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14.10.2015

10:57 Uhr

Autobauer im VW-Skandal

Wenn der Diesel aus der Flotte fällt

VonLukas Bay

Deutschlands Autohersteller brauchen den Diesel. Ohne die Technologie sind die CO2-Vorgaben nicht zu erreichen. Der Manipulationsskandal bei Volkswagen könnte auch die unbeteiligten Konzerne teuer zu stehen kommen.

Der VW-Skandal ist ein schwerer Rückschlag für die Technologie. ap

Diesel auf dem Prüfstand

Der VW-Skandal ist ein schwerer Rückschlag für die Technologie.

DüsseldorfAls Volkswagen im Jahr 2011 das erste US-Werk eröffnete, schien die Welt für den Diesel noch in Ordnung. Selbst Obamas damaliger Verkehrsminister Ray LaHood jubelte bei der Einweihung der Werkshallen in Chattanooga: „Wir stehen am Anfang eines neuen Verkehrssystems für ein neues Jahrhundert – und die Clean-Diesel-Technologie muss ein Teil hiervon sein.“

Vier Jahre später liegt der Ruf des Diesels in den USA in Trümmern. Die Manipulation von Abgaswerten hat der Technologie, die jahrelang als „Clean Diesel“ beworben wurde, ein Imageproblem sondergleichen beschert. Der Flurschaden für „Made in Germany“ ist noch gar nicht abzusehen. Wie es mit dem Diesel in den USA weitergeht, ist ungewiss. Volkswagen hat die Zulassung der neuen Modelle derzeit auf Eis gelegt.

Noch wichtiger für die Hersteller ist allerdings, dass der Dieselabsatz in Europa nicht unter dem Skandal leidet. Seit 1990 ist der Anteil der Fahrzeuge mit Dieselmotor in Westeuropa von 13,8 Prozent auf 53,1 Prozent gestiegen. Besonders die deutschen Premiumhersteller hängen vom Diesel ab: Bei Audi und BMW machen die Selbstzünder mehr als zwei Drittel des Absatzes aus. Die Technologie gilt für die Deutschen als unverzichtbar, um die strengen CO2-Vorgaben der EU einzuhalten.

Die Vertrauenskrise wird darum auch zum Problem für Hersteller wie BMW und Mercedes, die sich der Manipulation nach eigener Auskunft nicht schuldig gemacht haben. Nach einer aktuellen Prognose des Center Automotive Research (CAR) der Universität Duisburg-Essen könnte ein sinkender Dieselabsatz massive Folgen für die Hersteller haben, insbesondere wenn die EU an ihren Strafgrenzen festhält.

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Viele Volkswagen-Manager, die in den Abgasskandal verwickelt sein sollen, haben an der RWTH Aachen studiert. Das Netzwerk ist bis heute aktiv. Was wusste die Hochschule über den Skandalmotor?

Seit dem Jahr 2015 hat jedes Gramm CO2, das über dem Grenzwert von 130 Gramm liegt, massive finanzielle Folgen. Während die EU für das erste Gramm noch eine moderate Strafe von 5 Euro pro Auto veranschlagt, sind es ab dem vierten Gramm schon 95 Euro pro Fahrzeug. Bei einem Absatzrückgang des Diesels von fünf Prozent könnte der Flottenschnitt nach Berechnungen des CAR-Instituts um ein Gramm steigen. Damit würden der Branche zusätzliche Strafzahlungen von 70 Millionen Euro drohen. Eine Summe, die sicher zu verkraften wäre.

Kommentare (42)

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Herr Tom Schmidt

14.10.2015, 11:14 Uhr

Das ganze System mit Flottenverbrauch ist doch sowieso nur ein wirtschaftliches Kampfprodukt um die deutsche Autoindustrie zu bremsen. Damit erreicht man auch für die Umwelt rein gar nichts!

Das einzige Ergebnis ist doch nur in der Struktur der Firmen zu erwarten. VW kann einen Porsche mit einem VW up verrechnen, in Italien wird dann ein Fiat 500 mit einem Ferrari verrechnet. Muss sich jetzt BMW einen Elektrofahrradhersteller kaufen damit die Vorgaben erfüllt werden?

Es ist ein Versagen unserer Politik, dass dieser Flottenverbrauch nicht abgebügelt wurde, wenn kleine verbrauchsgünstige Fahrzeuge gefördert werden sollen, dann bitte so, dass ein Käufer unabhängig ist, von einem anderen Kunden der Autofirma!

Herr Wolfgang Winkler

14.10.2015, 11:15 Uhr

Es ist unerträglich, dass ständig die Technikfeindlichkeit der Grünen in der Presse in einer Art Gehorsamsreflex ihren Niederschlag findet. So auch hier, wenn der Einzelfall zum Branchenthema hochgeschriebe wird. Selbst die US Umweltschützer haben anderen Herstellern die Einhaltung der Werte bestätigt. Natürlich ist der Fall für die Branche unangenehm, nur den Normalverbraucher interessiert dies eher wenig, solange er nicht irgendwo zur Kasse gebeten wird. Explodierende Airbags sind hier wesentlich wichtigere Themen. Da die Grünen dazu neigen alle Grenzwerte in Richtung Nachweisgrenze zu verschieben, nehmen viele auch deren Klagen über die Grenzwertüberschreitungen besonders ernst.

Herr Wolfgang Winkler

14.10.2015, 11:18 Uhr

Korrigendum:
statt:
Da die Grünen dazu neigen alle Grenzwerte in Richtung Nachweisgrenze zu verschieben, nehmen viele auch deren Klagen über die Grenzwertüberschreitungen besonders ernst.
bitte lesen:
Da die Grünen dazu neigen alle Grenzwerte in Richtung Nachweisgrenze zu verschieben, nehmen viele auch deren Klagen über die Grenzwertüberschreitungen nicht besonders ernst.

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