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28.04.2015

15:13 Uhr

Autohersteller mit Problemen

Airbag-Debakel wirft Honda zurück

VonMartin Kölling

Im Bilanzjahr 2014 verkaufte der japanische Auto- und Motorradhersteller Honda so viele Autos wie niemals zuvor. Aber die Gewinne sackten überraschend deutlich ab.

Der Autohersteller Honda hat Probleme. Der Gewinn brach im abgelaufenen Quartal überraschend kräftig ein – um 43 Prozent auf umgerechnet rund 755 Millionen Euro. AFP

Honda

Der Autohersteller Honda hat Probleme. Der Gewinn brach im abgelaufenen Quartal überraschend kräftig ein – um 43 Prozent auf umgerechnet rund 755 Millionen Euro.

TokioHonda will buchstäblich zum Höhenflieger werden. Vorige Woche hat der Auto- und Motorradbauer einen Minijet für eilende Geschäftsleute auf globale Schauflugtour geschickt, um für ihn die Werbetrommel zu rühren. Schließlich soll der „HondaJet“ künftig zuerst in den USA die Lüfte erobern, später vielleicht weltweit. Doch im Kerngeschäft, dem Autobau, lief es im Ende März abgelaufenen Bilanzjahr 2014 nicht rund. Denn wurde Honda stärker als andere Hersteller von Qualitätsproblemen und dem Airbag-Rückruf seines Zulieferers Takata getroffen.

Honda stellte 2014 zwar mit fast 4,4 Millionen Autos einen neuen Absatzrekord auf. Auch der Umsatz wuchs um 6,8 Prozent auf 12647 Milliarden Yen (97 Milliarden Euro). Aber der Reingewinn lag mit 523 Milliarden Yen nicht nur 8,9 Prozent unter dem Vorjahresergebnis, sondern auch deutlich unter der eigenen Prognose und den Vorhersagen der Analysten.

Der negative Eindruck der Bilanz wird noch dadurch verstärkt, dass der Lokalrivale und globale Branchenprimus Toyota glänzt wie niemals zuvor. Toyota wird im Mai für das Bilanzjahr 2014 wahrscheinlich einen neuen Rekordgewinn und vielleicht sogar eine zweistellige Gewinnspanne verbuchen. Hondas operative Profitmarge sackte 2014 hingegen auf 5,2 Prozent ab. Im letzten Vierteljahr krebste der Konzern sogar nur bei 3,3 Prozent herum.

Die größten Autobauer der Welt

Platz 10

Suzuki - 2,69 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Auch wenn der Absatz der Japaner stagniert treibt auch hier der Yen-Wechselkurs die Gewinne nach oben. Der Gewinn legt um satte 50 Prozent zu.

Platz 9

PSA Peugeot Citroën- 2,82 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Die Franzosen stecken weiter tief in der Krise und haben im Jahr 2013 rund fünf Prozent weniger Autos verkauft. Mit frischem Geld aus China soll es dieses Jahr wieder aufwärts gehen.

Platz 8

Honda - 4,28 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Kaum ein Autokonzern weltweit hat bei den Verkäufen so stark zugelegt wie die Japaner. Unterm Strich steht ein Plus von satten 12 Prozent.

Platz 7

Fiat/Chrysler - 4,42 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Die Fusion soll dem italienisch-amerikanischen Duo neuen Schwung verleihen. Für Gewinne sind im Markenreicht von Fiat, zu dem auch Maserati, Alfa Romeo und Jeep zählen, vor allem die Amerikaner zuständig.

Platz 6

Nissan- 5,1 Millionen verkaufte Fahrzeuge

In Deutschland erfreut sich vor allem der SUV Qashqai enormer Beliebtheit, aber auch weltweit läuft es rund für Japaner. Unter Strich steht ein Absatzplus von etwa drei Prozent.

Platz 5

Ford- 6,33 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Die Amerikaner haben nicht nur eines der besten Jahre der Unternehmensgeschichte hinter sich, sondern mit dem Focus erneut das meistverkaufte Auto der Welt in ihren Reihen. Für das Treppchen reicht das allerdings nicht.

Platz 4

Hyundai/Kia- 7,61 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Das rasante Wachstum der vergangenen Jahre ist etwas abgekühlt, doch die Koreaner legen weiterhin stetig zu. Das Duo landet trotz starker Heimatwährung beim Absatz im Plus.

Platz 3

Toyota- 9,03 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Beim Gewinn hängt Toyota die Konkurrenz um die Weltmarktspitze locker ab, doch beim Absatz reicht es nur für Bronze. Vor allem weil der Absatz im Vergleich zum Vorjahr nur stagniert.

Platz 2

Volkswagen- 9,51 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Der VW-Konzern kommt beim Absatz auf den zweiten Platz. Mit allen zwölf Konzernmarken, darunter auch Audi und Porsche, erwirtschaften die Wolfsburger ein Absatzplus von vier Prozent.

Platz 1

General Motors - 9,71 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Beim Absatz behaupten die Amerikaner im Dreikampf mit Toyota und Volkswagen die Krone. Ob sich der Titel angesichts der aktuellen Rückrufprobleme verteidigen lassen wird?

Quelle

Ernst&Young-Studie „Die größten Automobilhersteller weltweit“, Gesamtjahr 2013

Noch ernüchternder fällt allerdings Hondas Prognose für dieses Jahr aus. Obwohl das Unternehmen 350.000 mehr Autos verkaufen will als 2014, soll der Gewinn nur um 0,4 Prozent auf 525 Milliarden Yen wachsen. Denn höhere Ausgaben für Rückrufe und Qualitätssicherung sowie Wechselkursverluste sollen die positiven Effekte des Wachstums aufzehren.

Honda Probleme finden sich sowohl daheim wie auch im Ausland, im Unternehmen wie auch bei Zulieferern. Allein die neueste Hybridversion seines wichtigsten Massenfortbewegungsmittels Honda Fit (in Europa Jazz) rief der Konzern seit dem Verkaufsstart fünf Mal für Nachbesserungen in die Werkstätten zurück.

Dazu gesellte sich das Debakel um explodierende Airbags bei dem Automobilzulieferer Takata, an dem Honda beteiligt ist. Der Konzern verschob daher Modelleinführungen, um zuerst die Kräfte auf die Problembehebung zu konzentrieren. Und prompt folgte die Quittung in Hondas wichtigstem Markt, Nordamerika.

Während der Verkauf in Asien brummt, sackte Hondas Marktanteil in den USA innerhalb nur eines Jahres um mehr als einen Prozentpunkt auf nur noch 8,2 Prozent ab. Im ersten Quartal musste der Konzern sogar seinen japanischen Erzrivalen Nissan an sich vorbeiziehen lassen. Und ein Ende der Qual erwartet Honda erst, wenn in der zweiten Jahreshälfte neue Modelle auf den Markt kommen. 2015 soll der Absatz auch in den USA wieder wachsen. Nur in der japanischen Heimat und in Europa sieht sich Honda weiter auf Schrumpfkurs.

Kommentare (1)

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Frau Dick Pitt

29.04.2015, 17:50 Uhr

Honda scheint noch viel mehr Probleme zu haben.Schlechter Ruf: Die fiesesten Unternehmen 13.04.2015
Neben finanziellen können auch Umwelt- und Sozialrisiken am Image eines Unternehmens kratzen. Ist der Ruf erst ruiniert, lebst sich gänzlich ungeniert. Entscheidend für den guten Ruf sind vor allem die Qualität der Produkte und Dienste die gesellschaftliche Verantwortung und die Arbeitsbedingungen. Welche Unternehmen in Sachen schlechter Ruf die Nase vorne haben, zeigt der RepRisk-Index. Unter den Top 15 ist Honda und auch der japanische Airbag-Hersteller Takata. Das Unternehmen sorgte 2014 für einen der größten Skandale in der Automobilindustrie. Brandgefährliche Airbags haben Todesopfer gefordert.
Schlechter Ruf: Die fiesesten Unternehmen foonds.com
In Deutschland haben auf Kununu.com Mitarbeiter Honda bewertet. Die Kommentare lassen nur erahnen was da abgeht.

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