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01.12.2011

11:28 Uhr

Autobranche

BMW macht Japan schöne Augen

Der deutsche Autobauer BMW hat eine Partnerschaft mit Toyota geschlossen. Batterietechnik für die Deutschen, Motoren für die Japaner. Eine heikle Mission: Es geht ums Herz des Automobils.

Mit scharfen Scheinwerferaugen blickt der BMW i8 drein. AFP

Mit scharfen Scheinwerferaugen blickt der BMW i8 drein.

München, TokioBMW liefert Toyota künftig Dieselmotoren und arbeitet mit den Japanern auch in der Forschung eng zusammen. Beide Konzerne vereinbarten am Donnerstag in Tokio eine entsprechende Partnerschaft - und wollen weitere Projekte prüfen. Für die Münchner ist es die erste Kooperation mit einem japanischen Hersteller. „Wir sehen unsere Partnerschaft als einen wichtigen Schritt vorwärts“, sagte BMW-Vertriebsvorstand Ian Robertson auf einer Pressekonferenz am Rande der Tokyo Motor Show in der japanische Hauptstadt. Mit der Allianz der Hersteller ist die Autoindustrie um eine Kooperation reicher und verstärkt den Trend zur Zusammenarbeit von Konkurrenten.

Die größten Autohersteller der Welt

General Motors

Der Autobauer hat im Jahr 2011 insgesamt 9 Millionen Fahrzeuge abgesetzt und war damit Spitzenreiter der Branche. Auch bei der Forschung ist GM vorn mit dabei: Das Budget dafür beträgt 6,9 Milliarden Dollar (2010).

Volkswagen

Platz zwei beim Absatz: 8,4 Millionen Stück, bei der Forschung auf Platz drei (6 Milliarden Dollar).

Toyota

Platz drei: 8 Millionen Fahrzeuge haben die Japaner abgesetzt. Toyota ist auch bei der Forschung Spitze: Der japanische Konzern gab mit 8,5 Milliarden Dollar so viel für die Forschung aus wie keiner der Mitbewerber.

Hyundai

Platz vier für die Koreaner (mit Kia): 6,1 Millionen Stück, bei der Forschung mit 5,7 Milliarden Dollar ebenfalls Vierter.

Ford

Mit 5,7 Millionen abgesetzten Fahrzeugen landet der US-Autobauer auf Platz fünf, bei den Forschungsausgaben mit 5 Milliarden Dollar ebenfalls.

Nissan

Beim Autoabsatz sind die Japaner mit 4,7 Millionen Stück weltweit sechster. 4,7 Milliarden Dollar steckte Nissan in die Forschung (Platz sechs).

BMW

Mit 1,7 Millionen abgesetzten Fahrzeugen auf Platz zwölf, bei der Forschung mit einem Budget von 4,1 Milliarden Dollar auf Platz acht.

Daimler

Platz 13 bei den Auslieferungen: 1,4 Millionen Stück, bei der Forschung auf Platz sieben (4,6 Milliarden Dollar).

Quellen: Ernst & Young (Absatz), Booz & Company, Unternehmensangaben (Forschungsausgaben)

BMW und Toyota, das ist ein ungewöhnliches Bündnis zweier großer Namen in der Autoindustrie – zeigt aber ein Muster. In immer kürzeren Abständen knüpfen die Konzerne neue Allianzen, Koalitionen und Partnerschaften – denn der Wandel zur Elektromobilität macht die stolzen Konzerne verwundbar.

Mehr denn je sind die klangvollen Namen wie Daimler, BMW und VW auf die Zusammenarbeit mit Branchenfremden angewiesen, um sich in die neue Zeit zu retten. Die seit 125 Jahren angesammelte Erfahrung mit Verbrennungsmotoren hilft den Branchenriesen beim Sprung in ein Zeitalter ohne Öl dabei nur wenig. Neues Know-how ist nun gefragt über Batterie-Management, Leichtbau und digitale Vernetzung. Doch diese Kompetenz liegt weitgehend außerhalb des Reiches der bisherigen Autohersteller.

Das Darwin-Spiel, bei dem nur der Fitteste und Schnellste überlebt, hat in der Branche längst begonnen, zahlreiche Parallelentwicklungen stellen die Hersteller vor eine Zerreißprobe. Die Forschung dafür verschlingt branchenweit Milliarden von Euro. Die Gefahr, die Gewinne der Gegenwart falsch einzusetzen, ist groß.

Für Deutschland steht viel auf dem Spiel: Die Autoindustrie ist einer der größten Arbeitgeber der Republik, sie prägt den Industriestandort. Und damit das so bleibt, teilen die Autobauer angesichts ihres geringen Know-hows nun erstmals Kernkompetenzen wie die Batterietechnik oder die Fertigung des Antriebs mit wichtigen Lieferanten und Konkurrenten. Dass sich selbst wirtschaftlich starke Konzerne wie BMW und Toyota zusammenschließen müssen, ist nicht nur ein Fanal für den Aufbruch in eine neue Zeit, sondern eben auch ein Eingeständnis der Schwäche.

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

01.12.2011, 11:37 Uhr

Damit hat die Marke mit den wohl besten Dieselmotoren der Welt Ihren Entwicklungsvorteil zugunsten fragwürdiger Hybridtechnologien aufgegeben, die ohnehin nur eine Übergangslösung zu echten Alternativen darstellen. Ich möchte schon heute prognostizieren, dass diese Entscheidung sich als Fehler erweisen wird.

hardy

01.12.2011, 12:23 Uhr

die Finger von den Asiaten lassen ist das Gebot jetzt und für die Zukunft. Die können nur abkupfern, es ging mit der Leica so und endet beim Auto und anderen Industriegütern.
Was muß noch passieren, bis wir das endlich begreifen?
Diese Schlitz-Ohren stecken uns zwei Mal in den Sack. Aber unsere Leutseligkeit wird uns immer wieder veranlassen, die gleichen Fehler zu machen. 1968 wurde schon von Japanern bei Firmenbesuchen in deutschen Landen aus dem Knopfloch fotographiert. Heute geschieht es über den elektronischen Weg des Abhörens und Abfangens von Nachrichten. Aber wir begreifen erst, wenn es zu spät ist.

MisterX

01.12.2011, 13:06 Uhr

Das ganze Gejammer mutet doch ein wenig albern an. BMW liefert an Toyota Motoren, ja und? Sofern Toyota die Technologie von BMW studieren will, müssen sie nur einen BMW kaufen und zerlegen... was mit Sicherheit auch gemacht wird - gegenseitig. Ich kaufe keinen Toyota, weil da ein BMW-Motor drin ist...

Batterien sind eindeutig kein Alleinstellungsmerkmal, warum also sollte das schlecht sein? warum ist Kostensenkung ein Zeichen der Schwäche? Ein erfolgreicher Konzern ist eben auch wegen Kostendisziplin erfolgreich.

Wahrscheinlich haben die seit vielen Jahren sehr erfolgreich arbeitenden Manager von BMW doch ein wenig mehr Ahnung vom Automobilgeschäft als diverse Journalisten und Leser.

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