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16.01.2008

13:04 Uhr

Autoexport

Starker Euro setzt deutsche Autohersteller unter Druck

VonCarsten Herz

Die Wechselkursentwicklung wird immer mehr zum ernsthaften Problem für BMW, VW und Daimler. Um in Zukunft dreistellige Währungsverluste zu vermeiden, tüfteln die Großunternehmen an sehr unterschiedlichen Marktstrategien.

Auch Audi, hier mit dem neuen TT S Modell, denkt über eine Fabrik in den USA nach. Foto: dpa

Auch Audi, hier mit dem neuen TT S Modell, denkt über eine Fabrik in den USA nach. Foto: dpa

DETROIT. Für die deutschen Produzenten von Premiumautos wird das wichtige Geschäft in den USA als größtem Automarkt der Welt immer mehr zum Rechenspiel. Der schwache Dollar bereitet den Firmen mehr und mehr Kopfschmerzen. „Der gegenwärtige Euro-Kurs tut uns verdammt weh“, sagt Volkswagen-Chef Martin Winterkorn dem Handelsblatt in Detroit. Der Kurs schlage sich zwar nicht aktuell nieder, da VW für 2008 noch gut abgesichert sei. „Aber langfristig hat man bei einem Eurokurs von 1,45 Dollar keine große Freude.“ Auch die Experten der Ratingagentur Moody’s sehen einen starken Euro 2008 als ernsthaften Risikofaktor für die Ertragslage. Die anhaltende Dollar-Schwäche stelle für BMW, VW und Daimler ein echtes Problem dar, heißt es in einer aktuellen Studie.

Um sich unabhängiger von den Währungsrisiken zu machen, wollen vor allem BMW und VW Produktion und Einkauf im Dollar-Raum ausweiten. So steht VW vor der Entscheidung für den Bau eines Werkes im Dollarraum. Und die Bayern, die bereits ein Werk in den USA haben, wollen ihren Einkauf im Dollarraum erhöhen, sagt BMW-Chef Norbert Reithofer. Die Hersteller ziehen damit Konsequenzen aus der anhaltenden Stärke des Euro, die die Gewinnmargen für Exportfahrzeuge auf dem nach wie vor größten Automarkt der Welt deutlich schmälert. Ein rasches Ende des Euro-Höhenfluges ist nicht in Sicht: Bankvolkswirte erwarten zur Jahresmitte einen Kurs von 1,45 Dollar.

Neben der Absicherung des Währungsrisikos durch Finanzinstrumente wird für die Autokonzerne aus Europa damit das sogenannte Natural Hedging, also die natürliche Absicherung durch Verlagerung von Kapazität und Einkauf in den Dollarraum, immer dringlicher. Die großen deutschen Premiumhersteller Daimler und BMW haben im Gegensatz zu Konkurrenten wie der VW-Tochter Audi bereits seit Jahren eigene Werke in den Vereinigten Staaten. Dennoch kann die Fertigung im Dollarraum bisher nicht das Währungsrisiko komplett kompensieren. Allein BMW fuhr 2006 nach eigenen Angaben Währungsverluste von rund 666 Mill. Euro ein. In diesem Jahr sollen die Belastungen zwar geringer ausfallen, werden aber nach Aussagen des neuen BMW-Finanzvorstands Michael Ganal weiter deutlich im dreistelligen Millionenbereich liegen.

Ein Teil der Ursachen für die Abhängigkeit der Münchener von Währungsschwankungen liegt in den bisherigen BMW-Fertigungsstrukturen begründet. Zwar sollen künftig bis zu 240 000 Fahrzeuge pro Jahr im US-Werk in Spartanburg gefertigt werden, das wären fast 100 000 mehr als bisher. Doch nur ein geringer Teil der in den USA verwendeten Teile stammen aus dem Dollar-Raum. Viele teure Bauteile wie etwa Motor und Getriebe werden aus Deutschland nach Übersee verschifft. So machte der Einkauf im Dollarraum 2006 nach Angaben von BMW lediglich neun Prozent aus. Eine Quote, die sich unter Ganal nun rasch nach oben bewegen soll.

Auch beim Konkurrenten Audi rücken Überlegungen über eine US-Produktion wieder stärker in den Vordergrund. Um das Währungsrisiko zu mindern, sei eine „Fabrik in den USA Teil der strategischen Überlegungen“, sagte Audi-Chef Rupert Stadler jüngst in einem Interview.

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