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01.02.2017

15:19 Uhr

Autobauer

Ein Hoffnungsschimmer aus Russland

VonAndré Ballin

Das Jahr 2016 war eine Katastrophe für den russischen Automarkt. Doch der steigende Ölpreis und ein mögliches Ende der Sanktionen lassen Experten wieder hoffen. Für Autobauer wie VW wäre das enorm wichtig.

Der russische Automarkt hat ein katastrophales Jahr hinter sich. AP

Stau in der Moskauer Innenstadt

Der russische Automarkt hat ein katastrophales Jahr hinter sich.

MoskauDraußen rasen in hoher Geschwindigkeit Autos durch den Moskauer Schneematsch. Drinnen im VW-Autosalon „Deutsches Haus“ ist es dagegen still. In der Woche ist nicht viel los, schon gar nicht am Vormittag. Verkäufer Witali Pawlow sitzt allein und eher gelangweilt am Schreibtisch und füllt ein paar Zettel aus. Schließlich kommt doch ein potenzieller Kunde in den Saal und sieht sich die vier ausgestellten Fahrzeuge an: Tiguan, Touareg, Passat und Polo.

Das sei nicht alles, was sie hätten, versichert Witali dem Mann. Den Jetta habe er noch im Angebot und eine größere Anzahl VW-Nutzfahrzeuge sei in einer anderen Filiale zu bekommen. Doch den Kunden interessiert ein Golf. „Der wird nicht mehr importiert, die Nachfrage ist zu schwach“, sagt Witali.

Der Rückgang der Verkaufszahlen hat ausländische Hersteller trotz einer teilweise bereits erfolgten Verlagerung der Produktion stärker als einheimische Autobauer getroffen Bloomberg

VW-Produktion in Nischni Nowgorod

Der Rückgang der Verkaufszahlen hat ausländische Hersteller trotz einer teilweise bereits erfolgten Verlagerung der Produktion stärker als einheimische Autobauer getroffen

Tatsächlich taucht der Golf nicht einmal in der vom Verband der europäischen Auslandsinvestoren (AEB) herausgegebenen Statistik der 25 meistverkauften Autos in Russland auf. Nur der in Kaluga südwestlich von Moskau produzierte Polo schafft es auf Rang fünf. Dafür sind gleich drei Lada-Modelle in den Top-10.

Allerdings war 2016 insgesamt eine Katastrophe für Russlands Autohändler. Gerade einmal 1,4 Millionen Neuwagen wurden im vergangenen Jahr in Russland verkauft; ein Minus von elf Prozent gegenüber 2015. Noch 2012 waren es mit knapp drei Millionen Autos doppelt so viele. 300 Autohändler mussten im Jahresverlauf dicht machen.

Von Moskaus einst hochfliegenden Ambitionen, Deutschland als Automarkt Nummer eins in Europa ablösen zu wollen, ist wegen Rubelkrise und sinkenden Reallöhnen der Russen wenig übriggeblieben. Doch immerhin sehen Experten nun einen Aufwärtstrend: Jörg Schreiber, Leiter des Automobilkomitees bei der AEB, prognostizierte dem Markt bereits zu Jahresbeginn ein „bescheidenes Wachstum“ von vier Prozent. Die Ratingagentur Moody's rechnet damit, dass das Volumen der Autokredite um 2 bis 7 Prozent zulegt.

Die Analysten des Informationsdienstleisters IHS sind sogar noch optimistischer: 2017 werde der russische Markt um 8,5 Prozent wachsen und 2019 die Schwelle von zwei Millionen verkauften Neuwagen wieder überschreiten. Bis 2026 sei sogar der Anstieg auf drei Millionen Pkw möglich. Voraussetzungen dafür seien allerdings ein steigender Ölpreis und die Abschaffung der westlichen Sanktionen gegen Russland, die IHS schon im zweiten Halbjahr 2017 fallen sieht.

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