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02.12.2011

15:23 Uhr

Automarkt

Autobranche fährt mit Vollgas in die Nebelwand

Noch können die deutschen Autobauer auf ein glänzendes Jahr 2011 zurückblicken. Doch für Jubelstimmung gibt es keinen Grund. Denn die Aussichten für das kommende Jahr sind mehr als ungewiss.

Faszination Automobil: Besucher der Automobilausstellung IAA betrachten die Studie F-125 von Mercedes-Benz. dapd

Faszination Automobil: Besucher der Automobilausstellung IAA betrachten die Studie F-125 von Mercedes-Benz.

Wenn sie nur auf dieses Jahr gucken, können die deutschen Autobauer den Sekt wohl getrost im Keller lassen - und lieber gleich die Champagnerflaschen hoch holen. Denn kurz vor Jahresschluss sieht es ganz danach aus, als ob 2011 das erfolgreichste Jahr aller Zeiten für die hiesige Autobranche werden könnte. „Das Autojahr 2011 wird ein Rekordjahr“, hatte jüngst der Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann gesagt.

Gastkommentar: Auch im Abschwung kann es Gewinner geben

Gastkommentar

Auch im Abschwung kann es Gewinner geben

Die Autobranche steht vor einem schweren Jahr. Wer seine Produktion flexibel ausgerichtet hat, kann trotzdem zu den Gewinnern gehören. Für einen großen deutschen Autobauer kann 2012 genau deshalb zum Problem werden.

So werden die deutschen Autobauer wohl eine Reihe von Rekordmarken knacken: Der VDA rechnet etwa damit, dass in diesem Jahr mehr als 5,9 Millionen Pkw produziert werden könnten - so viele wie noch nie zuvor. Auch die Zahl der exportierten Autos erreicht mit mehr als 4,5 Millionen ein Rekordmaß. Die Umsätze der Branche sollen um 13 Prozent auf 358 Milliarden Euro zulegen. Das alles schlägt sich auf dem Arbeitsmarkt nieder. Die Zahl der Beschäftigten bei Herstellern und Zulieferern dürfte laut VDA um 23.600 auf 730.000 steigen.

Und auch die jüngsten Nachrichten aus den USA und aus Deutschland lassen nicht vermuten, dass der Boom zu Ende gehen könnte. Der deutsche PKW-Markt etwa hat im November an Fahrt gewonnen. Laut dem Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) sind in diesem Jahr rund 3,2 Millionen neue Autos zugelassen worden. Das sind 9,1 Prozent mehr als in den ersten elf Monaten 2010. Und der wichtige US-Automarkt hat sich den sechsten Monat in Folge erholt. Alle großen Hersteller verbuchten ein deutliches Absatzplus - besonders die deutschen. Am stärksten legte die Daimler-Tochter Mercedes-Benz zu, die die Zahl der verkauften Autos um 55 Prozent auf 28.300 steigerte.

Also alles prima? Nichts ist prima. Der Champagner von heute könnte morgen schal schmecken. Denn die Aussichten fürs Autojahr 2011 sind düster. VDA-Präsident Wissmann weiß das. Nach Rekorden bei Produktion, Export und Umsatz erwartet die deutsche Autoindustrie für das kommende Jahr ein deutlich verhalteneres Wachstum. Die Branche erwarte „ein hartes Arbeitsjahr“ mit „mehr Gegenwind“, so Wissmann. Für 2012 sei er dann zuversichtlich, „wenn es gelingt, die Finanzmärkte zu stabilisieren“. Wissmann prognostizierte Autoverkäufe höchstens noch auf dem Niveau des laufenden Jahres. Wenn das denn überhaupt zu halten ist.

Denn in Westeuropa sind die Verkäufe neuer Pkw im Oktober bereits gesunken. Die Zahl sei im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum um 1,2 Prozent auf 980.600 gefallen, teilte der VDA unlängst mit. Deutschland (plus ein Prozent), Frankreich (plus zwei Prozent) und Großbritannien (plus drei Prozent) liegen zwar im Plus - aber entgegen einem negativen Trend. In Schuldenländern wie Italien und Spanien schlagen die Verbraucher schon seit Monaten einen großen Bogen um die Schauräume der Autohändler.

Kommentare (11)

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Account gelöscht!

02.12.2011, 15:45 Uhr

Liebe Bildzeitung der Wirtschaftspresse,
warum nur müssen die Medien fast jede Nachricht mit emotionaler Soße würzen ? Gestern noch Rekordzahlen, heute sieht das Handelsblatt die Autobranche sogar mit Vollgas in die Nebelwand fahren.
Schlecht muss sie sein, die Überschrift, auch wenn im Artikel selbst relativ ausgewogen berichtet wird -- von den pessimistischen Unkereien abgesehen.
Die Zukunft kennt keiner. Muss man sie dann zwangsläufig so negativ darstellen ?

gringo1

02.12.2011, 16:47 Uhr

So?
There is growth of nearly 100% in 2 years and then growth of a few percent is a problem?
Just be happy that it stays at those lofty levels.

RobbieFfm

02.12.2011, 17:08 Uhr

Ich kann mich vonkey nur anschließen: Warum muss jede Nachricht sofort mit einem Negativausblick versehen werden? Das Jahr ist noch gar nicht zu Ende, da wird schon über die alles andere als sichere Krise im kommenden Jahr spekuliert. Wie wärs denn mit "Rekordjahr für die Automobilindustrie" und dann im Artikel die Frage nach dem Trend?

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