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25.10.2012

09:13 Uhr

Autoindustrie

Die Absatzkrise erfasst auch Daimler

Die Kauflust der Europäer auf neue Autos schwindet seit Monaten. Die Folgen für die Hersteller sind klar: Gewinne brechen weg, Werke müssen schließen, der Staat springt ein. Sogar Daimler kassiert seine Prognose.

Sogar der erfolgsverwöhnte Volkswagen-Konzern spürt die Ausläufer der Krise. dapd

Sogar der erfolgsverwöhnte Volkswagen-Konzern spürt die Ausläufer der Krise.

Wolfsburg/Paris/StuttgartDie Absatzkrise in Europa hat die Autohersteller voll erwischt. Daimler kassiert die Prognose für 2012. Der US-Konzern Ford will sein Werk im belgischen Genk mit 4300 Mitarbeitern schließen. Der französische Autobauer PSA (Peugeot, Citroën) nimmt Milliarden-Staatshilfe für seine Finanztochter. Und Branchenprimus Volkswagen berichtet über einen schrumpfenden operativen Gewinn.

Bei Daimler hieß es am Mittwochabend in Stuttgart: „Angesichts der deutlichen Verschlechterung des Marktumfelds in wichtigen Märkten in den vergangenen Monaten sowie einer Intensivierung des Wettbewerbs hat Daimler die Ergebniserwartungen angepasst.“

Ursprünglich hätten die Zahlen erst am Donnerstag kurz vor Börsenstart in Deutschland vorgelegt werden sollen. Eine E-Mail-Panne in den USA zwang zur früheren Mitteilung. Die Aktien des Autobauers notierten am Morgen 1,1 Prozent im Minus.
Daimler-Chef Dieter Zetsche rechnet noch mit einem operativen Ergebnis von ungefähr acht Milliarden Euro, was knapp neun Prozent unter Vorjahresniveau wäre. Die Schwaben wollen mit einem Sparprogramm gegensteuern. Unter dem Strich verdiente Daimler im dritten Quartal 11 Prozent weniger und kam auf 1,2 Milliarden Euro. Operativ blieben 1,9 Milliarden, was ein leichtes Minus von zwei Prozent ist. Die Umsätze stiegen merklich um 8 Prozent auf 28,6 Milliarden Euro. Auch für 2013 rechnet der Dax-Konzern durch die jüngst „deutlich verschärften Marktbedingungen“ mit erheblichem Druck für die selbst gesteckten Marken.

Der Autobauer Daimler will trotz des Gewinneinbruchs an seiner Dividendenpolitik keine Zweifel aufkommen lassen. "Unsere Dividendenfähigkeit ist voll gegeben", sagte Finanzvorstand Bodo Uebber am Donnerstag in einer Telefonkonferenz.

Vor allem bei der Ertragsperle Mercedes-Pkw, die ab 2013 dauerhaft eine Rendite von zehn Prozent abwerfen sollte, drückt Daimler der Schuh: Der Betriebsgewinn der umsatzstärksten und profitabelsten Konzernsparte schrumpfte im dritten Quartal auf 975 Millionen Euro von 1,108 Milliarden Euro vor Jahresfrist, die operative Marge rutschte noch stärker als von Analysten erwartet auf 6,4 von 8,0 Prozent ab. Konkurrent Audi verdient fast doppelt so viel.

Für das Schlussquartal kündigte Daimler weitere Einbußen an, da das Händlernetz in China gestützt werden müsse. Mercedes macht sich dort mit zwei Pkw-Vertriebsgesellschaften selbst Konkurrenz, die Gesellschaften sollen zusammengeführt werden.

Außer dem Pkw-Geschäft geht inzwischen auch der Lkw-Markt nach der jüngsten Erholung schon wieder auf Talfahrt: Die Auftragseingänge von Daimler Trucks brachen wie bereits bei Volvo und Scania ein. Die zweitgrößte Konzernsparte verdiente operativ mit 507 (Vorjahr: 555) Millionen Euro im dritten Quartal deutlich weniger. Die Bus-Sparte rutschte sogar in die Verlustzone.

Im vierten Quartal sei von einer schwächeren Nachfrage bei Lkw und Bussen auszugehen, stellte Daimler in Aussicht. Bei Pkw rechnen die Schwaben hingegen im Schlussquartal nochmals mit einem Absatzzuwachs, da vor allem in Nordamerika die Nachfrage noch gut ist. Der Konzernumsatz werde 2012 deutlich auf mehr als 110 Milliarden Euro steigen, 2011 waren es 106,5 Milliarden.

Die größten Autohersteller in Europa

Platz 10

Nissan - 239.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Im Vergleich zum Vorjahr büßen die Japaner Marktanteile ein. Die Zahl der Neuzulassungen schrumpfte um drei Prozent.

Platz 9

Toyota - 295.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Weltweit gehören die Japaner zu den größten Autokonzernen. In Europa stagnieren die Absätze allerdings. Im Vergleich zum Vorjahr wurden ein Prozent weniger Neuwagen verkauft.

Platz 8

Daimler - 349.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Der deutsche Premiumhersteller kann sich freuen: Als einziger Hersteller in der europäischen Top Ten verkauften die Stuttgarter mehr Autos als im Vorjahr. Die Verkäufe legten um ein Prozent zu.

Platz 7

BMW - 421.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Trotzdem kann BMW die Premiumkrone auch in Europa behaupten. Die Münchner verkauften zwar ein Prozent weniger Neuwagen als im Vorjahr - doch das ist immer noch besser als die Konkurrenz.

Platz 6

Fiat - 456.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Die Sorgenfalten von Fiat-Chef Sergio Marchionne dürften zunehmen. Mit einem Minus von 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr befinden sich die Italiener in einer der tiefsten Absatzkrisen der Unternehmensgeschichte.

Platz 5

Ford - 533.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Auch für den US-Autobauer, dessen größtes Werk in Europa nördlich von Köln liegt, sind die Verkäufe in Europa eingebrochen. 11 Prozent weniger Fahrzeuge wurden an den Mann gebracht.

Platz 4

General Motors - 573.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Die Zahlen sind besorgniserregend. So besorgniserregend, dass zuletzt auch Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke gehen muss. In Europa brachen die Verkäufe des US-Riesen im Vergleich zum Vorjahr um 11 Prozent ein.

Platz 3

Renault - 583.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Noch schlimmer trifft es den französischen Autoriesen Renault. Satte 17 Prozent weniger Autos konnten die Franzosen im ersten Halbjahr absetzen. Die Regierung denkt bereits über Staatshilfen für die angeschlagene heimische Autoindustrie nach.

Platz 2

Peugeot/Citroën - 827.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Auch der größte französische Autobauer klagt über Absatzprobleme und kündigte zuletzt an, 8000 Stellen streichen zu wollen. Im ersten Halbjahr schrumpften die Verkäufe um 14 Prozent.

Platz 1

Volkswagen - 1,66 Millionen Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Es ist einsam an der Spitze: Die Wolfsburger deklassieren die Konkurrenz um längen. Im schwierigen europäischen Massenmarkt verliert Volkswagen zwar ein Prozent - doch insgesamt nehmen die Marktanteile zu.

VW steuert global betrachtet zwar weiter auf Rekordkurs bei Auslieferungen und Umsatz, doch der schwache Europa-Markt sowie Investitionen in neue Modelle drückten das operative Ergebnis im dritten Quartal um rund ein Fünftel auf 2,3 Milliarden Euro. Unterm Strich verdiente Volkswagen 11,3 Milliarden Euro (plus 59 Prozent) - allerdings ist ein Großteil davon auf die Komplettübernahme der Sportwagenschmiede Porsche zurückzuführen. Deren Zahlen waren nach der Integration Anfang August erstmals in der VW-Bilanz enthalten.
Frankreich sagte PSA Peugeot Citroën staatliche Garantien von bis zu sieben Milliarden Euro zu, um die Zukunft der auf Fahrzeugkredite spezialisierten Finanzsparte sicherzustellen. Außerdem wurde die geplante Zusammenarbeit mit der schwächelnden General-Motors-Tochter Opel konkretisiert.

Kommentare (12)

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Account gelöscht!

25.10.2012, 07:41 Uhr

Heul, Winsel. Es sind NUR 8 Milliarden. Wenn man mal bedenkt, daß andere Automobilhersteller fast in der Insolvenz sind oder Kurzarbeiten und man dann noch bedenkt, daß der Daimler Absatz auch vom Auslauf der S-Klasse und Anlaufkosten A-Klasse belastet ist, scheint mir das Ganze doch sehr ein Jammern auf hohem Niveau zu sein.Natürlich darf man die nicht ganz so rosigen Konjunkturaussichten nicht außer Acht lassen. Aber soooo schlimm ist die eine Milliarde weniger auch nicht. VW kommt auch nur wegen Porsche besser weg. Und gegen die Griechenland Millarden ist die eine Millarde, die nun fehlt gar nix

Account gelöscht!

25.10.2012, 08:58 Uhr

Gehört zwar nicht hier her: aber liebers Handelsblatt, warum berichten sie nicht vom heutigen Abschlagen des Waffenstillstands in Syrien, dem Assad zugestimmt hat,jedoch von moslimischen Rebellen abgelehnt wird. Passt nicht so recht in ihre Idiologie oder?

(bitte beitrag wieder löschen,da nur Anregung)

least

25.10.2012, 09:27 Uhr

Daimler steckt nicht nur in der ´Absatzkriese´ sondern steckt seit Jahrzehnten in der Management und Abstiegskriese. Wo man schaut nur Probleme - Qualität - Image - Desing - Markencharakter - Sicherheit USA - geringe Verkaufszuwach in China - Formel 1 Desaster - Smart, überalterte (noch) Kundschaft; MB kann sich am deutschen Markt kaum noch behaupten - wer das nicht kann verliert die Welt. Aber Dr. Z & Co schieben wieder mal alles auf Europa - der Abstieg geht weiter; meiner Einschätzung nach machts die Firma unter dem jetzigen Management keine 5 Jahre mehr - dann Verkauf oder Staatshilfe

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