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16.03.2016

08:32 Uhr

Automarkt Europa

Volkswagen verliert erneut Marktanteile

Der europäische Automarkt wächst weiter. Im Februar stiegen die Neuzulassungen in der Europäischen Union um 14,3 Prozent. Der vom Abgasskandal erschütterte Volkswagen-Konzern fährt aber einmal mehr hinterher.

Der europäische Automarkt wächst weiter – Volkswagen verliert allerdings Marktanteile. dpa

Autohändler in Großbritannien

Der europäische Automarkt wächst weiter – Volkswagen verliert allerdings Marktanteile.

BrüsselDer europäische Automarkt nimmt Fahrt auf. Dank zweistelliger Zuwächse in Italien, Frankreich, Spanien und Deutschland kletterte der Absatz in der Europäischen Union im Februar um 14,3 Prozent auf gut eine Million Fahrzeuge, wie der Branchenverband Acea am Mittwoch mitteilte. Damit stieg der Absatz den 30. Monat in Folge. In den ersten zwei Monaten des Jahres lag das Wachstum damit bei 10,1 Prozent.

In Italien sprangen die Neuzulassungen im Februar im Jahresvergleich um 27,3 Prozent nach oben, Frankreich verzeichnete ein Plus von 13 Prozent. Auch Spanien (plus 12,6 Prozent) und Deutschland (plus 12 Prozent) legten zweistellig zu.

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Unangenehme Post für VW-Chef Matthias Müller: Ein US-Staranwalt fordert, auch europäische Kunden zu entschädigen. Der Brief, der dem Handelsblatt vorliegt, hat eine milliardenschwere Sprengkraft. Der Druck auf VW steigt.

Unter den deutschen Herstellern büßte Volkswagen im Sog der Affäre um manipulierte Abgasmessungen im Jahresvergleich erneut Marktanteile ein. Volkswagen musste sich im Februar mit einem Absatzplus von 8 Prozent zufriedengeben. Pkws der Marke Volkswagen verzeichneten einen Zuwachs um 4,4 Prozent. Am besten schnitten Daimler ab, die die Verkäufe um 21,5 Prozent steigerten. BMW verkaufte 13,9 Prozent mehr Fahrzeuge.

Die Umrüstung der vom Abgasskandal betroffenen rund 2,5 Millionen VW-Fahrzeuge in Deutschland wird sich unterdessen einem Zeitungsbericht zufolge um mindestens sechs Wochen verzögern. VW habe bisher noch kein grünes Licht vom Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) für seine Umrüstungspläne für das Modell Passat bekommen, berichtete die „Bild“ am Mittwoch. „Aktuell befindet sich die technische Lösung für den Passat durch das KBA in der Prüfung“, bestätigte ein KBA-Sprecher. Es sei unter anderem nicht sicher, ob der Motor nach der Umrüstung die Schadstoffnorm Euro5 erfülle.

Die juristischen Baustellen von VW

Aktionäre fordern Entschädigung

Die VW-Aktie stürzte nach dem Ausbruch der Abgas-Affäre ab, viele Anleger wollen sich ihre Verluste vom Unternehmen erstatten lassen. Ihr Argument: VW hätte deutlich früher über die Probleme informieren müssen, weil Kursabschläge drohten. Mittlerweile haben auch Großanleger entsprechende Klagen lanciert, darunter der größte US-Pensionsfonds Calpers und die Sparkassen-Fondstochter Deka. Der Vermögensverwalter AGI – eine Allianz-Tochter – erwägt die Teilnahme an einer Sammelklage. VW bekräftigte seine Auffassung, alle Pflichten befolgt zu haben.

Klagen einzelner VW-Besitzer

Weltweit wollen VW-Fahrer Schadenersatz einklagen. Das Landgericht Bochum urteilte in einem ersten deutschen Verfahren zwar, dass die Software-Manipulationen keine Pflicht zur Rücknahme der verkauften Autos nach sich ziehen. Manche Anwälte glauben jedoch, dies müsse noch keine Richtungsentscheidung sein. Enttäuschte VW-Kunden machen einen Wertverlust der Fahrzeuge geltend - etwa falls sich Leistungs- oder Verbrauchsdaten durch die notwendigen Umrüstungen verschlechtern. Volkswagen betonte allerdings mehrfach, alle betroffenen Autos seien „technisch sicher und fahrbereit“.

Sammelklagen

Viele Kanzleien buhlen darum, VW-Aktionäre und -Kunden vor Gericht vertreten zu dürfen. In den USA sind Sammelklagen ganz normal, in Deutschland können zumindest Aktionäre ein sogenanntes Musterverfahren beantragen. Dabei wird eine Klage verhandelt, an deren Ausgang sich dann andere Klagen orientieren. VW-Chef Matthias Müller hält das auch für ein Geschäftsmodell von Juristen: „Wir sehen dem ganz gelassen entgegen.“ Viele Autofahrer in Europa versuchen, ihre Verfahren über eine niederländische Stiftung bündeln zu lassen. Der US-Staranwalt Michael Hausfeld kündigte an, im Namen von Kunden und Unternehmen in Deutschland gegen den Konzern vorgehen zu wollen.

Klagen der US-Behörden

Zum Jahresbeginn hat das US-Justizministerium eine Klage gegen VW vorgelegt. Dabei geht es um die Manipulationen an Dieselautos, dem Konzern werden aber auch Tricksereien und Täuschung in der Aufarbeitung der Affäre vorgeworfen. Theoretisch drohen laut der Klageschrift 45 Milliarden Dollar Strafe plus eine möglicherweise milliardenschwere Zahlung im Ermessen des Gerichts. VW will sich mit Verweis auf die laufenden Verfahren nicht dazu äußern. Berichten zufolge weitete das Ministerium seine Ermittlungen nun auf den Verdacht auf Bankbetrug und mögliche Steuergesetzes-Verstöße aus. Volkswagens US-Chef Michael Horn trat überraschend zurück.

Betrugsanzeigen

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt nach den Manipulationen von Stickoxidwerten gegen inzwischen 17 Beschuldigte wegen Verdachts auf Betrug und unlauteren Wettbewerb. Darunter ist nach wie vor kein Vorstandsmitglied. Gegen mindestens fünf Personen wird seit dem Herbst wegen möglicher CO2-Falschangaben ermittelt. Der Vorwurf lautet hier vor allem auf Steuerhinterziehung, weil sich die deutsche Kfz-Steuer stark am CO2-Ausstoß orientiert. Die Staatsanwaltschaft rechnet damit, dass es noch länger dauert, bis Ergebnisse vorliegen. VW will sich zu den Vorwürfen nicht äußern.

Der Sprecher machte keine Aussage darüber, wann die Typenprüfung für den Passat abgeschlossen sein könnte. Ursprünglich hatte VW mit der Umrüstung der mehr als 500.000 betroffenen Passat-Modelle am 29. Februar beginnen wollen. Es gebe bisher noch keinen Rückruf, bestätigte ein VW-Sprecher der Zeitung die Verzögerung. Damit dürfte sich der Zeitung zufolge auch die Umrüstung der Golf-Fahrzeuge, die nach dem Passat zurückgerufen werden sollen, deutlich nach hinten verschieben.

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