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14.12.2012

16:27 Uhr

Autohersteller

Opel will betriebsbedingte Kündigungen in Bochum vermeiden

Der Autobauer will betriebsbedingte Kündigungen in Bochum möglichst umgehen. Das sagte Thomas Sedran in einem Interview. Mindestens tausend Arbeitsplätze sollen laut eines Medienberichts offenbar erhalten werden.

Opel will betriebsbedingte Kündigungen bei Ende der Autoproduktion 2016 möglichst vermeiden. dapd

Opel will betriebsbedingte Kündigungen bei Ende der Autoproduktion 2016 möglichst vermeiden.

DüsseldorfDer Autobauer Opel will bei der Einstellung der Autoproduktion am Standort Bochum betriebsbedingte Kündigungen vermeiden. Dies sei ein „klares Ziel“ des Unternehmens, sagte Interimschef Thomas Sedran der am Montag erscheinenden „Wirtschaftswoche“. SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück sieht nach eigenen Worten keine Chance mehr für den Erhalt des Werks und lehnte Staatshilfen ab.

Sedran nannte im Interview mit der „Wirtschaftswoche“ das Ende der Fahrzeugproduktion in Bochum einen unverzichtbaren Teil der Unternehmensstrategie, um Opel wieder profitabel zu machen: „Es gab leider keine Alternative.“ Für die Mitarbeiter werde es „attraktive Abfindungen“ geben, sagte Sedran.

Opel hatte am Montag angekündigt, ab 2016 die Autoproduktion in Bochum einzustellen. Für Teile der Belegschaft besteht jedoch noch Hoffnung: Das Unternehmen will mit Arbeitnehmervertretern über den Aufbau einer Autoteilefertigung in Bochum verhandeln. Wahrscheinlich könnte aber selbst dadurch nur ein Bruchteil der bislang 3200 Beschäftigten am Standort den Job bei Opel behalten.

Die Sanierungspläne von Opel

Der „Deutschland-Plan“

Das Opel-Management hatte seine Absichten für das Werk Bochum bereits im Juni in einem „Deutschland-Plan“ skizziert, der die Grundlage der Sanierung des verlustreichen Herstellers sein soll. Die Eckpunkte haben sich seitdem kaum verändert. Hier die wichtigsten Bestandteile.


Werk in Bochum schließt

Mit dem Verlegung der aktuellen Generation des Familien-Vans Zafira nach Rüsselsheim endet die Fahrzeugproduktion im Traditionswerk Bochum Ende 2014. Erhalten wird nur ein Warenverteilzentrum.

Bessere Auslastung für andere Werke

Die übrigen Opel-Werke könnten durch die Produktion für andere Automarken, etwa die Schwester Chevrolet, besser ausgelastet werden.

Hoffnung auf Nischenmodelle

Nischenmodelle wie der Mini-SUV Mokka oder der Kleinwagen Adam sollen zusätzlichen Absatz bringen.

Neue Märkte erschließen

Über den Mutterkonzern General Motors will Opel wachsende Auslandsmärkte wie Russland oder die Türkei besser erschließen.

Sparen dank Kooperation

In der Zusammenarbeit mit dem Partner PSA Peugeot Citroën will GM für Opel Spareffekte nutzen, etwa in der Konstruktion oder womöglich sogar beim Bau von Fahrzeugen.

Unter Berufung auf Konzernkreise berichtete die „Wirtschaftswoche“, in Bochum sollten mindestens tausend Arbeitsplätze erhalten bleiben. Sedran wollte keine konkreten Zahlen nennen. Er sagte der Zeitschrift, dass das Warenverteilzentrum mit derzeit 430 Mitarbeitern ausgebaut werden solle. Bei der möglichen Komponentenfertigung könnte es zudem eine „dreistellige Zahl an Arbeitsplätzen“ geben.

Opel in Bochum

1962

Das Werk entsteht nach ungefähr zwei Jahren Bauzeit auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Dammbaum. Das erste Auto, das vom Band rollt, ist ein Kadett A. Das Werk ist für 10.000 Beschäftigte konzipiert, viele der damaligen Arbeiter kommen aus dem Bergbau.

1967

Der Mittelklassewagen Olympia kommt ins Programm. Drei Jahre später sind es der Ascona und der legendäre Manta, die ab 1970 in dem Werk vom Band rollen.

1979

Höchststand bei der Beschäftigung: Zum Jahresende arbeiten mehr als 20 000 Menschen im Bochumer Opel-Werk.

1991

Der Astra löst den Kadett ab. Bis 2004 wird das Fahrzeug gefertigt, ab 1999 der Siebensitzer Zafira.

2004

Die Konzernmutter General Motors legt einen drastischen Sparplan für die europäische Tochter auf, bei der bis 2006 rund 10 000 Stellen gestrichen werden sollen. Opel beschäftigt in Bochum noch etwa 9000 Mitarbeiter.

2005

Betriebsrat und Management unterschreiben einen „Zukunftsplan“, der die Existenz des Bochumer Werks sichern soll. In dem Jahr kommt ein neues Zafira-Modell nach Bochum.

80er und 90er Jahre

Der Personalstand schwankt nach Angaben der Bochumer Werksleitung zwischen 15 000 und 17 000.

2009

GM kündigt einen weiteren drastischen Stellenabbau von Opel in ganz Europa an, rund 9000 der noch 55 000 Stellen sollen wegfallen.

2011

Seit dem Jahr wird der Zafira Tourer in Bochum gebaut. Es ist vermutlich die letzte Produktionslinie an dem Standort.

2012

Opel beschäftigt noch rund 3200 Menschen in Bochum. Seit Bestehen wurden in dem Werk 13,5 Millionen Autos gebaut. Das Werk besteht nun seit 50 Jahren.

2013

Die Bochumer Belegschaft sagt Nein zu einem neuen Sanierungsplan, der die Autoproduktion bis Ende 2016 vorsieht. Der Opel-Aufsichtsrat beschließt darauf das Aus für das Werk. Nur ein Warenverteilzentrum soll erhalten bleiben.

„Ich würde keine Staatshilfen geben für ein Automobilwerk, das bei der augenblicklichen Lage des Automarktes betriebswirtschaftlich nicht zu halten ist“, sagte Steinbrück am Donnerstagabend in der ARD-Sendung „Beckmann“.

Kritik übte Steinbrück vor allem am US-Mutterkonzern General Motors. GM habe sich nicht „sehr anständig“ verhalten, sagte er. „Sie haben nicht nur in Bochum ihre Autowerke buchstäblich ausgeplündert über eine gemeinsame Kasse.“ Schon während der Opel-Krise 2009 seien entscheidende Fehler gemacht worden. Nicht nur die SPD, sondern auch weite Teile der jetzigen Bundesregierung hätten sich in den Jahren 2009 und 2010 von General Motors getäuscht gefühlt.

Opel war 2008 in der Wirtschaftskrise in finanzielle Schwierigkeiten geraten. GM zog den Verkauf von Opel in Erwägung, Italiens Autobauer Fiat, der kanadisch-österreichische Autozulieferer Magna und der belgische Finanzinvestor RHJI zeigten sich interessiert. Allerdings sagte GM im November 2009 den Verkauf dann überraschend wieder ab. Die Bundesregierung sagte Staatshilfen an Opel nach einem langen internen Streit ab.

Von

afp

Kommentare (3)

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MBoudik

14.12.2012, 17:37 Uhr

Betriebsbedingte Kündigungen mit Sozialplan und Abfindungen sind teuer. Eine Werksschließung für das Image schrecklich.

Also:

Die Leute werden so lange weich geklopft, bis diese freiwillig gehen. Oder in Vorruhestand.

Wer es noch nicht verstanden hat: In Europa gibt es bei den Automobilhersteller erhebliche Überkapazitäten. Es ist ein Verdrängungswettbewerb. Dieser wird Opfer unter den Herstellern fordern.

An wen sollen wir noch exportieren, ohne dass die Export-Überschüsse in das Unendliche wachsen? Oder anders, womit sollen diejenigen, denen wir unsere Autos verkauft haben, bezahlen? Griechenland lässt grüßen und die Chinesen produzieren selbst günstiger…

Man hört ja, der Geschäftswagen ist geleast und geht nach 2 Jahren offiziell als Gebrauchter (55 % Rabatt auf den Listenpreis) nach Russland….


Hans

14.12.2012, 23:17 Uhr

Opel dürfte als erste Produktionsvolumen aus Bochum abziehen. Und dann fängt GM an, die Beschäftigten los zu werden. GM hat da jetzt 3 Jahre Zeit.

Stefano

16.12.2012, 12:23 Uhr

Hm, bei den pleitegegangenen Baukonzerne Philipp Holzmann und Walter Bau hat es auch keine "Betriebsbedingte Kündigungen" gegeben. Der Insolvenzverwalter het die "überflüssigen" Beschäftigten einfach freigestellt.

Der Holzmann-Konzern, die Kirch-Gruppe, der Schreibwarenhersteller Herlitz, Walter Bau, Nokia,
BenQu, AEG, usw. sind die markanteste Beispiele dafür, dass Verzicht, bzw. länger arbeiten für weniger Geld, zu Begehrlichkeiten in andere Unternehmen geführt hat, aber keinen einzigen Arbeitsplatz gerettet oder geschaffen hat.

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