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18.10.2012

12:48 Uhr

Autobauer

Daimler will mehr als drei Milliarden Euro einsparen

Der Autohersteller will einem Medienbericht zufolge den Gewinn deutlich steigern und daher die Kosten drücken. Einer internen Studie zufolge habe das Unternehmen zudem zu viele Mitarbeiter.

Der Stuttgarter Autohersteller will offenbar kräftig sparen. dpa

Der Stuttgarter Autohersteller will offenbar kräftig sparen.

FrankfurtDaimler will mit seinem neuen Sparprogramm einem Magazinbericht zufolge den Gewinn um mindestens drei Milliarden Euro pro Jahr steigern. Die genaue Summe werde derzeit noch errechnet, berichtete das „Manager Magazin“ am Donnerstag unter Berufung auf Konzernkreise. Sie hänge auch davon ab, ob Daimler-Chef Dieter Zetsche bereits laufende Projekte in das „Fit for Leadership“ genannte Sparprogramm einrechne. Der Autobauer bezeichnete den Bericht als "Spekulation".

Allianzen der Autobauer

Daimler/ Chrysler

In der Vergangenheit hatte vor allem die Achterbahnfahrt von Daimler und Chrysler lange für Schlagzeilen gesorgt. 1998 gaben die Daimler-Benz AG und Chrysler Corporation die Fusion zur DaimlerChrysler AG bekannt. Der damalige Daimler-Chef Jürgen Schrempp übernahm Chrysler für knapp 40 Milliarden Dollar. Doch das US-Unternehmen entpuppte sich als milliardenschwerer Sanierungsfall. 2007 wurde das Ende der Allianz besiegelt. Chrysler wird nun vom italienischen Autobauer Fiat kontrolliert.

BMW/ Rover

Auch BMW musste für die Übernahme der britischen Rover Lehrgeld zahlen. Der damalige Vorstandschef Bernd Pischetsrieder fädelte 1994 die Fusion ein. BMW zahlte zwei Milliarden DM und steckte erhebliche Summen in die Entwicklung neuer Modelle. Als diese sich nicht verkaufen ließen, stieg BMW 2000 wieder aus.

Renault/ Nissan

Segensreich für beide Partner war dagegen die Liaison des Renault-Konzerns mit dem japanischen Autobauer Nissan. 1999 wurde die französische Nummer zwei größter Anteilseigner bei Nissan und machte aus dem angeschlagenen Hersteller ein ertragreiches Unternehmen.

Renault-Nissan/ Daimler

Renault-Nissan verbündete sich 2010 zudem mit Daimler. Renault und Nissan halten 3,1 Prozent an Daimler und die Schwaben wiederum halten 3,1 Prozent an Renault und 3,1 Prozent an Nissan. Die zwei Seiten versorgen sich gegenseitig mit Antrieben und Antriebsteilen.

Volkswagen/ Porsche

Volkswagen konnte erst nach einem erbitterten Übernahme- Machtkampf mit Porsche das Rennen für sich entscheiden. Zwar ist eine geplante Fusion wegen milliardenschwerer Schadensersatzklagen geplatzt. VW will aber nun die Porsche AG - in der das Autogeschäft gebündelt ist - schrittweise übernehmen. Derzeit hält VW 49,9 Prozent Volkswagen baut sein Imperium mit Milliardeninvestitionen massiv aus.

Volkswagen/ Suzuki

Im Dezember 2009 beteiligte sich der VW-Konzern für 1,7 Milliarden Euro mit knapp 20 Prozent an Japans viertgrößtem Autobauer Suzuki. Mittlerweiler gibt es allerdings reichlich Ärger. Suzuki Motor will seine Kooperation mit Volkswagen nach Vorwürfen des gegenseitigen Vertragsbruchs beenden und den eigenen Anteil von rund 20 Prozent von VW zurückkaufen. Doch die Deutschen stellen sich quer. Im November haben die Japaner deswegen ein Schiedsgericht angerufen.

Ende September war bereits bekannt geworden, dass das Programm letztlich durch Produktivitätszuwächse, Kostensenkungen und höhere Umsätze „deutlich mehr“ als eine Milliarde Euro einspielen soll. Dem Bericht zufolge habe eine interne Studie zudem ergeben, dass der Autobauer rund 10.000 Mitarbeiter zu viel beschäftige.

Mit dem Programm will Zetsche das seit langem versprochene Renditeziel erreichen. Von 2013 an soll die operative Marge von Mercedes-Benz Pkw, unterstützt durch steigende Verkaufszahlen, dauerhaft um die zehn Prozent pendeln. Im Jahr 2011 waren es neun Prozent.

Die größten Autohersteller in Europa

Platz 10

Nissan - 239.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Im Vergleich zum Vorjahr büßen die Japaner Marktanteile ein. Die Zahl der Neuzulassungen schrumpfte um drei Prozent.

Platz 9

Toyota - 295.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Weltweit gehören die Japaner zu den größten Autokonzernen. In Europa stagnieren die Absätze allerdings. Im Vergleich zum Vorjahr wurden ein Prozent weniger Neuwagen verkauft.

Platz 8

Daimler - 349.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Der deutsche Premiumhersteller kann sich freuen: Als einziger Hersteller in der europäischen Top Ten verkauften die Stuttgarter mehr Autos als im Vorjahr. Die Verkäufe legten um ein Prozent zu.

Platz 7

BMW - 421.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Trotzdem kann BMW die Premiumkrone auch in Europa behaupten. Die Münchner verkauften zwar ein Prozent weniger Neuwagen als im Vorjahr - doch das ist immer noch besser als die Konkurrenz.

Platz 6

Fiat - 456.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Die Sorgenfalten von Fiat-Chef Sergio Marchionne dürften zunehmen. Mit einem Minus von 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr befinden sich die Italiener in einer der tiefsten Absatzkrisen der Unternehmensgeschichte.

Platz 5

Ford - 533.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Auch für den US-Autobauer, dessen größtes Werk in Europa nördlich von Köln liegt, sind die Verkäufe in Europa eingebrochen. 11 Prozent weniger Fahrzeuge wurden an den Mann gebracht.

Platz 4

General Motors - 573.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Die Zahlen sind besorgniserregend. So besorgniserregend, dass zuletzt auch Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke gehen muss. In Europa brachen die Verkäufe des US-Riesen im Vergleich zum Vorjahr um 11 Prozent ein.

Platz 3

Renault - 583.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Noch schlimmer trifft es den französischen Autoriesen Renault. Satte 17 Prozent weniger Autos konnten die Franzosen im ersten Halbjahr absetzen. Die Regierung denkt bereits über Staatshilfen für die angeschlagene heimische Autoindustrie nach.

Platz 2

Peugeot/Citroën - 827.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Auch der größte französische Autobauer klagt über Absatzprobleme und kündigte zuletzt an, 8000 Stellen streichen zu wollen. Im ersten Halbjahr schrumpften die Verkäufe um 14 Prozent.

Platz 1

Volkswagen - 1,66 Millionen Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Es ist einsam an der Spitze: Die Wolfsburger deklassieren die Konkurrenz um längen. Im schwierigen europäischen Massenmarkt verliert Volkswagen zwar ein Prozent - doch insgesamt nehmen die Marktanteile zu.

Der Anfang kommenden Jahres vor einer Vertragsverlängerung stehende Daimler-Lenker Zetsche hatte bereits Ende September die Notbremse gezogen und das Gewinnziel der umsatzstärksten und ertragsreichsten Sparte einkassiert. Der operative Gewinn von Mercedes-Benz Pkw werde 2012 fallen und unter fünf Milliarden Euro bleiben, hatte Zetsche in Aussicht gestellt. Damit rückt das für 2013 und die Folgejahre angepeilte Margenziel in der Kernsparte von dauerhaft um die zehn Prozent in weite Ferne: 2011 waren es mit Rückenwind durch die gute Autokonjunktur neun Prozent, im zweiten Quartal dieses Jahres 8,6 Prozent. Auf dem Autosalon in Paris Ende vergangenen Monats stellte Zetsche das angepeilte Margenziel unter Konjunktur-Vorbehalt. Das Umfeld sei schwieriger geworden, sagte der seit 2006 an der Daimler-Spitze stehende Manager und dämpfte damit die Erwartungen.

Von den schärfsten Pkw-Konkurrenten BMW und Audi sieht Mercedes-Benz schon länger nur die Rücklichter: Beide Wettbewerber fahren höhere Renditen ein. Als weltgrößter Premium-Pkw-Bauer enteilt BMW den Schwaben zusehends bei den Verkaufszahlen, inzwischen setzt sogar Audi zum Überholen des über Jahrzehnte unbestrittenen Marktführers in der Pkw-Oberklasse an. Zuletzt verlor Daimler auch in China - dem mittlerweile größten Automarkt rund um den Globus - den Anschluss, da Lieferschwierigkeiten und ein komplexe Vertriebsstruktur den Pkw-Verkauf dämpften.

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Dazu kommen weitere hausgemachte Probleme: Analysten kalkulieren schon länger, dass Daimler bei Mercedes-Benz Pkw mehr Stamm-Mitarbeiter und weniger Leiharbeiter als die Wettbewerber beschäftigt und daher wegen der höheren Produktionskosten bei der Rendite hinterherhinkt. Eine Projektgruppe habe errechnet, dass 8000 bis 10.000 Mitarbeiter bei Mercedes-Benz überflüssig seien, berichtete das "manager magazin". Mercedes fertige mehr in Eigenregie und zähle mehr Mitarbeiter im Vertrieb, hatte Zetsche Ende vergangenen Jahres die vergleichsweise größere Belegschaft rechtfertigte. Dennoch braucht Mercedes im Schnitt länger als die Konkurrenz, um ein Auto vom Band rollen zu lassen.

Um wie geplant bis 2020 wieder weltgrößter und profitabelster Premium-Autobauer zu werden, setzt Zetsche auf viele neue Modelle, die neue Käuferschichten ansprechen und Kunden der Wettbewerber anlocken soll. Dafür muss Mercedes in den kommenden Jahren nochmals milliardenschwere Investitionen stemmen, die den Gewinn schmälern. Außer einer breiteren Palette an Modellen des Flaggschiffes S-Klasse sind einem Bericht der "Auto Bild" zufolge auch ein Cabrio und ein Geländewagen der Kleinwagen-Marke Smart geplant, die Daimler viele Jahre hohe Verluste eingebrockt hatte.

Von

rtr

Kommentare (11)

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Account gelöscht!

18.10.2012, 11:41 Uhr

Na toll, gerade sind Qualität, Zuverlässigkeit und Design wieder auf aufsteigendem Ast, da werden mit Kostensenkungen die Erfolge der letzten 2 Jahre wieder demoliert. Hauptsache die Rendite stimmt.
Wollte gerade von BMW wieder zurück zu Mercedes. Hat sich dann wohl erledigt, in Stuttgart hat man aus den Fehlern der Vergangenheit mal wieder nix, aber auch gar nix gelernt.

Wendelin

18.10.2012, 11:44 Uhr

Zetsche hat kein Benzin im Blut wie Winterkorn! Zetsche ist eine Anlegermarionette. Zetsche gehört sofort durch Wiedeking abgelöst. Mit seinem Sparprogramm wandelt er auf Fiats Spuren.

Martin

18.10.2012, 11:50 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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