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11.02.2016

14:33 Uhr

Automation in der Autoherstellung

Maserati und der digitale Zwilling

VonRegina Krieger

Sportwagen von Maserati, das klingt nach Dolce Vita und Luxus in Handarbeit. Doch auch in Italien erreicht die Automatisierung die Manufakturen. Auf Werksbesuch bei Maserati in Turin.

Luxus heißt nicht zwingend nur Handarbeit. PR

Blick in die Maserati-Produktion

Luxus heißt nicht zwingend nur Handarbeit.

TurinGhibli, so wie der heiße Wüstenwind heißt das Auto, das nach 35 Stunden die Montagehalle im Industriegebiet von Turin verlässt und dann auf der Straße getestet wird. Die Unternehmenslyrik lässt keinen Wunsch offen. „Muskulöse Formen, klar definierte Konturen und saubere, schwungvolle Linienführungen“, so wird der Maserati beschrieben. In Italien sagt man mit Augenzwinkern, dass man bis 50 Ferrari fährt und dann auf Maserati umsteigt. Hier geht es um das Luxussegment des Automarkts.

„Viele Kunden kommen direkt zu uns ins Werk, machen mit ihrem neuen Auto eine Ferienfahrt in Italien und lassen es dann nach Hause verschiffen“, sagt Ennio Meccia, der junge Chef der modernen Produktionsstätte in Grugliasco. Früher, seit 1958, war hier in den Fabrikationshallen vor den Toren von Turin das Karosseriewerk von Bertone, dem Autodesigner, der 2009 von Fiat aufgekauft wurde. Das Werk mit drei großen Hallen wurde für rund eine Milliarde Euro umgebaut, denn die Maserati-Fertigung am Stammsitz Modena war zu klein geworden.

Alfieri Maserati hatte seine Sportwagenfabrik 1914 in Bologna gegründet. Lange Jahre waren die besonders eleganten Boliden auch im Rennsport Konkurrenten von Ferrari, bis der Mutterkonzern FCA 1997 Maserati übernahm. Heute kommt jede Menge Ferrari-Technik im Maserati zum Einsatz.

Was die Maserati-Käufer nicht wissen: Ihr neues Auto, der Ghibli oder ein Quattroporte, die in der „Giovanni Agnelli Plant“ nach speziellen Wünschen in unzähligen Varianten und Farben montiert werden, ist das Ergebnis einer Innovation und einer deutsch-italienischen Kooperation, bei der die Produktion sich von einer Manufaktur zu einer automatisierten Serienfertigung wandelte. Industrie 4.0 zum Anschauen.

Die Entwicklung in Grugliasco dokumentiert, dass die Digitalisierung auch im feinen Luxus-Sportwagen-Segment angekommen ist. Im Fall von Maserati in Zusammenarbeit mit Siemens, die Münchner haben die Software für die gesamte Wertschöpfungskette entwickelt.

Früher habe man einen Prototyp gebaut und lange getestet, bis er zur Fertigung reif war, erklärt Meccia, jetzt gehe Analyse und Entwicklung schneller. „Die Ingenieure arbeiten mit einem digitalen Zwilling“, ergänzt Giuliano Busetto von Siemens Italia, „mit der virtuellen Kopie des Modells kann man den Entwicklungsprozess beschleunigen und zum Beispiel die Zahl der aerodynamischen Tests im Windkanal begrenzen.“ Das autobegeisterte Italien ist nach Deutschland und China Land Nummer drei, in dem die Siemens-Abteilung „Digital Factory Division“ in Sachen Industrie 4.0 aktiv wird.

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Drei Ziele könnten mit der digitalen Fertigung erreicht werden, sagt Busetto: neue Modelle sind schneller auf dem Markt, in 16 statt bisher 30 Monaten, nach Kundenwünschen individualisierte Fahrzeuge könnten flexibler gebaut werden – allein den Ghibli gibt es in 27 Versionen – und die Effizienz könne gesteigert werden. „Wir denken schon viel weiter in die Zukunft“, sagt der Amerikaner Chuck Grindstaff, Präsident von Siemens PLM Software, die beim „Zwilling“ eingesetzt wird. „Bald kommen die selbstfahrenden Autos und die brauchen noch mehr digitale Lösungen.“

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