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15.03.2013

14:33 Uhr

Autohersteller

Drei Opel-Standorte stimmen Sanierungsplan zu

Die IG-Metall-Mitglieder in Rüsselsheim, Kaiserslautern und Dudenhofen haben dem Sanierungsplan des Autobauers zugestimmt. Der Bochumer Opel-Betriebsrat kämpft hingegen weiter um die Sicherung von Jobs.

In Bochum stößt der Sanierungsplan des Autoherstellers Bochum weiter auf Widerstand. Die Standorte Dudenhofen, Kaiserslautern und Rüsselsheim stimmten dem Kompromiss hingegen zu. Reuters

In Bochum stößt der Sanierungsplan des Autoherstellers Bochum weiter auf Widerstand. Die Standorte Dudenhofen, Kaiserslautern und Rüsselsheim stimmten dem Kompromiss hingegen zu.

RüsselsheimDer mühsam erzielte Kompromiss zur Sanierung des angeschlagenen Autobauers Opel hat am Freitag eine wichtige Hürde genommen: Die IG Metall-Mitglieder an den drei Opel-Standorten Rüsselsheim, Kaiserslautern und Dudenhofen haben den dazugehörigen Tarifvertrag mit großer Mehrheit angenommen, wie der Metall-Bezirk Mitte am Freitag in Frankfurt mitteilte. Damit akzeptieren sie unter anderem, dass Tariferhöhungen weiter gestundet und übertarifliche Gehaltsanteile entfallen werden. Im Gegenzug verlängert die Adam Opel AG den Kündigungsschutz um zwei Jahre bis Ende 2016.

Der Chef des IG-Metall-Bezirks Mitte, Armin Schild, sprach von einem „solidarischem Votum“. Die Mitarbeiter hätten mit ihrer Abstimmung eine Zukunftsperspektive „für die Marke Opel als Ganzes und für alle deutschen Standorte“ eröffnet. Nach den Angaben befürworteten in Rüsselsheim 84 Prozent, in Kaiserslautern 91 Prozent und im Testzentrum Dudenhofen 92 Prozent der IG Metall-Mitglieder den Kompromiss. Damit könne der Tarifvertrag nach einer Erklärungsfrist, die am 27. März endet, unterzeichnet werden.

Die Sanierungspläne von Opel

Der „Deutschland-Plan“

Das Opel-Management hatte seine Absichten für das Werk Bochum bereits im Juni in einem „Deutschland-Plan“ skizziert, der die Grundlage der Sanierung des verlustreichen Herstellers sein soll. Die Eckpunkte haben sich seitdem kaum verändert. Hier die wichtigsten Bestandteile.


Werk in Bochum schließt

Mit dem Verlegung der aktuellen Generation des Familien-Vans Zafira nach Rüsselsheim endet die Fahrzeugproduktion im Traditionswerk Bochum Ende 2014. Erhalten wird nur ein Warenverteilzentrum.

Bessere Auslastung für andere Werke

Die übrigen Opel-Werke könnten durch die Produktion für andere Automarken, etwa die Schwester Chevrolet, besser ausgelastet werden.

Hoffnung auf Nischenmodelle

Nischenmodelle wie der Mini-SUV Mokka oder der Kleinwagen Adam sollen zusätzlichen Absatz bringen.

Neue Märkte erschließen

Über den Mutterkonzern General Motors will Opel wachsende Auslandsmärkte wie Russland oder die Türkei besser erschließen.

Sparen dank Kooperation

In der Zusammenarbeit mit dem Partner PSA Peugeot Citroën will GM für Opel Spareffekte nutzen, etwa in der Konstruktion oder womöglich sogar beim Bau von Fahrzeugen.

Am Standort Eisenach sollen die Mitarbeiter in den kommenden Tagen abstimmen. Der von den Kürzungen besonders hart getroffene Standort Bochum beteiligt sich vorerst nicht. Dort kämpft der Betriebsrat um die Sicherung von Arbeitsplätzen und die Konkretisierung von Zusagen der Geschäftsleitung. Der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel lehnt den Plan bisher ab: „Wir sollen abgewickelt werden und das sollen wir auch noch unterschreiben.“ Zunächst soll bis Monatsende nachverhandelt werden.

Schild versprach den Kollegen im Ruhrgebiet, die IG Metall werde die Zeit zu nutzen, um für die Bochumer Beschäftigten eine Lösung zu finden: „Das Ziel der IG Metall ist und bleibt, alle Opel-Standorte in Deutschland langfristig zu erhalten und betriebsbedingte Kündigungen zu verhindern.“ Klar sei aber auch, dass der Tarifvertrag an den anderen Standorten auch ohne die Zustimmung aus Bochum umgesetzt werden könne.

Opel in Bochum

1962

Das Werk entsteht nach ungefähr zwei Jahren Bauzeit auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Dammbaum. Das erste Auto, das vom Band rollt, ist ein Kadett A. Das Werk ist für 10.000 Beschäftigte konzipiert, viele der damaligen Arbeiter kommen aus dem Bergbau.

1967

Der Mittelklassewagen Olympia kommt ins Programm. Drei Jahre später sind es der Ascona und der legendäre Manta, die ab 1970 in dem Werk vom Band rollen.

1979

Höchststand bei der Beschäftigung: Zum Jahresende arbeiten mehr als 20 000 Menschen im Bochumer Opel-Werk.

1991

Der Astra löst den Kadett ab. Bis 2004 wird das Fahrzeug gefertigt, ab 1999 der Siebensitzer Zafira.

2004

Die Konzernmutter General Motors legt einen drastischen Sparplan für die europäische Tochter auf, bei der bis 2006 rund 10 000 Stellen gestrichen werden sollen. Opel beschäftigt in Bochum noch etwa 9000 Mitarbeiter.

2005

Betriebsrat und Management unterschreiben einen „Zukunftsplan“, der die Existenz des Bochumer Werks sichern soll. In dem Jahr kommt ein neues Zafira-Modell nach Bochum.

80er und 90er Jahre

Der Personalstand schwankt nach Angaben der Bochumer Werksleitung zwischen 15 000 und 17 000.

2009

GM kündigt einen weiteren drastischen Stellenabbau von Opel in ganz Europa an, rund 9000 der noch 55 000 Stellen sollen wegfallen.

2011

Seit dem Jahr wird der Zafira Tourer in Bochum gebaut. Es ist vermutlich die letzte Produktionslinie an dem Standort.

2012

Opel beschäftigt noch rund 3200 Menschen in Bochum. Seit Bestehen wurden in dem Werk 13,5 Millionen Autos gebaut. Das Werk besteht nun seit 50 Jahren.

2013

Die Bochumer Belegschaft sagt Nein zu einem neuen Sanierungsplan, der die Autoproduktion bis Ende 2016 vorsieht. Der Opel-Aufsichtsrat beschließt darauf das Aus für das Werk. Nur ein Warenverteilzentrum soll erhalten bleiben.

Der neue Opel-Chef Karl-Thomas Neumann sagte am Freitag bei seiner ersten Betriebsversammlung in Rüsselsheim, es führe kein Weg an dem Sanierungsplan vorbei. Der Vertrag bedeute zwar spürbare Einschnitte für alle Mitarbeiter: „Aber wir alle müssen uns bewusst sein, dass dieser Beitrag jetzt notwendig ist. Wir müssen jetzt die richtigen Weichen stellen, wir haben keine Zeit zu verlieren.“

Zugleich rief er die Belegschaft zu mehr Zuversicht auf: „Ich möchte, dass hier wieder eine Gewinner-Mentalität einzieht.“ Opel werde zu alter Stärke zurückfinden. Allerdings werde der Weg dorthin weder einfach noch kurz. Die Kosten müssten gedrückt und das Image aufpoliert werden. Opel fährt seit Jahren Verluste ein, die Absatzkrise in Europa verschärft das Problem der teuren Überkapazitäten zusätzlich.

Von

dpa

Kommentare (1)

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schild2910

16.03.2013, 16:54 Uhr

Lieber Armin Schild, du bist eine Wurst, für dieses solidarischem Votum, hätten dich früher die Gründer der Gerwerkschaften geteert und gefedert. Es ist halt einfach sich die Kohle der Gewerkschafter monatlich einzuverleiben. Zusätlich treibt ihr euch in den Aufsichträten rum und wechselt auch mal wie der Oliver B. Bo. einfach mal auf die andere Seite. PFUI Armin Schild

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