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09.08.2012

14:40 Uhr

Autobranche in der Krise

Kleine Zulieferer geraten in Abwärtsstrudel

Die Absatzkrise in der Autobranche wird vielen kleinen Zuliefererkonzernen langsam zum Verhängnis. Rund ein Viertel der Betriebe steht vor dem Aus. Dafür tragen auch die ständig Druck ausübenden Autobauer Verantwortung.

Besonders mittelständische Zulieferer stecken in der Krise. dpa

Besonders mittelständische Zulieferer stecken in der Krise.

MünchenWegen der ausufernden Autokrise in Europa steht vielen großen Pkw-Bauern das Wasser bis zum Hals. Manch kleinem Lieferanten dürfte sie nach Ansicht von Experten sogar das Leben kosten. „Wir rechnen damit, dass bei einer längeren Krise bis zu 25 Prozent der Zulieferer in Südeuropa ausscheiden werden", sagt Autoprofessor Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen.

Besser steht da, wer global aufgestellt ist oder zumindest als Kunden solche Autokonzerne hat, die viel exportieren. Denn Zuwächse in den USA und China gleichen derzeit bei vielen Pkw-Bauern Rückgänge in Europa aus. International agierende Lieferanten wie Valeo oder Faurecia lassen so die Krise weitgehend an sich abtropfen, und auch deutsche Konzerne wie Continental oder Grammer sind fein raus.

„Lange Zeit galt: Die Zulieferer sind eher in der Krise als die Autohersteller", sagt Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. „Das gilt so nicht mehr." Heute hänge es eher von der Aufstellung der Lieferanten, von Zahl und Struktur ihrer Kunden und von ihrer Innovationskraft ab, wie gut sie Rückschläge in einer Region wegstecken könnten.

Die größten Autohersteller in Europa

Platz 10

Nissan - 239.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Im Vergleich zum Vorjahr büßen die Japaner Marktanteile ein. Die Zahl der Neuzulassungen schrumpfte um drei Prozent.

Platz 9

Toyota - 295.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Weltweit gehören die Japaner zu den größten Autokonzernen. In Europa stagnieren die Absätze allerdings. Im Vergleich zum Vorjahr wurden ein Prozent weniger Neuwagen verkauft.

Platz 8

Daimler - 349.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Der deutsche Premiumhersteller kann sich freuen: Als einziger Hersteller in der europäischen Top Ten verkauften die Stuttgarter mehr Autos als im Vorjahr. Die Verkäufe legten um ein Prozent zu.

Platz 7

BMW - 421.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Trotzdem kann BMW die Premiumkrone auch in Europa behaupten. Die Münchner verkauften zwar ein Prozent weniger Neuwagen als im Vorjahr - doch das ist immer noch besser als die Konkurrenz.

Platz 6

Fiat - 456.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Die Sorgenfalten von Fiat-Chef Sergio Marchionne dürften zunehmen. Mit einem Minus von 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr befinden sich die Italiener in einer der tiefsten Absatzkrisen der Unternehmensgeschichte.

Platz 5

Ford - 533.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Auch für den US-Autobauer, dessen größtes Werk in Europa nördlich von Köln liegt, sind die Verkäufe in Europa eingebrochen. 11 Prozent weniger Fahrzeuge wurden an den Mann gebracht.

Platz 4

General Motors - 573.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Die Zahlen sind besorgniserregend. So besorgniserregend, dass zuletzt auch Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke gehen muss. In Europa brachen die Verkäufe des US-Riesen im Vergleich zum Vorjahr um 11 Prozent ein.

Platz 3

Renault - 583.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Noch schlimmer trifft es den französischen Autoriesen Renault. Satte 17 Prozent weniger Autos konnten die Franzosen im ersten Halbjahr absetzen. Die Regierung denkt bereits über Staatshilfen für die angeschlagene heimische Autoindustrie nach.

Platz 2

Peugeot/Citroën - 827.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Auch der größte französische Autobauer klagt über Absatzprobleme und kündigte zuletzt an, 8000 Stellen streichen zu wollen. Im ersten Halbjahr schrumpften die Verkäufe um 14 Prozent.

Platz 1

Volkswagen - 1,66 Millionen Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Es ist einsam an der Spitze: Die Wolfsburger deklassieren die Konkurrenz um längen. Im schwierigen europäischen Massenmarkt verliert Volkswagen zwar ein Prozent - doch insgesamt nehmen die Marktanteile zu.

Von der aktuellen Absatzkrise in Europa - die Verkaufszahlen sind hier seit knapp einem Dreivierteljahr auf Talfahrt - sind laut Dudenhöffer vom CAR-Institut vor allem mittelständische Unternehmen in den Ländern Frankreich, Italien und Spanien betroffen, welche die besonders leidenden Hersteller Peugeot, Renault und Fiat beliefern. „Während international tätige Zulieferer wie Valeo und Faurecia relativ gut durch die Krise gehen und beide im ersten Halbjahr 2012 ihren weltweiten Umsatz um mehr als zwölf Prozent steigern konnten, haben es die Mittelständler in den Südländern schwer."

Ein großes Risiko bestehe für Lieferanten aus der zweiten und dritten Reihe, assistiert John Leech, Autoexperte bei der Unternehmensberatung KPMG und verweist auf Firmen in Frankreich, „die niemals wirklich weit über ihre Grenzen hinaus expandiert haben". Diese kleinen Betriebe seien zudem abhängiger von Banken, die wiederum für die Kreditvergabe schärfere Regeln geltend machten.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

09.08.2012, 16:56 Uhr

Der Trend ist klar:

Große Autobauer verlagern die "Systemrisiken" wie "Komponentenbau" bzw. "Entwicklungskosten" auf die Zulieferung (Verringerung der Produktionstiefe, Baukastensysteme für mehre Modelle). Um so kleiner die Zulieferer - ohne Ansprucha auf Komponentenpartnerschaft - desto mehr kommen diese Partner in die Kostenfalle (ausgenommen: "einzigartige Spezialisten"). Im Boom wird durch die Steigerung der Produktionszahlen dieser Trend noch ausgeglichen, in rückläufigen Märkten wird es für diese Autozulieferer immer schwieriger sich zu behaupten.

F2003ga

09.08.2012, 20:20 Uhr

Eine bessere Recherche würde ich schon von von den Redakteuren des "Handelsblatt" erwarten. Vor allem könnten Sie auf die sogenannten Experten-Meinungen wie z. B. von Herrn Duddenhöfer verzichten. Die Deutschen Fabrikate schaffen es nur mit starken Subventionen und Händlerzulassungen ihre Marktanteile zu schönen. Ich bin gespannt, wen diese Hersteller wieder Wertberichtigungen für Ihre stark bezuschussten Leasingfahrzeuge vornehmen müssen. Das die ausländischen Hersteller viel schlechter dastehen bezweifle ich z. B. Fiat schreibt mit seiner Beteiligung an Chrysler weiterhin Gewinne und ist außerdem auf dem Brasilianischen Markt sehr gut vertreten. Ebenso GM ist mit der Marke Chevrolet sehr gut weltweit unterwegs und kann somit das schlechte Opel-Geschäft ausgleichen.

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