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19.04.2013

14:54 Uhr

Automesse in Shanghai

Luxusauto-Markt in China kühlt ab

Die Automesse in Shanghai beginnt und die deutschen Oberklasse-Hersteller sind natürlich vor Ort. Dabei ist der Markt für Luxuswagen in China längst abgekühlt, die Zeiten traumhafter Wachstumsraten vorbei.

Die Automesse in Shanghai beginnt und auch viele Deutsche Oberklasse-Hersteller sind mit ihren Modellen vor Ort. dpa

Die Automesse in Shanghai beginnt und auch viele Deutsche Oberklasse-Hersteller sind mit ihren Modellen vor Ort.

ShanghaiDer Markt für Luxuswagen in China kühlt sich ab. Nach Jahren satter Gewinne rechnen Autokonzerne in diesem Jahr auf dem größten Fahrzeugmarkt der Welt nur noch mit rund zehn Prozent Wachstum im Premiumsegment. Trotz konjunktureller Unsicherheiten gingen Experten vor Beginn der internationalen Automesse an diesem Samstag in Shanghai aber von einem gut achtprozentigen Wachstum des chinesischen Gesamtmarktes in diesem Jahr aus. Volkswagen kündigte an, Milliarden in eine Umweltoffensive zu investieren und die Zahl der Mitarbeiter in China bis 2018 um 25 000 auf 100 000 auszubauen.

Der Marktführer wolle zwei Drittel seiner Investitionen in China in Höhe von 9,8 Milliarden Euro bis 2015 darauf verwenden, Modelle verbrauchsgünstiger und die Produktion nachhaltiger zu machen, sagte VW-China-Chef Jochem Heizmann vor Journalisten. Der Benzinverbrauch aller angebotenen Modelle soll bis 2015 um weitere elf Prozent gesenkt werden. Die Fertigungskapazität soll bis 2018 von derzeit 2,6 Millionen auf vier Millionen Fahrzeuge im Jahr gesteigert werden.

In ein bis zwei Jahren sollen die beiden Gemeinschaftsunternehmen von Volkswagen auch Autos mit Elektroantrieb anbieten. Heizmann dämpfte aber allzu große Erwartungen auf eine breite Einführung des Elektroautos in China. Es seien noch enorme Investitionen in die Infrastruktur notwendig. Für Privatkunden in China sei es sehr schwierig, Elektroautos aufzuladen. „In der privaten Nutzung wird es noch eine lange Zeit dauern, bis größere Volumen erreicht werden.“ Plug-in-Hybride mit Elektro- und Benzinmotor hätten eine viel größere Chance, sich schneller auszubreiten, sagte Heizmann.

Welche Autostandorte die beste Qualität produzieren

Quelle

In der Studie „European Automotive Survey 2013“ haben die Wirtschaftsprüfer von Ernst&Young 300 europäische Unternehmen der Automotive-Branche befragt, wie sie die Produktqualität der Automobilstandorte bewerten.

Platz 18

Türkei
Nirgendwo wird die Produktqualität schlechter bewertet als in der Türkei. Nur zwei Prozent der befragten Unternehmen halten die Türken für sehr wettbewerbsfähig, 17 Prozent eher wettbewerbsfähig.

Platz 17

Ungarn
Mit Daimler und Audi haben zwei deutsche Hersteller große Werke in Ungarn. In punkto Produktqualität hat das osteuropäische Land enormen Nachholbedarf. Ein Prozent halten die Ungarn in diesem Feld für sehr wettbewerbsfähig, 20 Prozent für eher wettbewerbsfähig.

Platz 16

Indien
Auf Indiens Automarkt regieren die Billigmodelle. Darunter leidet auch die Bewertung der Produktqualität. Vier Prozent bewerten den Standort als sehr wettbewerbsfähig, 22 als eher wettbewerbsfähig.

Platz 15

Polen
Der Nachbar ist ein wichtiger Produktionsstandort für deutsche Autokonzerne, doch die Produktqualität wird nicht sonderlich hoch bewertet. Drei Prozent halten die Polen für sehr wettbewerbsfähig, 23 Prozent für wettbewerbsfähig.

Platz 14

Russland
Die große Wachstumshoffnung in Europa, doch in punkto Produktqualität besteht Nachholbedarf. Drei Prozent halten das Land für sehr wettbewerbsfähig, 23 für eher wettbewerbsfähig.

Platz 13

Slowakei
Die Heimat von VW-Tochter Skoda schneidet in der Bewertung der Produktqualität ebenfalls eher schlecht ab. Drei Prozent halten das Land für sehr wettbewerbsfähig, 24 Prozent für eher wettbewerbsfähig.

Platz 12

China
Als Absatzmarkt ist China für die Hersteller immens wichtig, in der Produktion gibt es offensichtlich noch Probleme. Nur fünf Prozent halten China in punkto Produktqualität für sehr wettbewerbsfähig, 27 für eher wettbewerbsfähig.

Platz 11

Spanien
Auch in Spanien werden derzeit die Autoproduktionen wieder hochgefahren. Sechs Prozent halten das Land in punkto Produktqualität für sehr wettbewerbsfähig, 28 Prozent für eher wettbewerbsfähig.

Platz 10

Brasilien
Einen großen Sprung im Ranking macht das südamerikanische Land (+13 Prozentpunkte). Zuletzt haben mehrere Autokonzerne in Brasilien investiert. Die Produktqualität bewerten sieben Prozent als sehr wettbewerbsfähig, 29 als eher wettbewerbsfähig.

Platz 9

Tschechien
Unter Osteuropas Ländern belegen die Tschechen in punkto Produktqualität einen Spitzenplatz, insgesamt reicht das aber nur fürs Mittelfeld. Vier Prozent halten Tschechien für sehr wettbewerbsfähig, 31 Prozent für eher wettbewerbsfähig.

Platz 8

Italien
Auch wenn die Autoindustrie des Landes leidet, an der Produktqualität in der Heimat von Fiat und Ferrari kommen nur wenige Zweifel aus. Sechs Prozent aller befragten Unternehmen halten das Land in diesem Punkt für sehr wettbewerbsfähig, 34 halten Italien für eher wettbewerbsfähig.

Platz 7

Frankreich
Auch wenn der Mittelfeldplatz anderes vermuten lässt: Auch in punkto Produktqualität sind die Franzosen der große Verlierer des Rankings. Satte 15 Prozentpunkte hat der Standort seit 2011 eingebüßt. Mittlerweile halten nur noch zehn Prozent aller befragten Unternehmen halten das Land für sehr wettbewerbsfähig, 34 für eher wettbewerbsfähig.

Platz 6

England
Das Vereinigte Königreich war einst eine stolze Autonation. In punkto Produktqualität halten die Briten immerhin den Anschluss an die Spitzengruppe. 13 Prozent bewerten die Heimat von Mini und Rolls Royce als sehr wettbewerbsfähig, 35 Prozent als eher wettbewerbsfähig.

Platz 5

USA
Volkswagen feiert in Amerika immer neue Wachstumsrekorde, auch in punkto Produktqualität hat das Land zugelegt. 13 Prozent halten den Standort USA für sehr wettbewerbsfähig, 47 für eher wettbewerbsfähig.

Platz 4

Südkorea
Hyundai und Kia sorgen auf dem europäischen Automarkt für Wirbel. Das liegt auch an der Produktionsqualität der südkoreanischen Konzerne. Der Standort gewinnt im Qualitätsranking satte 22 Prozentpunkte – mehr als jedes andere Land. Für 19 Prozent aller befragten Unternehmen ist das Land sehr wettbewerbsfähig, für 42 Prozent eher wettbewerbsfähig.

Platz 3

Schweden
Auch in der Produktqualität belegt die Heimat von Volvo einen Spitzenplatz. 14 Prozentpunkte haben die Skandinavier im vergangenen Jahr hinzugewonnen. 19 Prozent aller befragten Unternehmen halten Schweden für sehr wettbewerbsfähig, 43 Prozent für eher wettbewerbsfähig.

Platz 2

Japan
Die japanische Autoindustrie hat sich erholt und greift nun wieder nach der Weltspitze – auch in punkto Produktqualität. 28 Prozent bewerten Japan als sehr wettbewerbsfähig, 44 als eher wettbewerbsfähig. Das sind satte 18 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.

Platz 1

Deutschland
Geht es nach der Einschätzung der europäischen Automotive-Unternehmen ist kein Land in Europa qualitativ hochwertiger als Deutschland. Satte 51 Prozent halten den Standort für sehr wettbewerbsfähig in punkto Produktqualität, 37 bewerten die Deutschen als eher wettbewerbsfähig

In einer Weltpremiere stellte Mercedes vor Messebeginn seinen neuen Kompakt-SUV GLA vor. China-Vorstand Hubertus Troska kündigte an, die Geländelimousine der kompakten A-Klasse als viertes Modell auch in China produzieren zu lassen. Bislang rollen in China die C- und die E-Klasse sowie die größere Geländelimousine GLK vom Band.

Auf der Automesse in Shanghai sind bis 29. April fast 2000 Autohersteller und Zulieferer aus 18 Ländern vertreten. Rund 1300 Autos werden präsentiert, davon 111 Weltpremieren. 69 Konzeptautos und 91 Fahrzeuge mit alternativen Antriebsarten werden vorgestellt.

Die erfolgsverwöhnten deutschen Luxushersteller, die 80 Prozent des chinesischen Oberklassemarktes dominieren, müssen sich künftig in China wohl aber mit niedrigeren Zuwächsen zufriedengeben. Cui Dongshu von der Vereinigung der Personenwagenhersteller sagte der dpa, es sei mit einem Wachstum von zehn Prozent zu rechnen. In den vergangenen zehn Jahren war das Premiumsegment mit 36 Prozent jährlich gewachsen, während der Gesamtmarkt um 26 Prozent zulegte. „Der Oberklassemarkt schwächt sich schon seit der zweiten Jahreshälfte 2012 ab und ist nicht mehr so heiß wie vorher“, sagte der Experte Jia Xinguang von China Auto Industry Consulting.

Größte ausländische Autohersteller in China

Platz 10

BMW - 326.000 verkaufte Fahrzeuge

China gehört für die Münchener zu den wichtigsten Märkten der Welt. Und BMW dringt in die Top Ten vor: Im Vorjahresvergleich legt der Absatz um beachtliche 40 Prozent zu. Auf den Plätzen folgen Suzuki, Daimler und Mazda.

Platz 9

Ford - 427.000 verkaufte Fahrzeuge

Die Amerikaner machen Boden gut, was sie ebenfalls dem Inselstreit zu verdanken haben. Im Vorjahresvergleich bleibt ein sattes Plus von 31 Prozent.

(Anm. d. Red.: Erfasst wurden nur Pkw-Verkäufe)

Platz 8

Peugeot-Citroën - 442.000 verkaufte Fahrzeuge

Während der Heimatmarkt schwächelt, können die Franzosen in Fernost ihre Verkäufe ausbauen. Der Absatz legt um neun Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu.

Platz 7

Kia - 512.000 verkaufte Fahrzeuge

Die Koreaner können auch im Nachbarland ihren Erfolgskurs fortsetzen. Mit einem Wachstum von 18 Prozent gehören sie mittlerweile zu den erfolgreichen Volumenherstellern in China.

Platz 6

Honda - 603.000 verkaufte Fahrzeuge

Honda muss ebenfalls Einbußen hinnehmen - wie die anderen japanischen Hersteller in China ebenfalls. Im Vorjahresvergleich steht ein Minus von drei Prozent.

Platz 5

Toyota - 841.000 verkaufte Fahrzeuge

Die Japaner müssen sich mit Rang fünf begnügen, vor allem im September hatte es einen herben Rückschlag der Verkaufszahlen auf gerade einmal 50.000 Stück gegeben. Im Gesamtjahr bleibt ein Absatzminus von fünf Prozent.

(Anm. d. Red.: Angabe laut Reuters)

Platz 4

Hyundai - 847.000 verkaufte Fahrzeuge

Die Koreaner verdrängen Toyota auf Rang fünf und sind indirekter Nutznießer des Inselstreits. Die Hyundai-Verkäufe legten 2012 um zwölf Prozent zu.

Platz 3

Nissan - 1,18 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Der Streit um eine Inselgruppe zwischen China und Japan hat die Absatzzahlen der Japaner deutlich in die Knie gedrückt. Im Gesamtjahr gab es für Nissan ein Minus von fünf Prozent.

Platz 2

Volkswagen - 2,81 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Die Wolfsburger können das größte Wachstum der Massenhersteller in der Volksrepublik vorweisen. Gegenüber dem Vorjahr haben die Volkswagen-Verkäufe um 24 Prozent zugelegt.

Platz 1

General Motors - 2,84 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Die Amerikaner verteidigen hauchdünn die Spitzenposition in China. Im Jahresvergleich hat GM um elf Prozent zugelegt.

Methodik

Einmal pro Quartal erstellen die Wirtschaftsprüfer von Ernst&Young ein Ranking der größten Autokonzerne nach Absatz. Wie die Autohersteller in China abgeschnitten haben. (Daten: Gesamtjahr 2012)

BMW-China-Chef Karsten Engel erwartet nur noch „ein höheres einstelliges oder niedriges zweistelliges Wachstum im Markt“. „Wir wollen aber etwas schneller wachsen“, betonte Engel. „Wir wollen Marktanteil gewinnen.“ BMW-Vertriebschef Ian Robertson sah eine Normalisierung des Marktes. Audi-China-Chef Dietmar Voggenreiter gab sich weiter optimistisch. Er sah noch „zusätzliches Wachstumspotenzial“, da der Anteil der Oberklassewagen am Gesamtmarkt in China noch niedriger sei als in anderen Ländern.

Die Unternehmensberatung McKinsey rechnet damit, dass der Markt für Oberklassewagen in China bis 2020 im Schnitt um zwölf Prozent im Jahr wachsen dürfte, während der Gesamtmarkt voraussichtlich um jährlich acht Prozent zulegen wird.

Von

dpa

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