Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.01.2009

12:02 Uhr

Autokrise

BMW führt nun doch Kurzarbeit ein

Nach Produktionsstopp und Überstundenabbau greift BWM nun zu drastischeren Mitteln. Der Münchener Autobauer kündigt für vier deutsche Werke zweimontige Kurzarbeit an. Gleichzeitig prüft der Konzern eine Staatsbürgschaft für seine Finanzsparte Financial Services. Sollte sich die Nachfrage nicht erholen, hat BMW auch weitere Maßnahmen in petto.

Schöne Scheinwerfer allein reichen derzeit nicht: BMW muss Kurzarbeit anmelden. Foto: dpa Quelle: dpa

Schöne Scheinwerfer allein reichen derzeit nicht: BMW muss Kurzarbeit anmelden. Foto: dpa

HB MÜNCHEN. Die anhaltende Absatzkrise zwingt den Autobauer BMW in die Kurzarbeit. Nach einer mehrwöchigen Produktionspause in den Weihnachtsferien soll in den kommenden Wochen rund ein Viertel aller Mitarbeiter weniger arbeiten, teilte das Unternehmen mit. Geplant sei, im Februar und März an vier deutschen Standorten insgesamt 38 000 Fahrzeuge weniger zu bauen als ursprünglich geplant, sagte der neue Personalvorstand Harald Krüger. Ab April soll die Produktion dann wieder normal laufen. Weitere Stellenstreichungen wie im vergangenen Jahr sind nicht geplant.

Gleichzeitig hat der Münchner Autohersteller auch Interesse an einer Staatsbürgschaft für seine Finanzsparte Financial Services angekündigt. Mit der Bürgschaft will BMW Anleihen absichern, um neues Geld zur Refinanzierung von Geschäften aufzunehmen.

Eine Vereinbarung mit dem Betriebsrat über Kurzarbeit sei unter Dach und Fach, sagte Krüger. „Wir haben jetzt eine grundsätzliche Vereinbarung, Kurzarbeit an ausgewählten Tagen zu fahren. Wir reden aber nur über einzelne Tage und Schichten, die ausfallen.“ Wie viel dies jeweils an den einzelnen Standorten seien, sei momentan noch nicht entschieden.

Betroffen sind die Werke Dingolfing, Regensburg, Landshut und Berlin. So sollen in Dingolfing 15 000 von rund 20 000 Mitarbeitern in Kurzarbeit gehen. In Regensburg sind 8 000 von 9 500 Stellen betroffen, in Landshut 2 700 von 3 500. In Berlin ist geplant, 190 Mitarbeiter in der Bremsscheibenfertigung weniger arbeiten zu lassen. Die Motorradproduktion in der Hauptstadt ist nicht betroffen. Keine Kürzungen soll es im Werk München, in Leipzig und an den ausländischen Standorten wie etwa in Spartanburg in den USA geben.

Weniger gebaut werden sollen vor allem Modelle der 3er- und 5er- Baureihe, die im vergangenen Jahr teils drastische Absatzeinbußen hatten. „Die Marktsituation hat sich im vierten Quartal noch einmal verschärft, besonders auf wichtigen Märkten wie den USA oder Japan“, sagte Krüger.

Zur Höhe der Einsparungen durch die zusätzlichen Kürzungen machte Krüger noch keine Angaben. „Das werden wir in den nächsten vier bis sechs Wochen klären. Momentan ist das noch nicht zu beziffern.“ Es ist vorgesehen, den Beschäftigten in mindestens 93 Prozent ihres durchschnittlichen Nettoeinkommens zu zahlen, selbst wenn die Arbeitszeit unter dieses Niveau sinkt. Weitere Stellenstreichungen wie im vergangenen Jahr seien nicht geplant. „Es wäre sehr kurzfristig gedacht, uns von den Mitarbeitern, die wir für künftiges Wachstum brauchen, zu trennen.“

Sollte die Nachfrage im Frühjahr wider Erwarten nicht anspringen, stünden BMW durchaus noch weitere Mittel zur Verfügung, um die Produktion ohne Stellenstreichungen anzupassen, sagte Krüger. „Unsere Arbeitszeitkonten sind unterschiedlich gefüllt, aber wir haben da noch Spielraum.“ Außerdem liege die natürlichen Fluktuation pro Jahr bei 1 000 bis 2 000 Stellen. Ultima ratio bleibe eine Fortsetzung oder gar Ausweitung der Kurzarbeit. „Wir gehen aber nach momentanem Stand der Dinge davon aus, dass wir diese Optionen nicht ziehen müssen.“

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×