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21.11.2012

11:47 Uhr

Automärkte

Osteuropa setzt zum Überholmanöver an

VonLukas Bay

Europa bleibt ein attraktiver Standort für die Autoproduktion. Allerdings wächst die Branche vor allem in Osteuropa. Die Wachstumsmärkte der Zukunft liegen im Billigsegment.

Attraktives Angebot: Die tschechische Marke Skoda gehört zu den Umsatztreibern des VW-Konzerns. dpa

Attraktives Angebot: Die tschechische Marke Skoda gehört zu den Umsatztreibern des VW-Konzerns.

DüsseldorfAls 2009 die Krise Europa überkam, kürzten die Manager in der Automobilbranche an allen Ecken und Enden. Europaweit brach die Produktion ein. Allein Frankreich fertigte fast 20 Prozent weniger Autos, in Großbritannien waren es sogar 33 Prozent. Nur drei europäische Länder trotzten der Krise: Rumänien, Tschechien, Slowenien. Mit neuen Billigautos machten die Osteuropäer die Not zur Tugend und wuchsen, während die anderen schrumpften. Eine Strategie, die bis heute Erfolg hat und das Kräfteverhältnis in Europa verändern könnte.

Westeuropa muss um die Vorherrschaft in der Autoproduktion bangen. Europa spaltet sich in Gewinner und Verlierer. In einer Studie hat das Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach die Autoproduktion der europäischen Länder in den letzten zehn Jahren aufgeschlüsselt. Das Ergebnis: Deutschland ist das einzige Land Westeuropas, dessen Autoindustrie noch wächst. Länder wie Tschechien und Rumänien setzen zum Überholmanöver an - während Traditionsmärkte wie Frankreich, Italien und Spanien langsam an Bedeutung verlieren. Insgesamt ist die Autoproduktion in Europa von rund 18 Millionen auf 16,9 Millionen gesunken.

Die Wettbewerbsintensität unter den Herstellern ist erheblich gestiegen. Im abnehmenden Markt wird die Attraktivität des Produktionsstandortes immer wichtiger. Neben den niedrigen Kosten der Produktion, suchen die Hersteller auch nach flexiblen Strukturen wie gesetzliche Vorgaben - und weichen darum auf Osteuropa aus. In den neuen Märkten kann Europa seine Attraktivität als Produktionsstandort behaupten. Während der Absatz auf dem Heimatkontinent in den vergangenen zehn Jahren um zwanzig Prozent zurückgegangen ist, ist die Produktion nur um knapp fünf Prozent gesunken.

Allein Rumänien hat die Autoproduktion seit 2001 verfünfacht. Der Erfolg hat einen Namen: Dacia. Die Billigmarke des Renault-Konzerns war eigentlich nur ins Leben gerufen worden, um Niedrigpreis-Autos für den osteuropäischen Markt zu fertigen. Doch als immer mehr Re-Importe über Westeuropas Straßen rollten, wurde auch der westeuropäische Markt für die Rumänen geöffnet.

Die größten Autohersteller in Europa

Platz 10

Nissan - 239.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Im Vergleich zum Vorjahr büßen die Japaner Marktanteile ein. Die Zahl der Neuzulassungen schrumpfte um drei Prozent.

Platz 9

Toyota - 295.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Weltweit gehören die Japaner zu den größten Autokonzernen. In Europa stagnieren die Absätze allerdings. Im Vergleich zum Vorjahr wurden ein Prozent weniger Neuwagen verkauft.

Platz 8

Daimler - 349.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Der deutsche Premiumhersteller kann sich freuen: Als einziger Hersteller in der europäischen Top Ten verkauften die Stuttgarter mehr Autos als im Vorjahr. Die Verkäufe legten um ein Prozent zu.

Platz 7

BMW - 421.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Trotzdem kann BMW die Premiumkrone auch in Europa behaupten. Die Münchner verkauften zwar ein Prozent weniger Neuwagen als im Vorjahr - doch das ist immer noch besser als die Konkurrenz.

Platz 6

Fiat - 456.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Die Sorgenfalten von Fiat-Chef Sergio Marchionne dürften zunehmen. Mit einem Minus von 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr befinden sich die Italiener in einer der tiefsten Absatzkrisen der Unternehmensgeschichte.

Platz 5

Ford - 533.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Auch für den US-Autobauer, dessen größtes Werk in Europa nördlich von Köln liegt, sind die Verkäufe in Europa eingebrochen. 11 Prozent weniger Fahrzeuge wurden an den Mann gebracht.

Platz 4

General Motors - 573.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Die Zahlen sind besorgniserregend. So besorgniserregend, dass zuletzt auch Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke gehen muss. In Europa brachen die Verkäufe des US-Riesen im Vergleich zum Vorjahr um 11 Prozent ein.

Platz 3

Renault - 583.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Noch schlimmer trifft es den französischen Autoriesen Renault. Satte 17 Prozent weniger Autos konnten die Franzosen im ersten Halbjahr absetzen. Die Regierung denkt bereits über Staatshilfen für die angeschlagene heimische Autoindustrie nach.

Platz 2

Peugeot/Citroën - 827.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Auch der größte französische Autobauer klagt über Absatzprobleme und kündigte zuletzt an, 8000 Stellen streichen zu wollen. Im ersten Halbjahr schrumpften die Verkäufe um 14 Prozent.

Platz 1

Volkswagen - 1,66 Millionen Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Es ist einsam an der Spitze: Die Wolfsburger deklassieren die Konkurrenz um längen. Im schwierigen europäischen Massenmarkt verliert Volkswagen zwar ein Prozent - doch insgesamt nehmen die Marktanteile zu.

Innerhalb weniger Jahre ist Dacia zum einem der erfolgreichsten Autobauer in der Geschichte des Automobils aufgestiegen: Kein Hersteller konnte die Produktion in weniger als zehn Jahren von Null auf über 800.000 Fahrzeuge pro Jahr steigern. Schon vor 2015 wollen die Rumänen weltweit mehr als eine Million Fahrzeuge bauen. Dem ersten Modell Logan folgte ein Kombi, ein Pick-up, ein Kleinwagen, ein SUV und ein Van.

Ein weiterer Wachstumsmotor des Europäischen Automarktes ist die Slowakei. Hier haben die koreanischen Schwesterunternehmen Hyundai und Kia ihre größten Produktionsstätten errichtet, um den Angriff auf den europäischen Automarkt zu starten. Im Wettrennen mit einem polnischen Standort um eine Investition von 870 Millionen Euro setzte sich das slowakische Zilna durch. Mit Start der Produktion im Jahr 2006 explodierte der Jahresausstoß des Landes zwei Jahre in Folge (2006: plus 65,9 Prozent, 2007: 85,7 Prozent). Mittlerweile produziert das Land dreimal so viele Autos wie noch 2001.

Kommentare (2)

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21.11.2012, 12:23 Uhr

Den Dreck kann kaufen wer will...Mit Qualität hat das garantiert nichts zu tun und das weiss man spätestens wenn man drin sitzt.

Account gelöscht!

21.11.2012, 15:18 Uhr

Dass ich nicht lache! Glauben Sie im ernst die BMW's, Deimler's und Audi's die man in D kauft haben Qualität. Die Autos werden in Asien produziert und in D re-importiert, weil es billiger ist sie auf der anderen Ende der Welt zu produzieren und hierher verschiffen, als dass man sie in Bayern baut. Die deutschen Autobauer leben von ihren Namen, besonders in Amerika überholen Koreaner ununterbrochen Japaner und Deutsche. In der deutschen Sprache haben wir einen Ausdruck-Hochmut kommt vor dem Fall. Denken Sie darüber nach, bevor Sie sich über Skoda & Co. lustig machen. Es ist ein fataler Fehler zu glauben, die anderen 'können es nicht'!

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