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02.02.2016

16:40 Uhr

Auto-Absatz in Deutschland

Abgasskandal setzt VW stärker zu

Im Januar sind in Deutschland gut drei Prozent mehr Neuwagen verkauft worden als vor Jahresfrist. Experten führen die Marktbelebung auf Rabatte zurück. Für VW fallen die Zahlen jedoch bitter aus.

Während die Neuzulassungen kletterten, lieferten die Hersteller weniger Fahrzeuge ins Ausland. dpa

Deutscher Automarkt

Während die Neuzulassungen kletterten, lieferten die Hersteller weniger Fahrzeuge ins Ausland.

HamburgVolkswagen bekommt die Folgen des Diesel-Skandals beim Absatz in Deutschland immer stärker zu spüren. Die Hauptmarke VW verkaufte im Januar auf ihrem Heimatmarkt rund 47.150 Fahrzeuge, fast neun Prozent weniger als vor Jahresfrist, wie aus den am Dienstag veröffentlichten Daten des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) hervorging. Auch die zum Wolfsburger Konzern gehörenden Marken Seat und Skoda büßten ein. Dagegen legte die Oberklassetochter Audi beim Absatz mehr als ein Fünftel zu.

Insgesamt stiegen die Pkw-Neuzulassungen in Deutschland zu Jahresbeginn um 3,3 Prozent auf rund 218.400 Fahrzeuge. Sie wuchsen damit etwas langsamer als zuletzt. Ein Grund war, dass die Autohäuser im Januar einen Tag weniger geöffnet hatten als im Vorjahr. Im Dezember waren die Neuzulassungen noch um fast acht Prozent gestiegen. Der Herstellerverband VDA zeigte sich dennoch zuversichtlich für die kommenden Monate. Verbandschef Matthias Wissmann verwies darauf, dass die Neuzulassungen zu Jahresbeginn so hoch gewesen seien wie seit acht Jahren nicht.

Beliebteste Autoklassen bei Privatkäufern

Kompaktklasse nur noch knapp vor SUV

Wer sein Auto selbst zahlt, kauft besonders gern ein SUV. Rund jeder vierte auf eine Privatperson zugelassene Neuwagen war 2015 einer der modischen Crossover. Der Kompaktklasse – seit Jahrzehnten Spitzenreiter in der Beliebtheit – droht Rang zwei. Eine Übersicht der beliebtesten Pkw-Segmente bei privaten Neuwagenkäufern ....

Rang 6

Die Mittelklasse – im Gesamtmarkt immerhin auf Rang vier der beliebtesten Klasse – kommt bei den Privatkunden erst auf Platz sechs. Gerade mal 18,9 Prozent der Halter im Segment von VW Passat und Co. sind natürliche Personen aus Fleisch und Blut. Geringer ist die Quote nur in der oberen Mittelklasse (17,3 Prozent) und in der Oberklasse (13,8 Prozent).

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr rund 1,1 Millionen Neuwagen auf Privatpersonen zugelassen. Das entspricht einem Anteil von 34,2 Prozent am Gesamtmarkt von 3,2 Millionen Pkw.

Rang 5

Vans fand 2015 genau 84.631 Privatkunden: Bei den prototypischen Familienautos hätte man vielleicht einen höheren Privatkundenanteil als mäßige 32 Prozent erwarten können. Aber für junge Familien sind die praktischen Pampers-Bomber als Neuwagen häufig zu teuer, sind die Kinder größer und die Festgeldkonten voller, fährt man häufig lieber Limousine oder SUV als einen klobigen Van.

Ein einziges Modell fällt aus dem Rahmen: der sehr günstige Dacia Lodgy (ab 9.990 Euro) mit fast 80 Prozent Privatkunden – was die oben aufgeführte These letztlich stützt.

Rang 4

Kleinstwagen mit 89.317 Privatkunden: Lediglich jeder dritte Kleinstwagenkäufer bestellt das Fahrzeug auf eigene Rechnung. Größer ist der Anteil bei den besonders preisgünstigen Modellen.

So lassen beispielsweise rund 70 Prozent der Käufer eines Suzuki Celerio (zurzeit ab 9.690 Euro, 2015 zwischenzeitlich aber auch mal unter 7.000 Euro) das Fahrzeug privat zu.

Bei teureren Lifestyle-Modellen wie dem Fiat 500 oder dem Opel Adam ist das Verhältnis umgedreht.

Rang 3

Kleinwagen, 208.053 Privatkunden: Die Kleinwagen-Klasse ist ein typisches Privatkundensegment. Als Dienstwagen-Bonbon für das mittlere Management tendenziell zu klein, als Arbeitsgerät für Pizza-Kuriere tendenziell zu groß. Resultat ist ein weit überdurchschnittlicher Privatkundenanteil von 44 Prozent.

Rang 2

SUV, mit 253.186 Privatkunden in 2015: Während die SUV im Gesamtmarkt noch knapp eine Viertelmillion Neuzulassungen hinter der Kompaktklasse liegen, haben die Crossover auf dem privaten Markt schon ziemlich aufgeholt.

Der Privatkäuferanteil von 42 Prozent ist in der Statistik des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) der höchste hinter Wohnmobilen (64 Prozent) und Kleinwagen (44 Prozent).

Rang 1

Kompaktklasse (292.597 Privatkunden): Immer noch das populärste Fahrzeugsegment der Deutschen, auf dem Privatkundenmarkt aber zunehmend unter Druck (siehe Rang zwei). Rund 65 Prozent der 2015 neu zugelassenen Fahrzeuge sind auf eine Firma angemeldet.

Vor allem die deutschen Hersteller engagieren sich stark im Flottenmarkt, beim VW Golf geht nicht einmal jedes dritte Auto an eine Privatperson.

Dagegen dürfte der Absatzrückgang bei VW nach Einschätzung von Experten in den kommenden Monaten anhalten. „Volkswagen wird es in den nächsten Monaten schwieriger haben“, sagte Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Institut an der Uni Duisburg-Essen. Die Verbraucher würden skeptischer, da der Rückruf von VW nun begonnen habe. Der Marktführer werde weiter an Boden verlieren. Die Rabattschlacht werde weitergehen.

Nach Berechnung der Unternehmensberatung EY sank der Marktanteil des Platzhirschen aus Wolfsburg im Januar um rund zwei Prozentpunkte auf 39,5 Prozent. Schon in den Monaten davor habe der Konzern Marktanteile verloren. Auch auf den Absatz von Diesel-Fahrzeugen in Deutschland scheine sich die VW-Affäre inzwischen auszuwirken, sagte EY-Experte Peter Fuß. So seien die Dieselzulassungen im Januar binnen Jahresfrist um ein halbes Prozent geschrumpft, während die Zahl der Benziner um 7,4 Prozent gewachsen sei.

Während die Wolfsburger Hauptmarke VW im Januar weniger von ihren Autos verkaufte, legten die Rivalen Opel (plus 21,9 Prozent) und Ford (plus 19,2) kräftig zu. Peugeot und Renault konnten dagegen nicht von der Schwäche des Marktführers profitieren. Ihr Absatz schrumpfte um je fast sieben Prozent. BMW steigerte sich beim Absatz um 3,5 Prozent. Der Stuttgarter Rivale Mercedes-Benz wuchs kaum (plus 0,7 Prozent).

Während die Pkw-Neuzulassungen in Deutschland insgesamt wuchsen, lieferten die Hersteller weniger Fahrzeuge ins Ausland. Der Export sank um sechs Prozent auf 313.600 Einheiten. Als Grund nannte der VDA die geringere Zahl an Arbeitstagen. Positiv seien hingegen die Bestellungen aus dem Ausland: Diese hätten um knapp drei Prozent zugelegt. Dagegen seien aus dem Inland acht Prozent weniger Aufträge eingegangen als vor einem Jahr. Die Produktion der deutschen Hersteller sank leicht. Im Januar rollten 413.800 Fahrzeuge von den Bändern, zwei Prozent weniger als im Jahr zuvor.

Von

rtr

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