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25.02.2014

14:53 Uhr

Autoindustrie

Grünes Licht für strengere EU-Klimaauflagen

Schritt für Schritt werden die Abgasnormen für Autos verschärft. Zwischen Industrie und Klimaschützern muss dabei immer ein Kompromiss gefunden werden. Das EU-Parlament segnete nun die jüngste Neuregelung ab.

Bei neuen Autos soll die Obergrenze für den Ausstoß des Treibhausgases CO2 ab 2021 auf 95 Gramm pro gefahrenen Kilometer (g/km) gesenkt werden. dpa

Bei neuen Autos soll die Obergrenze für den Ausstoß des Treibhausgases CO2 ab 2021 auf 95 Gramm pro gefahrenen Kilometer (g/km) gesenkt werden.

StraßburgDie Autobranche muss in der EU ab 2020 schärfere Klimaauflagen für Neuwagen einhalten, bekommt bei der Umsetzung aber mehr Zeit als ursprünglich geplant. Das EU-Parlament stimmte am Dienstag in Straßburg für diesen Kompromiss. Bei neuen Autos soll die Obergrenze für den Ausstoß des Treibhausgases CO2 ab 2021 auf 95 Gramm pro gefahrenen Kilometer (g/km) gesenkt werden. Dabei müssen ab 2020 bereits 95 Prozent der Flotte diesen Wert unterschreiten. Ab 2015 soll der zulässige Grenzwert zunächst bei 130 g/km liegen.

Schon heute gibt es solche Zielwerte, die nach und nach verschärft werden. Deutschland hatte das Vorhaben für die jüngsten CO2-Reduktionsziele zuletzt monatelang blockiert. Die Fahrzeuge würden nun jedoch erheblich sparsamer, „und die europäischen Hersteller bleiben weltweit führend bei umweltschonenden Fahrzeugen“, sagte der Berichterstatter des Europaparlaments, Thomas Ulmer (CDU).

Die neuen Bestimmungen sollen für Hersteller gelten, die pro Jahr mehr als 1000 Fahrzeuge produzieren. Die Grünen äußerten Kritik an einem Kompromiss auf niedrigem Niveau: Viele Autobauer hätten bereits heute den Grenzwert für 2015 längst erreicht, sagte ihr verkehrspolitischer Sprecher Michael Cramer.

Der Verkehrsexperte des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Jens Hilgenberg, nannte den verbindlichen Grenzwert von 95 Gramm „ein gutes Signal für mehr Klimaschutz“. Es sei allerdings ein „Wermutstropfen, dass der Grenzwert erst ab 2021 gilt und die Hersteller schwerer Fahrzeuge weiterhin privilegiert werden“. Der SPD-Abgeordnete Matthias Groote sagte dagegen, das neue Recht schone den Geldbeutel der Autofahrer, schütze das Klima und liefere Anreize für nachhaltige Jobs in der Industrie.

Antriebsarten und ihre Abgaswerte

Motoren im Vergleich

Wie sehr ein Auto die Luft verpestet, hängt davon ab, was unter der Haube steckt. Denn je nach Motor stößt ein Wagen unterschiedlich viele Feinstaub-Partikel (PM) und Stickstoffdioxide (NO2) aus. Hier ein Überblick über das Abgasverhalten verschiedener Motoren.

Benzinmotoren

Moderne Benzinmotoren werden durch Direkteinspritzung zwar sparsamer gegenüber der Vergaser-Technik - und damit wird auch ihr CO2-Ausstoß gesenkt. Doch haben die Einspritzmotoren oft einen höheren Feinstaub-Ausstoß. Nach einer Untersuchung der Deutschen Umwelthilfe stoßen sie eine sehr hohe Zahl an ultrafeinen Partikeln aus, die massive gesundheitliche Folgen für die Atemwege und das Herz-Kreislauf-System haben können. In der Untersuchung kam heraus: Benzinfahrzeuge überschritten den aktuellen Grenzwert für Dieselfahrzeuge teils um das Sechsfache.

Dieselmotoren

Trotz Rußpartikelfilter - Selbstzünder sind laut Verkehrsclub Deutschland (VCD) die weniger sauberen. Der Grund: Ihr aktueller Grenzwert nach Euro-5-Norm ist beim Ausstoß von Stickoxiden (NOx) dreimal höher als bei Ottomotoren. Demnach dürfen Diesel bis zu 180 mg/km an Stickoxiden ausstoßen, während der Vergleichswert bei Benzinern bei 60 mg/km liegt. Bei den Feinstaubpartikeln liegen beide Verbrennungsprinzipien mit erlaubten 5 mg/km gleichauf. Diesel-Pkw können die aktuelle Euro-5-Norm nur mit Hilfe eines Partikelfilters erreichen.

Erdgas- und Autogasantriebe (CNG und LPG)

Erdgas gilt unter den fossilen Treibstoffen in der Expertenwelt als der sauberste. So stoßen Fahrzeuge, die CNG (Compressed Natural Gas) tanken, noch weniger Stickoxide aus als Benziner. Der TÜV Süd nennt gegenüber Benzinern eine Reduktion um bis zu 60 Prozent, bei LPG seien bis zu 15 Prozent weniger möglich. Erdgasautos emittieren zudem fast gar keine Rußpartikel.

Hybrid- und Elektroantriebe

Auch Hybridfahrzeuge müssen die Abgasnormen der EU einhalten. Generell lässt sich dem VCD zufolge sagen, dass Dieselhybride, wie sie neuerdings angeboten werden, mehr Schadstoffe ausstoßen als Benzinhybride. Fahren sie im rein elektrischen Modus, stoßen sie keine Schadstoffe aus - doch liegt die Reichweite für den E-Modus meist nur bei wenigen Kilometern. Dann springt der Verbrenner an. Elektroautos stoßen während der Fahrt zwar keinerlei Schadstoffe aus. Doch bei ihrer industriellen Fertigung und bei der Stromerzeugung werden ebenfalls Rußpartikel und Stickoxide erzeugt.

Aktuelle Luftdaten
Übersicht: Deutsche Umweltzonen
Studie zu Umweltzonen
Kurzinfo zu Umweltzonen
Hintergrundpapier zu Feinstaub
Fragen und Antworten zu Feinstaub
Fragen und Antworten zu Stickstoffoxiden

Erleichterungen sind für Hersteller von Elektroautos und anderen schadstoffarmen Fahrzeugen vorgesehen. Solche Wagen können sich die Autobauer zwischen 2020 und 2022 gleich mehrfach für ihre Klimabilanz anrechnen lassen - allerdings nur begrenzt. Dies soll Investitionen in klimafreundliche Antriebe zusätzlich beflügeln.

Die technischen Möglichkeiten würden durch diesen Kompromiss aber nicht ausgeschöpft und schadeten deshalb dem Klima, den Verbrauchern und der Zukunftsfähigkeit der heimischen Automobilindustrie, hieß es in einer Stellungnahme der deutschen Grünen.

Von

dpa

Kommentare (4)

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HofmannM

25.02.2014, 15:14 Uhr

Durch diese schwachsinnige europäische Klimaschutzpolitik wird Schritt für Schritt die Industrie aus Europa vertrieben und der Absatzmarkt wird zusehends in Europa zusammenbrechen.
Wer für diese Ideologie des Klima schützen zu müssen und CO2 einzusparen setzt, der betreibt massiven Schaden am europäischen Volk!
Energieeinsparung und CO2 Vermeidung ist das Aushängeschild für die nächste grünsozialistische EU-Staatsdiktatur. Mangel und Armut werden die Folgen dieser absurden und marktfremden grünsozialistischen Politik-Ideologie sein!

Account gelöscht!

25.02.2014, 15:23 Uhr

Hersteller in anderen Ländern werden gewiß die Lücke an umweltfreundlichen Fahrzeugen füllen. Zum Schluß wird es zwar kurzfristig Gewinne und Arbeitsplätze sichern, langfistig kostet es Wettbewerbsfähigkeit.
Ist wie mit Elektroautos. Bauen sie deutsche Hersteller nicht, machenes eben andere nicht nur Tesla!

sepp_m

26.02.2014, 09:00 Uhr

hallo,
ziehen Sie doch um, wenn hier alles so schlecht ist.
z.B. nach China.

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