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11.01.2005

07:26 Uhr

Autobauer sucht nach neuen Produktionsstandorten

Magna Steyr greift nach Massenmodellen

Der österreichische Autozulieferer und Autoproduzent Magna Steyr ist in seinem Expansionsdrang trotz der Nachfrageflaute auf wichtigen Märkten auch 2004 nicht gestoppt worden.

hof FRANKFURT. Das Tochterunternehmen des kanadischen Magna-Konzerns hat im vergangenen Jahr den „um Verkäufe bereinigten Umsatz verdoppelt“, sagte der Vorstandschef des Unternehmens, Manfred Remmel. Dieser Umsatz betrug 2004 rund zwei Mrd. Dollar. Konkrete Angaben zum Ergebnis machte er nicht, doch der Ertrag dürfte sogar noch stärker gestiegen sein, weil 2003 hohe Anlaufkosten für den BMW X3 und das Saab-Cabrio 9-3 angefallen waren.

Magna Steyr, der nach eigenen Angaben größte unabhängige Automobilhersteller Europas, hat 2004 laut Remmel „gut 200 000 Autos“ produziert. Neben BMW und Saab lässt auch Daimler-Chrysler bei Magna fertigen – sein G-Modell und die Allrad-Version der E-Klasse, der Jeep Grand Cherokee und der Voyager-Van laufen in Graz vom Band. Spätestens ab Anfang Juni 2005 kommt die große Chrysler-Limousine 300C hinzu, die – geht es nach den Plänen Remmels – den Anfang einer neuen Ära bei Magna Steyr markiert. Denn haben sich die Österreicher bislang auf die Produktion von Nischenfahrzeugen konzentriert, werden sie beim 300C erstmals für einen Autobauer einen Teil der Produktion eines Massenmodells übernehmen. Chrysler hat sich für diesen Schritt vor allem deswegen entschieden, weil die eigenen US-Kapazitäten für das Modell ausgereizt sind.

Das könnte nach Remmels Meinung Schule machen und die Expansion von Magna Steyr in den kommenden Jahren sichern. Er will die Autohersteller überzeugen, ihm die Probleme mit Lastspitzen in der Produktion zu überlassen. In der Anlaufphase eines neuen Modells könnten die Österreicher einen Teil der Produktion übernehmen, in der Endphase des Zyklus die letzten Monate abdecken. Für den Hersteller hätte dies den Vorteil, dass er seine Werke mit einer gleichmäßigen Kapazität über den Lebenszyklus fahren könnte, sich den Aufwand für Zusatzpersonal und Sonderschichten sparen würde – laut Remmel „ein Ausweg aus dem Teufelskreis der traditionellen Produktionsschwankungen, die immer auch eine Gefahr für die Qualität beinhalten“.

Trotz des Aufwands für die zusätzlichen Produktionsanlagen lohne sich das „Peak Shaving“ genannte Modell für den Hersteller. Für Magna Steyr rechne es sich dann, wenn zwei oder mehr Autobauer auf diese Weise eine Jahreskapazität von etwa 150 000 Einheiten gewährleisten, die dann in einer hochflexiblen Fertigung zusammengefasst werden könnten. „Dass wir die flexible Fabrik beherrschen, beweisen wir seit Jahren in Graz, wo wir auch bei Stückzahlen von 30 000 bis 50 000 im Jahr je Modell die Qualitäts- und Kostenziele der Auftraggeber erfüllt haben“, sagte Remmel.

Bei einer solchen Expansion würde der Standort Graz allerdings an seine Grenzen stoßen. Magna Steyr denkt daher über neue Standorte nach: Bestehende Autofabriken in Westeuropa hat Remmel angesichts der Überkapazitäten in der Branche ebenso im Visier wie ein Neubau in Osteuropa oder – falls von Kunden gewünscht – in den USA.

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