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26.01.2009

14:38 Uhr

Autokrise

US-Autozulieferer fürchten ein Gettysburg

Kaum sind General Motors, Ford und Chrysler um eine Insolvenz herumgekommen, da geht die Autokrise in den USA in die nächste Runde. Jetzt sind die großen Zulieferer dran. Laut Medienbericht bereiten sich mehrere Konzerne auf die Zahlungsunfähigkeit vor. Auch deutsche Unternehmen könnten betroffen sein. Die Rufe nach einem zehn Milliarden Dollar schweren Rettungsschirm werden laut.

Das Werk Chesterfield des Autozulieferers Visteon. Foto: ap ap

Das Werk Chesterfield des Autozulieferers Visteon. Foto: ap

HB DETROIT/NEW YORK. Es sah doch eigentlich auf dem ersten Blick alles nach einer Besserung aus, nach einer ersten Wolkenauflockerung am Himmel über Detroit. Die US-Regierung hat 17,4 Milliarden Dollar für die angeschlagene US-Autoindustrie bereitgestellt, Chrysler mit dem italienischen Autobauer einen Partner gefunden und Ford gab nun jüngst an, alleine ohne Staatshilfen die Autokrise meistern zu wollen. Doch hinter den Kulissen, fernab der Showrooms der großen Drei aus Detroit spitzt sich die Lage an den Bändern der Zulieferer zu.

Laut einem Bericht des Wall Street Journals (WSJ) bereiten sich gleich mehrere Autozulieferer auf Insolvenzverfahren vor. Die Gründe liegen auf der Hand. Vor allem GM und Chrysler hängen am Staatstropf, und ob es weitere Finanzspritzen geben wird, ist unklar - genauso wie das Schicksal der US-Autokonzerne überhaupt. Logische Folge: Große Zulieferer wie die einstige Ford-Tochter Visteon haben Berater engagiert, um nach Auswegen aus der Krise zu suchen.

Laut WSJ unter Berufung auf Insiderkreise soll Visteon Experten mit der Prüfung eines möglichen Insolvenzverfahrens beauftragt haben. Wobei eine solche freilich noch nicht bedeutet, dass das Unternehmen unmittelbar vor einem Bankrott steht. Ein Unternehmenssprecher war der Zeitung gegenüber angeblich nicht zu einer Stellungnahme bereit.

Andere Autozulieferer wie der finanziell etwas besser aufgestellte Wettbewerber Lear arbeiten dagegen weiter an Restrukturierungsmaßnahmen und setze sich bei staatlichen Stellen dafür ein, Konzessionen für die Branche zu erwirken.

Die werden offenbar höchste Zeit, denn sollte die Autonachfrage weiter zurückgehen, befürchten viele Beobachter einen vollständigen Zusammenbruch des Industriezweigs und damit verheerende Auswirkungen auf Arbeitsplätze und die Gesamtwirtschaft.

Und: Neben den US-Herstellern wären auch deutsche oder japanische Hersteller betroffen, die große Produktionsstätten in den USA unterhalten. Bislang haben die US-Automobilhersteller von der Regierung Kreditzusagen von 17,4 Mrd. Dollar erhalten. Damit sind jedoch strenge Auflagen verbunden, durchgreifende Restrukturierungen anzugehen, die noch die verblichene Regierung Bush bereitgestellt hatte.

Noch vor der Amtsübernahme des jetzigen US-Präsidenten Barack Obama sollen Vertreter der Autoindustrie bei der zukünftigen Regierung vorstellig geworden sein - um einen Rettungsschirm von zehn Milliarden Dollar für die Branche zu erwirken, wie die Financial Times meldet. In Kürze, so Neil de Koker, Präsident des Zulieferverbandes Original Equipment Suppliers Association (OESA), werde man einen offiziellen Antrag stellen.

Hintergrund: Den Zulieferern geht das Geld aus, da alleine GM, Chrysler und Ford bei ihnen mit 13 bis 15 Milliarden Dollar in der Kreide stehen. Damit fehlen den Zulieferern wiederum die Mittel, um bei Banken wiederum weitere Kredite zu erhalten. Die US-Regierung, so offenbar der Plan, soll nun rund 80 Prozent der Gelder absichern, die die großen Drei den Zulieferbetrieben schulden - und so den Teufelskreis aufbrechen. Und die Zeit rennt. Bereits im Februar und März befürchtet die OESA schlimme Folgen für die Zulieferindustrie, sollte bis dahin die Finanzierungsmisere nicht behoben sein.

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