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30.01.2009

08:01 Uhr

Autokrise

Toyota ist nicht unverwundbar

Lange war Toyota der gefeierte Star der Automobilindustrie. Jetzt in der Krise zeigt sich, dass auch der Branchenprimus nicht unverwundbar ist. Der weltweite Absatzrückgang macht Toyota schwer zu schaffen. Gleiches gilt für den einst nicht minder erfolgreichen Erzrivalen Honda, der eine rasante Talfahrt hinlegt. Nun ist auch noch der Gewinn um 90 Prozent eingebrochen.

Der Formel-1-Wagen von Timo Glock hat Feuer gefangen - brenzlig ist auch die Lage bei Toyota selbst. Foto: Reuters Reuters

Der Formel-1-Wagen von Timo Glock hat Feuer gefangen - brenzlig ist auch die Lage bei Toyota selbst. Foto: Reuters

HB TOKIO. Der weltgrößte Autobauer Toyota wird von der globalen Absatzkrise angeblich noch erheblich stärker ausgebremst als bislang erwartet. Wie japanische Medien am Freitag unter Berufung auf informierte Quellen berichteten, wird der erwartete operative Verlust im bis Ende März laufenden Geschäftsjahr wahrscheinlich auf 400 Mrd. Yen (3,4 Mrd Euro) anschwellen. Erst im Dezember hatte der erfolgsverwöhnte Konzern angekündigt, erstmals in der Geschichte des Unternehmens einen operativen Verlust zu erwarten, war dabei aber noch von einem Fehlbetrag in Höhe von 150 Mrd. Yen ausgegangen.

Doch die Krise ließ den Absatz derart sinken, dass Toyota nun auch unter dem Strich erstmals seit der Veröffentlichung von Nettoergebnissen im November 1963 auf rote Zahlen zusteuere, wie die führende japanische Wirtschaftszeitung „Nikkei“ berichtete. Toyota bemüht sich verstärkt darum, Lagerbestände abzubauen, indem weltweit einige Fließbänder gedrosselt wurden. Im Inland plant der Branchenführer laut „Nikkei“, die Produktion im Februar und März für insgesamt elf Tage zu stoppen. Der Ausstoß während dieser Zeit werde etwas weniger als die Hälfte des Vorjahresniveaus betragen.

Toyota hatte bereits die Produktionszahlen in den USA und Kanada für seine meistverkauften Modelle Camry und Corolla reduziert und die Pläne für ein eigenes US-Werk für das Hybridauto Prius auf Eis gelegt. Zusätzlich will der Autobauer in den USA und in Japan 5 000 Zeitarbeiter entlassen.

Wegen der Rezession in den USA, Europa und der Talfahrt in China ist die Nachfrage nach japanischen Autos dermaßen gesunken, dass fast alle japanischen Autohersteller die Produktion drosseln und Tausende Arbeiter entlassen.

Wie Ernst die Lage wirklich ist, zeigt ein Blick auf Toyotas großen Erzrivalen Honda. Einst verwöhnte das Unternehmen die Anteilseigner mit satten Gewinnen, das Unternehmen war eine Erfolgsstory - war. Denn jetzt hat Automobilunternehmen Honda für das vierte Quartal 2008 einen Gewinnrückgang um 90 Prozent gemeldet. Daraufhin wurde die Gewinnerwartung für das gesamte Geschäftsjahr, das noch bis Ende März läuft, mehr als halbiert.

Statt mit 180 Mrd. Yen (1,5 Mrd. Euro) sei nur noch mit 80 Mrd. Yen (680 Mio. Euro) zu rechnen, teilte die Nummer zwei unter den japanischen Autobauern nach Toyota am Freitag mit. Dies entspricht einem Rückgang um 57 Prozent. Im abgelaufenen Quartal wurde demnach nur noch ein Gewinn von 20,24 Mrd. Yen erzielt - gegenüber 200 Mrd. Yen im Vergleichszeitraum 2007. Honda hat angesichts des starken Nachfragerückgands infolge der Wirtschaftskrise bereits Stellen abgebaut und die Produktion zurückgefahren.

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