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21.11.2013

11:22 Uhr

Auto der Zukunft

„Kunden erwarten Facebook am Steuer“

VonAndreas Dörnfelder

Mercedes will seine Entwicklung im Silicon Valley aufstocken. Im Interview verrät der Chefentwickler für Nordamerika, Johann Jungwirth, das Geheimnis der Technologieregion – und worin sein Team die Autozukunft sieht.

Johann Jungwirth ist Präsident und CEO von Mercedes-Benz Research & Development North America. Daimler

Johann Jungwirth ist Präsident und CEO von Mercedes-Benz Research & Development North America.

Handelsblatt Online: Herr Jungwirth, wie fühlt man sich, wenn die Zukunft von Deutschlands ältestem Autohersteller von einem abhängt?
Jungwirth: Ich fühle mich sehr wohl, wobei nur ein kleiner Teil der Zukunft von uns abhängt. Ich leite seit fünf Jahren die Forschung und Entwicklung von Mercedes-Benz in Nordamerika. Es macht unglaublich Spaß und es bewegt sich sehr viel. Die digitalen Trends beziehungsweise der digitale Lifestyle sind für uns als Konzern eines der zentralen strategischen Themen.

Im gerade eröffneten Entwicklungszentrum in Sunnyvale konzentriert sich Mercedes vor allem auf Infotainment, auf Apps und die Anbindung ans Smartphone. Erwartet man vom Erfinder des Automobils nicht mehr, als das Auto zu einem Lifestyle-Produkt zu machen?

Ganz klar. Die anderen Themen stehen mindestens genau so im Fokus. Schauen Sie sich unser Design an – es ist ein Ausdruck von modernem Luxus. Dazu kommen Sicherheitsfunktionen wie unser Intelligent Drive und damit die Vision des unfallfreien Fahrens. Genauso wichtig ist aber das Software-Design: Zum Beispiel im ersten volldigitalen Cockpit der Welt in der neuen S-Klasse.

Der durchschnittliche Mercedes-Käufer ist 56 Jahre alt. Glauben Sie ernsthaft, dass der von Ihnen als erstes erwartet, dass er Facebook und Twitter auch am Steuer nutzen kann?

Je nach Markt ist das Durchschnittsalter unserer Kunden wesentlich jünger. Außerdem beobachten wir ganz klar, dass die digitale Entwicklung – weg vom PC hin zu Tablets und Smartphones – die Leute prägt. Es wird schlichtweg erwartet, dass diese Technik und Innovationen auch im Auto verfügbar sind.

Warum konzentriert sich Daimler nicht stärker auf die Entwicklung des Elektroautos?

Wir waren einer der Pioniere in diesem Bereich. Wir haben etwa den Smart fortwo electric drive und die A-Klasse E-Cell auf den Markt gebracht und werden nächstes Jahr eine elektrische B-Klasse einführen. Die nächste Stufe sind Plug-in-Hybride, mit denen man in der Innenstadt vollkommen elektrisch fährt, die aber dank Verbrennungsmotor außerhalb der Stadt eine hohe Reichweite ermöglichen.

Damit umgehen Sie aber das Kernproblem der Elektroautos. Warum beschäftigen Sie in Sunnyvale in Ihrer Entwicklungsabteilung für neue Batterien gerade mal fünf Mitarbeiter?

Der Kern der Batterieentwicklung findet in Deutschland statt. Die fünf Leute reichen völlig aus um zu ergründen, was im Silicon Valley an neuen Innovationen entsteht. Stand heute gibt es hier noch keinen zentralen Hub zur Entwicklung neuer Zellen, die bereits morgen auf den Markt kommen.

Als Daimler seine Kooperation mit Tesla bekannt gab, haben sich in Deutschland viele gefragt: Warum ist der Erfinder des Automobils nicht in der Lage, allein ein vernünftiges Elektroauto zu bauen? Warum braucht man dazu Google?

(Zögert sehr lange) Ich sehe das anders. Wir haben schon sehr früh das Thema Hybrid in unserer Forschung und Entwicklung untersucht. Oder schauen Sie sich an, was wir mit der Brennstoffzelle geschafft haben und wie wir sie Stück für Stück serienreif machen.

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