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24.01.2016

20:03 Uhr

Autoexperte Dudenhöffer

Iran bringt Konkurrenz – und neue Märkte

Nach dem Ende der Sanktionen gegen den Iran wegen des Atomabkommens versuchen alle Branchen Potenziale und Gefahren der neuen Entwicklung zu analysieren. Auch die Autobauer dürfte beides erwarten: Chancen und Risiken.

Der staatliche Autohersteller Iran Khodro war durch die Sanktionen von früheren Kooperationspartnern wie Daimler und Peugeot Citroën abgeschnitten. Die iranische Produktion ist zum Teil überaltert und dürstet nach Neuerungen. Reuters

Autoproduktion in Teheran

Der staatliche Autohersteller Iran Khodro war durch die Sanktionen von früheren Kooperationspartnern wie Daimler und Peugeot Citroën abgeschnitten. Die iranische Produktion ist zum Teil überaltert und dürstet nach Neuerungen.

BerlinBeim erwarteten Boom des Automarkts im Iran nach dem Ende der westlichen Sanktionen sehen Branchenexperten starke Konkurrenz für die deutschen Autobauer. Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Center der Uni Duisburg-Essen rechnet in einer Studie damit, dass vor allem die französischen Autobauer Peugeot Citroën und Renault sowie der japanische Hersteller Suzuki eine wichtige Rolle in neuen Handelsbeziehungen spielen werden. Chancen unter den deutschen Herstellern habe vor allem Daimler mit Nutzfahrzeugen. Daimler hat als einer der ersten deutschen Großkonzerne bereits konkrete Projekte für sein Nutzfahrzeug-Geschäft im Iran angestoßen.

Ein Großteil der Fahrzeuge im Iran sei deutlich überaltert, heißt es in Dudenhöffers Analyse. Der staatliche iranische Autobauer Iran Khodro (IKCO) habe vor der Zeit der Sanktionen eng mit Daimler bei den Nutzfahrzeugen sowie mit Peugeot Citroën, Renault und Suzuki bei Pkw zusammengearbeitet. Dies dürfte nun wiederbelebt werden.

Atomdeal mit Iran: Milliardengeschäfte für „Made in Germany“?

Was erwartet die deutsche Wirtschaft?

„Deutschland wird zusammen mit Frankreich und Italien zu den Ländern gehören, die mehr von der Einigung profitieren als andere“, sagt Volker Perthes, Direktor der Stiftung Wissenschaft und Politik. Deutsche Wirtschaftsverbände halten mittelfristig eine Vervierfachung des Exportvolumens von heute knapp 2,5 Milliarden auf über 10 Milliarden für möglich. „Das Land hat einen Riesennachholbedarf“, sagt DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier, der am Dienstag in diesem historischen Moment passenderweise in Teheran ist, der Deutsche Presse-Agentur. Derzeit seien im Iran 80 deutsche Firmen mit eigenem Geschäft tätig, dazu kämen etwa 1000 Repräsentanten und Vertriebsleute.

Sind jetzt alle Probleme gelöst?

Nein, denn die Sanktionen sollen schrittweise abgebaut werden. „Das Embargorecht für das Irangeschäft weiterhin bleibt damit relevant. Das kann im Detail viele Hemmnisse bedeuten“, erklärt der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Hinzu kommt: Auch wenn das Abkommen in den USA angenommen wird, muss US-Präsident Barack Obama dem Kongress alle 90 Tage bescheinigen, dass der Iran keine Terrororganisationen unterstützt. Andernfalls dürfte der Kongress schnell neue Sanktionen erlassen. „Der US-Kongress wird versuchen, die Unsicherheit zu bewahren“, sagt Perthes.

Welche Rolle spielen deutsche Banken?

Wie teuer Ärger mit den USA werden kann, erlebte jüngst die Commerzbank. Das Institut musste für einen Vergleich mit US-Behörden insgesamt 1,45 Milliarden Dollar hinblättern, um ein Verfahren wegen Geldwäsche und Geschäften mit „Schurkenstaaten“ wie dem Iran beizulegen. Wirtschaftsverbände wie der VDMA fordern nach dem Durchbruch von Wien, dass die Banken jetzt rasch reagieren: „Wenn die Finanzinstitute trotz des klaren Politikwechsels ihre eigene Geschäftspolitik weiterhin nicht anpassen, lassen sie die produzierende Industrie im Regen stehen“, warnt VDMA-Exportchef Ulrich Ackermann.

Wie stark sind die Wettbewerber in dem Land?

Insbesondere die Konkurrenz aus China profitierte von den Sanktionen, die die USA und die EU verhängt hatten. Gerade einmal 6,3 Prozent der Importe stammen derzeit noch aus Deutschland, Chinas Anteil liegt nach Angaben des Kreditversicherers Euler Hermes mit 15 Prozent etwa doppelt so hoch. Aber: „Iraner haben chinesische Produkte nicht gekauft, weil sie das wollten, sondern weil Alternativen fehlten“, sagt Perthes.

Welche Branchen könnte besonders von der Einigung profitieren?

„Die Modernisierung der Ölindustrie und anderer Branchen ist ein spannender Markt vor allem für den Maschinenbau“, sagt Hubertus Bardt vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Gefragt sind nach Einschätzung Perthes vor allem Turbinen, Kraftwerke, Lastwagen und Technologien zur Ölexploration „Made in Germany“. Nach Berechnungen von Euler-Hermes-Chefvolkswirt Ludovic Subran fehlen Iran von 2011 bis heute Importe in Höhe von 30 Milliarden Euro. „Ausländische Waren wie zum Beispiel Haushaltswaren sind derzeit sehr schwer zu bekommen, ganz zu schweigen von Autos oder Maschinen“, sagt Subran.

Wie stark ist die Konkurrenz inzwischen in dem Land?

Deutlich haben sich zum Beispiel die Verhältnisse im Maschinen- und Anlagenbau verschoben. Einst lag die deutsche Schlüsselindustrie mit einem Marktanteil von 30 Prozent auf Rang eins. Inzwischen dominieren chinesische Exportunternehmen. Maschinen im Wert von gut 5 Milliarden Euro wurden im vergangenen Jahr in den Iran exportiert. Davon entfielen 630 Millionen Euro auf Deutschland und 2,3 Milliarden Euro auf China. „Selbst im Optimalfall wird der chinesische Maschinenbau bei mehr als 10 Prozent Marktanteil bleiben, Korea wird seine neu gewonnenen Prozente hart verteidigen, und nicht zu vergessen - die USA sind wieder im Spiel“, sagt VDMA-Experte Klaus Friedrich. Ein Marktanteil von 15 bis 20 Prozent für den deutschen Maschinenbau wäre daher ein großer Erfolg.

Quelle: dpa

Aufgrund der Sanktionen sei der Automarkt im Iran auf weniger als eine Million Neuwagenverkäufe geschrumpft. Für dieses Jahr geht Dudenhöffer von einem Plus auf 1,2 Millionen Pkw-Neuwagenverkäufe aus. „Mittelfristig, sprich um das Jahr 2020, sollte der Markt wieder auf 1,6 Millionen Neuwagen wachsen können. Um das Jahr 2025 sind 2 Millionen Neuwagenverkäufe möglich.“ Dies sei aber abhängig von der wirtschaftlichen Entwicklung.

Das Analyseinstitut IHS hält langfristig Verkäufe von rund 1,8 Millionen Pkw im Jahr für möglich. Zum Vergleich: In Deutschland wurden im vergangenen Jahr rund 3,2 Millionen Fahrzeuge neu zugelassen. IHS erwartet, dass zunehmend auch chinesische Autobauer auf den iranischen Markt drängen werden. Der deutsche Branchenverband VDA geht mittelfristig sogar von einem Volumen von etwa 3 Millionen Neuzulassungen pro Jahr im Iran aus, wie der Verband am Dienstag mitgeteilt hatte.

Von

dpa

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