen Gasfelder. „Wir werden langsamer arbeiten, wenn wir langsamer arbeiten müssen“, so Peter Voser gegenüber der Australian Financial Revue. Das Unternehmen müsse sicher stellen, „die korrekte Balance zwischen Profitabilität und Kosten zu haben“. Auch Exxon Mobil klagt über die eskalierenden Gehaltskosten.

Laut der Deloitte-Studie konnten sich die Aktien von kleineren Gas- und Ölproduzenten dem Trend entziehen. Sie sind in der Regel nicht in an den Milliardenprojekten beteiligt, die dereinst tausende, wenn nicht zehntausende von Mitarbeitern beschäftigen werden – Arbeiter, die allerdings erst noch gefunden werden müssen.

Kommentare (2)

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easyway

05.08.2012, 19:31 Uhr

Beten, daß die Kosten weiter steigen, denn der Ölpreis ist imstande, die EU zu zersteuben.

Das ist wirklich mal eine schöne Programmvorschau:

http://www.handelsblatt.com/images/ezb_2_08_2012_4/6954792/3.jpg?format=format4

Habe ich mir als Hintergrund auf den Schirm geheftet.



Der_Henker

05.08.2012, 20:22 Uhr

Ach die armen Ölkonzerne .Nagen sie schon am Hungertuch ,
dann muß ich wohl ein Monatsgehalt an die armen Zocker
spenden .

Es ist nicht zu fassen ,der Ölpreis schon seit 2011 auf Dauerhöchststand u.die Spekulanten sind immer noch gierig .
Der Zusammenbruch der Weltwirtschaft muss hier den Markt regulieren u. zwar die Preise schnellstens runter.

Nur so ist Marktwirtschaft realistisch .

Heizöl u. Benzin ist nicht mehr bezahlbar .

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