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17.01.2008

19:59 Uhr

Automarkt

Europa dürfte 2008 die USA überholen

VonMark C. Schneider

Dank der Dynamik im Osten sollen in diesem Jahr mehr Autos verkauft werden als auf dem bisher größten Markt. Experten sagen außerdem voraus, dass Russland den deutschen Markt in Sachen Absatz schon 2008 überholen könnte.

Ein Auslieferungsturm von VW in Wolfsburg. Der Absatz der Autoindustrie wächst vor allem in Osteuropa rasant. Foto: dpa dpa

Ein Auslieferungsturm von VW in Wolfsburg. Der Absatz der Autoindustrie wächst vor allem in Osteuropa rasant. Foto: dpa

DÜSSELDORF. Für 2008 rechnen Branchenexperten damit, dass der europäische Automarkt nach Jahrzehnten der US-Dominanz den weltweiten Spitzenplatz erobern wird. "Besonders der Absatz in Osteuropa wird weiter wachsen, während wir in den USA von einem Rückgang ausgehen", sagte ein Sprecher des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) dem Handelsblatt. Für Gesamteuropa geht der Branchenverband von mehr als 16 Mill. zugelassenen Fahrzeugen aus, in den USA sollen es 2008 nur 15,7 Mill. Autos sein.

Im Jahr 2007 wurden in Europa mit 15,96 Mill. Autos 1,1 Prozent mehr als im Vorjahr zugelassen, teilte der europäische Herstellerverband ACEA gestern mit. Die USA kamen im selben Zeitraum auf 16,15 Mill. Fahrzeuge - ein Minus von 2,5 Prozent. Stark steigende Spritpreise und die Finanzkrise ließen den größten Automarkt der Welt auf den niedrigsten Stand seit Jahren schrumpfen.

In den nächsten Monaten soll es weiter bergab gehen. Beobachter wie die Ratingagentur Standard & Poor?s (S&P) erwarten einen US-Absatz von 15,5 bis maximal 16 Mill. Autos. Die Nummer eins der Automärkte würde diesen Titel damit an Europa verlieren. Der europäische Absatz legt vor allem wegen der zweistellig anziehenden Nachfrage in den neuen EU-Mitgliedsstaaten zu. Sie wuchsen 2007 im Schnitt um 14,5 Prozent. "Osteuropa hat einen riesigen Nachholbedarf, das ist ein wesentlicher Wachstumstreiber", sagt Autoanalyst Frank Schwope von der NordLB.

In Deutschland sank die Zahl der zugelassenen Neuwagen dagegen im Vorjahr um mehr als neun Prozent auf rund 3,15 Mill. Hauptgrund war die Kaufzurückhaltung der privaten Käufer. Im Dezember gingen laut Analyse des Car-Instituts der FH Gelsenkirchen nur noch 35 Prozent der zugelassenen Autos an Privatkunden. Die Lage wird sich voraussichtlich entspannen. "2008 sollte in jedem Fall ein besseres Jahr werden. Deutschland dürfte zwischen drei und vier Prozent wachsen", prognostiziert Analyst Schwope. In diesem Jahr legten von den großen westeuropäischen Märkten nur Italien, Großbritannien und Frankreich zu.

Nimmt man den Boom-Markt Russland dazu, der nicht in der offiziellen Europa-Statistik erfasst ist, läge der alte Kontinent bereits 2007 vorn. In Russland wurden gut 2,4 Mill. Autos verkauft, für 2008 rechnet der VDA mit 2,8 Mill. Stück. "Hält das starke Wachstum an, dürfte Russland spätestens im nächsten Jahr Deutschland als größten Markt in Europa ablösen", sagt Schwope.

Nordamerika bleibt dagegen im Rückwärtsgang. "Der US-Markt wird sich weiter abschwächen", sagt S&P-Autoanalystin Maria Bissinger. Als Gründe führt sie die Finanzkrise und ein insgesamt unsicheres wirtschaftliches Umfeld an. "Das trifft vor allem den Durchschnittskunden", urteilt NordLB -Experte Schwope. Die US-Massenhersteller General Motors, Ford und Chrysler brachen bereits 2007 stark ein.

Die Dauer der Wachablösung bleibt offen. "Es ist fraglich, ob die Umkehr der Kräfteverhältnisse anhalten wird", sagt Analystin Bissinger. "Eine relativ schnelle US-Erholung ist durchaus möglich." Der Vergleich zwischen Europa und Nordamerika hinke ohnehin. Nur die USA seien ein homogener Markt. "Die Vertriebsnetze in Europa sind deutlich individueller. Jeder europäische Hersteller ist in seinem Heimatmarkt stärker aufgestellt als in den meisten anderen Ländern", sagt Bissinger.

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