Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.08.2015

10:50 Uhr

Auto-Importeure haben es schwer

Deutsche fahren lieber deutsch

VonChristian Schnell

Renault, Peugeot und Hyundai haben es schwer auf dem deutschen Markt. Die Konkurrenz unter dem Importeuren wächst – während die Platzhirsche ihre Marktanteile verteidigen. Neue Konkurrenz droht aus China.

Importeure haben es schwer, Deutsche kaufen lieber heimische Autos. Imago

Deutschlandfahne am Außenspiegel

Importeure haben es schwer, Deutsche kaufen lieber heimische Autos.

FrankfurtIrgendwie war ein Auto schon immer auch Ausdruck für Gesinnung, Persönlichkeit und die Einstellung seines Besitzers. Als Ende der 1960er Jahre politisch vieles im Umbruch war, zeigten sich die Deutschen, die intellektuell etwas auf sich hielten, gerne mit einem Auto aus Frankreich. Wer es sportlicher wollte, wählte ein italienisches Modell.

Als dann in den Neunzigern die Zeit des elektronischen Schnickschnacks anbrach, waren es japanische Autos, mit denen ihre Besitzer in der öffentlichen Wahrnehmung ganz weit vorne lagen. Beide Phasen sind längst Geschichte. Und der Anteil der Importe aus Frankreich, Italien und Japan liegt heute in Deutschland nur noch bei gut der Hälfte wie zu besten Zeiten.

Dabei gibt es über all die Jahre nahezu eine Konstante, die immer Bestand hatte. Egal, wie viele Autos pro Jahr verkauft wurden, der Anteil der deutschen Hersteller lag im eigenen Land so gut wie immer bei 64 Prozent. Die restlichen 36 Prozent kamen von Importeuren aus der ganzen Welt. Nur 2009, dem Jahr der Abwrackprämie, profitierten die ausländischen Hersteller besonders und kamen auf einen Anteil von 41 Prozent.

Für die Importeure wird indes der Kampf um Marktanteile immer härter. „Deutschland ist ein volatiler Markt“, weiß Peter Fuß, der für das Beratungshaus EY die Entwicklung hierzulande seit Jahrzehnten beobachtet. Markentreue im Sinne einer Stammkundschaft gibt es immer weniger. Das gilt erst recht für die Importeure, deren Fahrzeuge oftmals wegen des Preises oder einer besonderen Ausstattung gekauft werden.

Sich beim nächsten Autokauf wieder für eine andere Marke zu entscheiden, sei heute oft an der Tagesordnung. „Eine gute Hardware alleine reicht dabei längst nicht mehr“, so Experte Fuß. Stattdessen erwarte der Kunde ein Rundum-Paket an Serviceleistungen vom Hol- und Bringdienst bei Werkstattterminen über Finanzdienstleistungen bis hin zu Garantieverlängerungen. Wer hier nicht mithalten kann, von dem wenden sich die Kunden schnell ab.

Brisant macht die Sache zudem, dass sich der Kuchen inzwischen nicht nur anders verteilt, sondern es auch an weitaus mehr Hersteller gibt, die etwas davon ab haben wollen. Waren es in 1970er Jahren bestenfalls ein gutes Dutzend hauptsächlich europäischer Hersteller, die um die Gunst deutscher Autofahrer buhlten, so zählt allein der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller, in dem die Importeure hierzulande organisiert sind, heute 33 Mitglieder.

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Kay Feske

10.08.2015, 11:09 Uhr

Deutsche fahren lieber deutsch... Wobei das mit dem "deutsch fahren" heut zu Tage ja auch so eine Sache ist, wenn viele Modelle von deutschen Herstellern gar nicht mehr im Inland produziert werden.

Herr Renatus Isenberg

10.08.2015, 11:32 Uhr

Die deutschen Autos könnten deutlich mehr verkauft werden, wenn die Arroganz der Händler gebremst würde. Besonders im europäischen Ausland scheinen die Verkäufer von deutschen Autos sich eine Menge einzubilden. Allein aus diesem Grund habe ich mir in Italien einen Toyota gekauft , nachdem der VW Händler ein uneträgliches Benehmen hatte.
Das war mein Glück, denn bei ca 60tausend km jährlich hätte der Golf mich weit mehr gekostet als ein Coralla. Deutsche Autos (schlechtestes Beispiel Mercedes) haben die Langzeitqualität ausgebaut und sind gut in den ersten 5 Jahren eines Durchschnittsfahrers. Dafür sind die Autos einfach zu teuer. Da wird sich einiges ändern müssen.

Herr Omarius M.

10.08.2015, 11:38 Uhr

in den 70ern bis zum Euro.... konnte man als Geselle in den meistne berufen,
sich auch ne kleine Familie leisten mit auto und 1 mal urlaub im jahr....

inzwischen ist faktisch mindestens 1 /3 "abgekoppelt......

klar das sich das irgendwo bemerkbar macht.....

während der neokon dekade ab 99, wurden gehälter und löhen ja nur als kostentreiber und nie als nachfragefaktor gesehen....


autos kaufen halt keine autos..^^ wußte man schon vor 100 jahren.... nur die ganzen top gebildeten Super helden sind alle genauo fern der Basis wie die Politik darsteller...^^


Armes Deutschland..

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×