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16.01.2009

15:44 Uhr

Autokrise

Autoindustrie: Japans Stolz und Größe sinkt

Lange galten die japanischen Autohersteller schier als unangreifbar. Eine Rekordabsatzzahl jagte die nächste. Doch nun ist Japans Schlüsselindustrie ins Schlingern gekommen. Die Autokrise hat große wie kleine Hersteller böse erwischt. Die Produktionen werden immer weiter zurückgefahren. Und das Schlimmste kommt vielleicht erst noch.

Honda-Chef Takeo Fukui muss in Tokio auf einer Pressekonferenz schlechte Nachrichten verkünden. Foto: Reuters Reuters

Honda-Chef Takeo Fukui muss in Tokio auf einer Pressekonferenz schlechte Nachrichten verkünden. Foto: Reuters

HB TOKIO. Japans Autobauer reagieren auf die anhaltende weltweite Krise der Branche mit weiteren Kürzungen der Produktion. Der weltgrößte Hersteller Toyota und Konkurrent Honda kündigten weitere deutliche Einschnitte an. Der erfolgsverwöhnte Allrad-Spezialist Subaru muss seinen ersten Nettoverlust seit 15 Jahren hinnehmen, während Nissan die Herstellung neuer Fahrzeuge laut Medienberichten nach Thailand verlegen will. Und auch über dem Markt für Zweiräder ziehen dunkle Wolken auf: Zumindest fährt Yamaha fährt seine Produktion zurück.

Experten überraschen die drastischen Schritte der Autohersteller nicht. Genau wie die Konzenrchefs auch ahnen sie, dass die Autokrise noch nicht vorbei ist. Ganz im Gegenteil. „Diese Jahr wird schlimmer als das letzte“, sagte Tatsuya Mizuno, Leiter der Ratingagentur Fitch in Tokio, der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Nach einer Phase aggressiver Expansion muss die Produktion wieder angepasst werden.“ Neben dem Absatzrückgang bereitet der starke Yen den Produzenten sorgen, denn er drückt auf die Auslandsgewinne. „Der starke Yen zwingt die Autobauern dazu, ihre heimische Produktion zurückzufahren“, erklärt Mizuno.

Und gebrannte Kinder sind die japanischen Autohersteller ohnehin schon. Die Autokrise hinterlässt verheerende Spuren in den Bilanzen -auch in der von Toyota. Der Automobilhersteller wird in diesem Geschäftsjahr (per Ende März) erstmals in seiner 70-jährigen Unternehmensgeschichte einen operativen Verlust schreiben. Daher kürzt der Konzern seine Produktion in mehreren seiner nordamerikanischen Werke. Der weltgrößte Autobauer will so seine Lagerbestände im zweiten Quartal halbieren, teilte das Unternehmen am in Tokio mit.

Toyota hatte bereits die Produktionszahlen in den USA und Kanada für seine meistverkauften Modelle Camry und Corolla reduziert und die Pläne für ein eigenes US-Werk für das Hybridauto Prius auf Eis gelegt. Eine genaue Zahl, wie viel Fahrzeuge weniger gebaut werden sollen, wollte ein Unternehmenssprecher nicht nennen. Zusätzlich will der Autobauer in den USA und in Japan 5 000 Zeitarbeiter entlassen.

Die Produktionskürzungen fallen ja nach Modell und Werk unterschiedlich aus. So werden in einem Camry-Werk in Kentucky die Bänder in diesem Quartal für 29 Tage still stehen. Ein Werk für Kleintransporter dagegen hält seine Produktion nur für drei Tage an. Zu den erwarteten Absatzzahlen in den USA in diesem Jahr wollte sich der Konzern nicht äußern.

Im vergangenen Jahr musste der einst erfolgsverwöhnte Toyota-Konzern in den USA einen Absatzrückgang aller Marken um insgesamt fast 16 Prozent hinnehmen, das ist das stärkste Minus seit 34 Jahren.

Auch die Nummer zwei auf dem japanischen Automarkt hat es erwischt. Honda kürzt seine Produktion in Japan um weitere 56 000 Fahrzeuge und will 3 100 Zeitarbeitsjobs streichen. Wie das Unternehmen in Tokio bekanntgab, sollen bis Ende des Wirtschaftsjahres zum 31. März 1,168 Millionen Fahrzeuge produziert werden. Die Kürzungen betreffen alle Honda-Fabriken des Landes sowie alle Modelle. Ursprünglich sollten im zu Ende gehenden Wirtschaftsjahr 1,31 Millionen Fahrzeuge vom Band laufen.

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