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22.08.2012

13:24 Uhr

Autobauer

VW trotzt der Krise

Während die meisten europäischen Hersteller unter der Absatzkrise auf dem Heimatmarkt leiden, dreht Volkswagen weiter einsam seine Runden an der Spitze. Der Absatz legte erneut zu.

Ein Mitarbeiter poliert das VW-Logo an einem Wagen. dpa

Ein Mitarbeiter poliert das VW-Logo an einem Wagen.

Wolfsburg Der Autobauer Volkswagen lässt sich mit seiner Kernmarke VW von der Absatzkrise in Europa kaum bremsen. In den ersten sieben Monaten legte der weltweite Absatz um 10,4 Prozent auf 3,26 Millionen Autos zu, wie das Unternehmen am Mittwoch in Wolfsburg mitteilte. Allein im Juli verkaufte der Hersteller von seiner Kernmarke 468.300 Autos, 11,9 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Die größten Autohersteller in Europa

Platz 10

Nissan - 239.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Im Vergleich zum Vorjahr büßen die Japaner Marktanteile ein. Die Zahl der Neuzulassungen schrumpfte um drei Prozent.

Platz 9

Toyota - 295.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Weltweit gehören die Japaner zu den größten Autokonzernen. In Europa stagnieren die Absätze allerdings. Im Vergleich zum Vorjahr wurden ein Prozent weniger Neuwagen verkauft.

Platz 8

Daimler - 349.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Der deutsche Premiumhersteller kann sich freuen: Als einziger Hersteller in der europäischen Top Ten verkauften die Stuttgarter mehr Autos als im Vorjahr. Die Verkäufe legten um ein Prozent zu.

Platz 7

BMW - 421.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Trotzdem kann BMW die Premiumkrone auch in Europa behaupten. Die Münchner verkauften zwar ein Prozent weniger Neuwagen als im Vorjahr - doch das ist immer noch besser als die Konkurrenz.

Platz 6

Fiat - 456.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Die Sorgenfalten von Fiat-Chef Sergio Marchionne dürften zunehmen. Mit einem Minus von 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr befinden sich die Italiener in einer der tiefsten Absatzkrisen der Unternehmensgeschichte.

Platz 5

Ford - 533.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Auch für den US-Autobauer, dessen größtes Werk in Europa nördlich von Köln liegt, sind die Verkäufe in Europa eingebrochen. 11 Prozent weniger Fahrzeuge wurden an den Mann gebracht.

Platz 4

General Motors - 573.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Die Zahlen sind besorgniserregend. So besorgniserregend, dass zuletzt auch Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke gehen muss. In Europa brachen die Verkäufe des US-Riesen im Vergleich zum Vorjahr um 11 Prozent ein.

Platz 3

Renault - 583.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Noch schlimmer trifft es den französischen Autoriesen Renault. Satte 17 Prozent weniger Autos konnten die Franzosen im ersten Halbjahr absetzen. Die Regierung denkt bereits über Staatshilfen für die angeschlagene heimische Autoindustrie nach.

Platz 2

Peugeot/Citroën - 827.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Auch der größte französische Autobauer klagt über Absatzprobleme und kündigte zuletzt an, 8000 Stellen streichen zu wollen. Im ersten Halbjahr schrumpften die Verkäufe um 14 Prozent.

Platz 1

Volkswagen - 1,66 Millionen Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Es ist einsam an der Spitze: Die Wolfsburger deklassieren die Konkurrenz um längen. Im schwierigen europäischen Massenmarkt verliert Volkswagen zwar ein Prozent - doch insgesamt nehmen die Marktanteile zu.

Zwar sanken die Verkäufe in der Konzernregion Westeuropa, zu der Deutschland nicht gehört, seit Jahresbeginn um fünf Prozent auf knapp 530.000 Autos. In Deutschland gab es dagegen einen Zuwachs von 2,5 Prozent, in Zentral- und Osteuropa sogar von gut 40 Prozent. Glänzend lief es in Nordamerika mit einem Zuwachs von fast 25 Prozent auf 346.700 Autos. In Asien wuchs der Absatz um 15,1 Prozent. Im wichtigsten Einzelmarkt China verkaufte VW 1,14 Millionen Autos, 15,2 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Was hinter VWs modularem Querbaukasten (MQB) steckt

Was ist der MQB?

Hinter der etwas kryptischen Bezeichnung "Modularer Querbaukasten" (kurz: MQB) verbirgt sich ein neues Plattformkonzept von Volkswagen, das die Fahrzeug-Produktion vereinheitlichen und in mehr als 40 Modellen von VW, Audi, Skoda und Seat Vorteile bei der Produktion mit sich bringen soll.

Die ersten Modelleaus dem MQB sind der neue Audi A3 und der VW Golf der 7. Generation, der im September auf dem Pariser Autosalon vorgestellte wird.

2. Was ändert sich?

VW-Fahrzeuge sollen leichter werden, innen mehr Platz bieten, sowie mehr Sicherheit und verbrauchsgünstigere Motoren erhalten. Der MQB bietet die Möglichkeit neben Benzinern oder Dieseln auch alternative Antriebe wie Erdgas, Hybrid oder Elektro-Antriebskomponenten in identischer Lage einzubauen.

Daneben verbindet der MQB vereinheitlichte Technikmaße wie den Abstand zwischen Gaspedal und der vorderen Radmitte mit variablen Parametern, wie etwa beim Radstand, den Spurbreiten und den Radgrößen. Auf diese Weise kann der MQB also auf verschiedene Fahrzeuge übertragen werden.

3. MQB und Golf VII

Ein Merkmal des MQB: Die Vorderräder werden um bis zu vier Zentimeter (in der Kompaktklasse) nach vorne verlegt. Neben mehr Platz innen soll so mehr Schutz für die Insassen drin sein. Wegen der Verwendung von gewichtsoptimierten Bauteilen, wird außerdem der neue Golf nur noch so viel wiegen wie ein Golf der 4. Generation. Im Durchschnitt werden alle auf dem MQB basierenden Fahrzeuge mindestens 40 Kilo leichter sein als ihre direkten Vorgänger.

4. Neue Motoren

VW hat im Zuge der Einführung des MQB auch eine neue Generation von Motoren entwickelt. Die bauen künftig kompakter, nehmen also weniger Platz einnehmen und sind gleichzeitig sparsamer. Durch Verwendung von Aluminium verliert z.B. der 1,4-Liter-Benziner mit 122 PS mehr als 20 Kilo. Beim Minderverbrauch sollen bis zu zehn Prozent drin sein.

Der Vierzylinder-TSI-Benzinmotor mit 1,2 Litern Hubraum leistet 85 oder 105 PS, das 1,4-Liter-Aggregat wird mit 122 oder 140 PS Leistung erhältlich sein. Das maximale Drehmoment beträgt 165 und 175 Nm bei den 1,2-Liter-Motoren, die beiden 1,4-Liter-Varianten bringen es auf 200 und 250 Nm ab einer Drehzahl von 1.400U/min.

Die neuen Dieselmotoren kommen mit 1,6 und 2,0 Litern Hubraum und leisten zwischen 90 und 190 PS. Das maximale Drehmoment reicht von 250 bis 380 Nm. Auch die Selbstzünder sollen beim Verbrauch deutlich sparsamer werden und die ab September 2014 geltende Euro-6-Norm erfüllen.

5. Neue Technik

Neu ist die Zylinderabschaltung, die im 1.4 TSI Premiere feiert. Zwei der vier Zylinder werden immer dann abgeschaltet, wenn der Fahrer in einem Drehzahlbereich zwischen 1.250 und 4.000 U/min. unterwegs ist und das Drehmoment zwischen 25 und 100 Nm liegt. Im Normzyklus soll diese Technik zu einer Verbrauchsersparnis von 0,4 L/100 km führen.

Bei den neuen Motoren wird der Zylinderkopf gedreht, so ist die Ansaugseite zur Fahrzeugfront und die Abgasseite zur Fahrgastzelle gerichtet. Dadurch kann eine einheitliche Verbindung zwischen Motor und Getriebe realisiert werden, die es erlaubt, alle Motoren mit dem gleichen Getriebe zu koppeln.

Mit der nach hinten geneigten Einbaulage im Winkel von zwölf Grad können auch Antriebsstrang und Antriebswellen vereinheitlicht werden.

6. Vorteile für den Konzern

Standardisierung von Bauteilen, Maßen und Produktionsabläufen senkt Kosten und reduziert Fertigungszeiten. Der MBQ soll aber auch die Flexibilität bei der Entwicklung neuer Fahrzeuge erhöhen, so lassen sich z.B. Nischen schneller bedienen.

Für VW ist beides wichtig, angesichts des harten weltweiten Wettbewerbs unter den Autobauern vor allem in den volumenstarken Segmenten Kleinwagen, Kompakt- und Mittelklasse.

Von

dpa

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