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08.01.2009

11:14 Uhr

Autokrise

Autobranche rechnet mit Massensterben

VonCarsten Herz

Die Autokrise hat Deutschland fest im Griff. Und sie wird lange dauern. Spitzenmanager rechnen laut einer Studie von KPMG damit, dass die Branche fünf Jahre lang kämpfen muss. Das werden nicht alle Unternehmen überleben. Die Zahl der Insolvenzen könnte dramatisch ansteigen.

Wie tief wird die deutsche Autoindustrie din die Krise fahren? Foto: ap ap

Wie tief wird die deutsche Autoindustrie din die Krise fahren? Foto: ap

HB FRANKFURT. Die Autoindustrie rechnet angesichts der heftigen Absatzeinbrüche weltweit mit einer drastischen Konsolidierung in der Branche. Die Spitzenmanager der Autobranche erwarten in den nächsten fünf Jahren geringere Umsätze und Gewinne, mehr Insolvenzen sowie eine daraus resultierende Zunahme von Fusionen und Übernahmen. Das belegt eine Umfrage der Beratungsgesellschaft KPMG unter 200 Führungskräften internationaler Autohersteller und Zulieferer anlässlich der am Sonntag startenden Motorshow in Detroit.

„Knapp die Hälfte der Befragten geht für die kommenden fünf Jahre von stark schwankenden Erträgen aus oder sieht sich schlicht außer Stande, die Rentabilität ihres Unternehmens einzuschätzen“, sagte Uwe Achterhold, Leiter Automotive bei KPMG. „Das ist ein ungewöhnlich hoher Wert und kein gutes Zeichen für eine Branche, die in hohem Maße von langfristigen Planungen abhängig ist.“

Die Branche malt damit unmittelbar vor Beginn der Autoshow in Detroit, die traditionell als erstes wichtiges Stimmungsbarometer der Branche im neuen Jahr gilt, ein ungewöhnlich düsteres Bild für die nahe Zukunft. Fiat-Chef Sergio Marchionne hatte bereits jüngst geäußert, dass seiner Ansicht nach nur sechs Auto-Konzerne weltweit die gegenwärtige Wirtschaftskrise überleben werden. Auch andere Spitzenmanager halten offensichtlich eine Konsolidierungswelle nur noch für eine Frage der Zeit. Eine breite Mehrheit von 77 Prozent und damit doppelt so viele der Führungskräfte wie im Vorjahr sehen laut der Umfrage die Gefahr von Insolvenzen in der Branche.

Am pessimistischsten sind dabei die großen Autozulieferer, von denen sogar 87 Prozent von einer steigenden Zahl von Firmenpleiten ausgehen. Aber auch unter den Herstellern sind drei von vier Befragten dieser Ansicht. Die bevorstehende Gefahr einer Insolvenz sehen die meisten Fachleute auch als Haupttreiber für Fusionen und Übernahmen in der Branche. Vor allem bei Herstellern und Händlern sehen die Befragten Restrukturierungsbedarf. So erwarten 72 Prozent der Branchenexperten, dass es unter den Herstellern bis 2013 zu Fusionen, Übernahmen oder Allianzen kommt – vor einem Jahr war es nur knapp die Hälfte.

Die Autoindustrie geht damit mit ungewöhnlich pessimistischen Prognosen und historisch schlechten Absatzzahlen ins laufende Jahr. So waren die Verkaufszahlen auf praktisch allen etablierten großen Märkten zum Jahresende weiter eingebrochen und teilweise auf historische Tiefstände gesunken. Die Nachfrage auf dem größten Automarkt der Welt, die USA, stürzte 2008 auf den niedrigsten Stand seit 15 Jahren, der japanische Automarkt markierte ein 34-Jahres-Tief und Deutschland als größter Automarkt in Europa verkaufte 2008 so wenig Neuwagen wie seit 18 Jahren nicht mehr.

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