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10.05.2017

14:55 Uhr

Autobauer macht weniger Gewinn

Gefühlte Krise bei Toyota

VonMartin Kölling

Gewinnmargen von zehn Prozent gehören nun auch bei Toyota der Vergangenheit an. 2016 kappte ein starker Yen die Gewinne bereits um 30 Prozent. Konzernchef Akio Toyoda beschwört für 2017 vorbeugend die Krise.

„Ich hasse es, geschlagen zu werden“, sagt der Toyota-Chef. AFP

Akio Toyoda

„Ich hasse es, geschlagen zu werden“, sagt der Toyota-Chef.

TokioToyota-Chef Akio Toyoda feierte am Mittwoch eine solide Konzernbilanz auf eine für ihn typische Art und Weise. Sein Unternehmen hatte im März abgelaufenen Bilanzjahr 2016 eine Gewinnmarge von 7,2 Prozent erzielt, einen der besten Werte der Autoindustrie. Der Absatz war sogar um rund 1,5 Prozent auf 10,25 Millionen Autos gestiegen. Doch Toyoda sagte: „Ich habe ein Krisengefühl.“

Ein Grund für seinen Missmut sind seine hohen Ansprüche an den Konzern, den sein Urgroßvater und sein Großvater vor 80 Jahren gegründet haben. „Ich hasse es, geschlagen zu werden“, sagte Toyoda. Und für ihn droht Toyota, zweimal in Folge schlechter abzuschneiden. Weil der Yen stark stieg, lag der Betriebsgewinn 2016 30 Prozent niedriger als im Rekordjahr 2015, als Toyota mit einer Traumgewinnmarge von zehn Prozent auftrumpfte. Und für dieses Jahr sagt Toyota voraus, das mehr Wettbewerb, stagnierender Absatz und höhere Rohstoffpreise weitere 20 Prozent des Gewinns kosten würden.

Toyota: Der heimliche Gewinner des VW-Dieselbetrugs

Toyota

Der heimliche Gewinner des VW-Dieselbetrugs

Toyota beschert ausgerechnet eine Technologie neue Absatzrekorde, die hierzulande lange belächelt wurde.

Doch Toyodas wichtigeres Motiv ist, die Belegschaft vor dem epochalen Wandel der Autoindustrie zu warnen. Alle Hersteller stehen unter großem Stress, weil sie mit hohen Investitionen sich viele Optionen offenhalten müssen. Denn niemand weiß, wie Elektroautos, zunehmende Vernetzung und die Technik des autonomen Fahrens Absatz und Geschäftsmodelle genau verändern werden.

Toyota investiert beispielsweise breit und viel in unterschiedliche Antriebe, neue Technologien und Umrüstung seiner Werke auf Toyotas neue globale Autoarchitektur. Obwohl die Profitabilität sinkt, will der Autobauer 2017 zum vierten Jahr in Folge mehr als eine Billion Yen (8,5 Milliarden Euro) für Forschung ausgeben. Die Investitionen in seine Produktionsanlagen dürften auf 1,3 Billionen Yen (10,5 Milliarden Euro) steigen, das Niveau aus Toyotas fetten Jahren vor der Weltwirtschaftskrise.

Für Investoren bedeutet dies tendenziell eine Gewinndiät. Denn der Konzernchef kündigte an, seine langfristig angelegten Investitionen nicht für kurzfristige Gewinnmaximierung zu opfern. Dabei gab er zu, dass in vielen Fällen der monetäre Einsatz noch keine Erträge abwerfe. Und teilweise haben Vorhaben noch nicht einmal etwas mit dem Kerngeschäft zu tun.

Das sind die rentabelsten Autokonzerne

Platz 10

Honda – Gewinn vor Steuern und Abgaben (Ebit): 5,2 Milliarden Euro*

Unter den japanischen Herstellern konnte keiner den Gewinn so stark steigern wie Honda. Im Jahresvergleich legte das Unternehmen um 31,5 Prozent zu. Dabei fiel die Ebit-Marge allerdingt mit 4,6 Prozent unterdurchschnittlich aus.

Quelle: CAM Bergisch-Gladbach; Stand: 12/ 2016 - Bei japanischen Herstellern wird das Kalenderjahr abgebildet

Platz 9

Nissan – Gewinn vor Steuern und Abgaben (Ebit): 5,7 Milliarden Euro

Das vergangene Jahr war für die Japaner durch Wechselkursschwankungen durchaus turbulent. Der Gewinn sank um 7,4 Prozent. Immerhin landete man mit einer Ebit-Marge von 6,2 Prozent im Mittelfeld aller Hersteller.

Platz 8

Hyundai – Gewinn vor Steuern und Abgaben (Ebit): 6 Milliarden Euro

Heimlich schielt der viertgrößte Autokonzern der Welt immer noch Richtung Weltspitze. Doch 2016 war für die Koreaner ein Rückschritt. Der Absatz schrumpfte leicht, der Gewinn sogar um satte 8,8 Prozent. Und auch die Marge war mit 5,2 Prozent unterdurchschnittlich.

Platz 7

Fiat-Chrysler – Gewinn vor Steuern und Abgaben (Ebit): 6,1 Milliarden Euro

Die italienische Überraschung: Durch den Erfolg von Jeep hat sich der italo-amerikanische Konzern wieder erholt. Der Gewinn wurde mehr als verdoppelt, obwohl der Absatz nur leicht zulegte. Allein die Marge ist mit 5,5 Prozent immer noch bestenfalls mittelmäßig.

Platz 6

Volkswagen – Gewinn vor Steuern und Abgaben (Ebit): 7,1 Milliarden Euro

Der Dieselskandal drückt weiter kräftig auf den Gewinn. Doch innerhalb eines Jahres haben es die Wolfsburger geschafft, das Ergebnis um 11,2 Milliarden Euro zu verbessern. Und das obwohl die Marge mit 3,3 Prozent immer noch mager ausfällt.

Platz 5

BMW – Gewinn vor Steuern und Abgaben (Ebit): 9,4 Milliarden Euro

Für den jahrelangen Primus der Premiumbranche ist der Gewinn im vergangenen Jahr leicht gesunken. Das können die Münchener aber locker verschmerzen. Dank einer Marge von zehn Prozent erwirtschaftet kein Konkurrent mehr pro Auto.

Platz 4

Ford – Gewinn vor Steuern und Abgaben (Ebit): 9,4 Milliarden Euro

Den Titel als rentabelster Autokonzern Amerikas hat Ford dieses Jahr verloren. Denn beim Ertrag und Absatz schwächelt der Weltkonzern. Die Marge fällt mit 6,8 Prozent überdurchschnittlich aus.

Platz 3

General Motors – Gewinn vor Steuern und Abgaben (Ebit): 9,8 Milliarden Euro

Unter Mary Barra gilt die Devise: Profit zuerst. Das war auch 2016 aus den Zahlen abzulesen. Der Gewinn konnte um fast 20 Prozent zulegen. Und mit 7,5 Prozent ist auch die Marge für einen Volumenhersteller sehr zufriedenstellend.

Platz 2

Platz 2 – Daimler – Gewinn vor Steuern und Abgaben (Ebit): 12,9 Milliarden Euro

Der profitabelste Premiumhersteller kommt aus Stuttgart. Im Vergleich zum Vorjahr schneiden die Schwaben zwar etwas schlechter ab. Doch eine Marge von 8,4 Prozent reicht immer noch für einen zweistelligen Milliardengewinn.

Platz 1

Toyota – Gewinn vor Steuern und Abgaben (Ebit): 17 Milliarden Euro

Wenn der Gewinn um fast 24 Prozent einbricht, würden die meisten anderen Konzerne wohl etliche Plätze einbüßen. Toyota nicht. Die Japaner sind weiterhin profitabler als alle anderen Hersteller. Vor allem wegen einer Marge von 7,8 Prozent, die zwar deutlich kleiner ausfällt als im Vorjahr – doch das ist immer noch besser als bei allen Konkurrenten.

Einer dieser Geduldsfälle im Hause Toyota ist die Sparte für Partnerroboter, die Menschen bei der Rehabilitation und dem Alltag helfen sollen. Seit zwölf Jahren entwickeln inzwischen 200 Experten an den Toyotas der Zukunft. Doch erst dieses Jahr stellte der Konzern sein erstes kommerzielles Produkt vor: ein System mit Laufband, Bildschirmen und angeleinter Beinprothese, das Schlaganfallpatienten effizienter als bisher das Gehen neu beibringt.

Noch länger dürfte es beim Toyota Research Institute dauern, dessen Gründung Toyoda die gleiche Bedeutung beimisst wie der Gründung des Autoherstellers durch den Webstuhlfabrikanten Toyota Industries, der noch heute Toyotas größter Aktionär ist. Das TRI entwickelt künstliche Intelligenz fürs Fahren und andere Arbeits- und Lebensbereiche und dürfte damit zum Auffangbecken für Toyotas Roboter werden. Irgendwann einmal.

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