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01.12.2015

10:01 Uhr

Auto-Industrie

Krise? Welche Krise?

VonLukas Bay

Die Autoindustrie wird im Jahr 2015 so viele Autos verkaufen wie noch nie und ihren Rekord im kommenden Jahr noch einmal brechen. Doch für die deutschen Hersteller bleiben viele Herausforderungen.

Die Verkäufe steigen 2015 auf ein neues Rekordniveau. Doch für die deutschen Hersteller wird das neue Jahr trotzdem nicht einfach. AFP

Goldene Zeiten?

Die Verkäufe steigen 2015 auf ein neues Rekordniveau. Doch für die deutschen Hersteller wird das neue Jahr trotzdem nicht einfach.

DüsseldorfWenn in diesen Tagen über gefälschte Abgaswerte und Millionenrückrufe diskutiert wird, dann könnte man fast annehmen, dass die Autoindustrie derzeit in einer Vertrauenskrise steckt. Doch die Realität sieht anders aus. Weltweit ist die Lust auf das eigene Auto ungebrochen. Dieses Jahr steuert die Autoindustrie auf einen neuen Verkaufsrekord zu, zeigt eine neue Studie des Center of Automotive Research (CAR) der Universität Duisburg-Essen.

Die Wissenschaftler gehen davon auf, dass bis zum Ende des Jahres weltweit 74,4 Millionen verkauft werden. Das wäre erneut ein Plus von zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr – und das obwohl wichtige Märkte wie Russland und Südamerika seit einem Jahr in einer schweren Krise stecken. Das komfortable Wachstum in China, den USA und Südeuropa können die Dellen kompensieren. Für 2016 geht das CAR-Institut davon aus, dass der Rekord noch einmal gebrochen wird. Sie prognostizieren ein Wachstum von 2,7 Prozent und einen globalen Absatz von 78 Millionen Autos. „Globale Krisen sind nicht erkennbar“, so das Fazit der Wissenschaftler.

Trotz der guten Aussichten warten allerdings vor allem auf die deutschen Hersteller große Herausforderungen. Im Wachstumsmarkt China gewinnen die heimischen Hersteller derzeit Marktanteile, weil sie schneller wachsen als die Importeure. Mit 19,3 Millionen Fahrzeugen ist China der größte Automarkt der Welt. Und mit einer massiven Mehrwertsteuersenkung auf niedrigmotorisierte Autos kurbelt der Staat das Wachstum auch 2016 an. Dieses Jahr wollen die chinesischen Hersteller den Markt mit preisgünstigen SUV im Kompakt-Segment fluten.

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Während in China der Konkurrenzdruck steigt, dürfte der deutsche Markt nach Ansicht der CAR-Wissenschaftler schwächeln. Schon heute sei der Rabattdruck immens, der Markt gesättigt. Daher sei davon auszugehen, dass die Verkäufe in 2016 sogar um 0,9 Prozent sinken werden. Setzt sich diese Entwicklung fort, könnte Deutschland schon bald von Indien als viertgrößter Automarkt der Welt abgelöst werden.

Und auch die VW-Dieselaffäre könnte für die deutschen Hersteller noch zum Problem werden. Auch wenn sich der Skandal bisher nicht in den Verkaufszahlen niederschlägt, wächst der regulatorische Druck. Durch die Einführung neuer Tests unter realen Fahrbedingungen (RDE) werden die Anforderungen an die Abgasreinigungssysteme moderner Diesel in der EU anspruchsvoller – und teurer. „Die Branche muss in den nächsten Jahren Milliardenbeträge in die Abgasreinigung des Diesels stecken“, sagt Studienautor Ferdinand Dudenhöffer.

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