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03.06.2014

20:35 Uhr

Autobauer sammelt Geld ein

VW bereitet Komplett-Übernahme von Scania vor

Um den Deal zu stemmen, braucht der Autobauer neue Milliarden: VW bereitet die Übernahme der Lkw-Tochter Scania vor, die die Wolfsburger schon zum Großteil kontrollieren. Institutionelle Anleger sollen es ermöglichen.

VW will den schwedischen LKW-Spezialisten Scania komplett übernehmen, um in dem Geschäftsbereich eine starke Marktposition aufzubauen. AFP

VW will den schwedischen LKW-Spezialisten Scania komplett übernehmen, um in dem Geschäftsbereich eine starke Marktposition aufzubauen.

FrankfurtVolkswagen will für die Komplettübernahme seiner Lkw-Tochter Scania bis zu zwei Milliarden Euro bei Anlegern einsammeln. Der Wolfsburger Konzern kündigte am Dienstag nach Börsenschluss die Ausgabe von neuen Vorzugspapieren an. Ein Konsortium aus den Großbanken Bofa Merril Lynch, Deutsche Bank, Goldman Sachs und J.P. Morgan Securities habe sich verpflichtet, die Papiere im Zuge eines beschleunigten Orderbuchverfahrens zu übernehmen und anschließend bei institutionellen Investoren zu platzieren. Dabei ist das Bezugsrecht der Altaktionäre ausgeschlossen.

Die Gesamtzahl der neuen Aktien und der Preis sollen nach dem Platzierungsverfahren festgelegt werden. Auf Basis des Schlusskurses der VW-Vorzugsaktie dürften etwa 10,2 Millionen Papiere ausgegeben werden. VW hatte den Scania-Eignern die Übernahme ihrer Anteilsscheine zum Preis von je 200 schwedische Kronen angeboten. Erst im zweiten Anlauf schaffte der Konzern die nötige 90-Prozent-Mehrheit, um die ungeliebten Minderheitsaktionäre aus dem schwedischen Traditionsunternehmen zu drängen. Zuletzt kontrollierte VW gut 98 Prozent von Scania.

Wie Ferdinand Piëch einen Weltkonzern schuf

1990er-Jahre

1993: Als Ferdinand Piëch im Januar 1993 den Vorstandsvorsitz von VW übernimmt, kämpft der Konzern mit einem Einbruch des Nordamerikageschäfts, hohen Kosten und Verlusten. Der neue Chef holt den Sanierer José Igancio López nach Wolfsburg. Weil der Spanier Betriebsgeheimnisse mitgenommen haben soll, entbrennt ein langwieriger Rechtsstreit mit seinem alten Arbeitgeber General Motors.
1997: Dank Piëchs Internationalisierungsstrategie laufen fast zwei von drei Autos im Ausland vom Band. 
1998: Mit der Übernahme der Marken Bentley (Foto) und Bugatti steigt Volkswagen ins Luxussegment ein. 
1999: Der Lupo kommt als erstes Drei-Liter-Auto auf den Markt. Im gleichen Jahr übertrifft Volkswagen als erster europäischer Hersteller die Schwelle von 100 Millionen produzierten Fahrzeugen

2000

Mit der im Juni eröffneten Autostadt setzt Piëch sich und dem VW-Konzern ein Denkmal in Wolfsburg. 

2001

Mit dem Luxusmodell „Phaeton“ erweitert VW das Oberklassenangebot. Für die Produktion des Kompaktvans Touran wird mit der IG Metall ein eigenes Tarifmodell entwickelt.

2002

Volkswagen übernimmt die schwedische Scania komplett und stärkt damit das Lkw-Geschäft. Der Aufsichtsrat wählt im April des Jahres Bernd Pischetsrieder zum Vorstandschef. Piëch übernimmt den Vorsitz im Aufsichtsrat.

2007

Im Januar tritt Martin Winterkorn das Amt des Vorstandsvorsitzenden an. Der VW-Konzern liefert 6,2 Millionen Fahrzeuge aus - so viele wie noch nie zuvor. Insbesondere in China, Brasilien und Osteuropa vermeldet VW Zuwächse von bis zu 32 Prozent im Vorjahresvergleich.

2009

Der von VW gesponserte VfL Wolfsburg gewinnt die Deutsche Fußball-Meisterschaft.

2011

Volkswagen legt in Silao in Mexiko den Grundstein für ein neues Motorenwerk. Nach zweijähriger Bauzeit eröffnet in den USA das neue Werk in Chattanooga mit einer Jahreskapazität von 150 000 Autos.

2012

VW hält über eine Holding 100 Prozent der Anteile an der Porsche AG, die als eigenständige Marke geführt wird - der integrierte Konzern von Volkswagen und Porsche entsteht.

Um den verbliebenen Anteilseignern mehr Zeit für die Annahme der Offerte zu geben, hatte VW abermals die Annahmefrist bis zum 5. Juni verlängert. Dieses Datum soll zugleich der letzte Handelstag sein, an dem das Papier des schwedischen Traditionskonzerns an der Börse gehandelt wird. Die Wolfsburger wollen eine schlagkräftige Allianz aus Scania und seiner zweiten Lkw-Tochter MAN schmieden, die es mit führenden Anbietern wie Daimler und Volvo aufnehmen kann. Dazu benötigen sie den vollen Durchgriff bei Scania. Dies ist nach schwedischem Recht erst ab 90 Prozent der Anteile möglich. Bei MAN reichten nach deutschen Aktienrecht gut 75 Prozent der Stimmrechte, um die Tochter zu beherrschen.

Volkswagen hatte den Scania-Minderheitsaktionären 200 schwedische Kronen je Aktie geboten. Die Komplettübernahme will sich Volkswagen rund 6,7 Milliarden Euro kosten lassen. Das Geld soll teils aus Barmitteln, der jetzt eingeleiteten Kapitalerhöhung sowie einer Hybridanleihe aufgebracht werden, durch die VW bereits drei Milliarden Euro eingesammelt hat.

Analysten hatten wiederholt kritisiert, dass VW Übernahmen auch durch Vorzugsaktien finanziert, obwohl der Konzern aus ihrer Sicht über genügend liquide Mittel verfügt. Ende März hatte der Konzern im Kerngeschäft 17,7 Milliarden Euro in der Kasse.

Von

rtr

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