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24.04.2013

14:11 Uhr

Automobilhersteller

Ford verliert mehr Geld in Europa

Die schrumpfenden Verkäufe in Europa machen auch dem zweitgrößten US-Autobauer zu schaffen. Allerdings kann Ford dies mit seinen Geschäften auf dem boomenden Heimatmarkt derzeit mehr als ausgleichen.

Gefeiert wird derzeit nur in den USA: Autohersteller Ford macht in Europa Verluste. ap

Gefeiert wird derzeit nur in den USA: Autohersteller Ford macht in Europa Verluste.

DearbornDer europäische Automarkt bremst Ford weiter aus. Im ersten Quartal musste der US-Konzern hier einen Vorsteuerverlust von 462 Millionen Dollar (355 Millionen Euro) verkraften. Das war dreimal so viel wie im Vorjahreszeitraum. Der geschäftliche Ausblick sei unsicher, erklärte Ford am Mittwoch am Konzernsitz in Dearborn nahe Detroit. Dagegen florieren die Verkäufe in der Heimat USA.

Der Konzern rechnet im Gesamtjahr in Europa weiterhin mit einem Vorsteuerverlust von um die 2 Milliarden Dollar. Im vergangenen Jahr hatte Ford 1,8 Milliarden Dollar verloren. Um wieder in die Spur zu kommen, schließt der Hersteller drei Werke in Großbritannien und Belgien, was 6.200 Jobs kostet. Ford will dadurch zur Mitte des Jahrzehnts wieder Geld in Europa verdienen. Frische Modelle wie der Kleinwagen Fiesta, der Geländewagen Kuga sowie der Transporter Transit sollen das Geschäft parallel ankurbeln.

Ford leidet genauso wie andere Autohersteller unter schrumpfenden Verkäufen in Europa. Die Zahl der abgesetzten Fahrzeuge sank zu Jahresbeginn um acht Prozent auf rund 341.000. In Deutschland waren die Zulassungen nach Daten des Kraftfahrtbundesamtes sogar um 29 Prozent auf 39.300 eingebrochen, nachdem auch hierzulande der Markt ins Rutschen kam. Ford besitzt große Werke in Köln und Saarlouis.

Insgesamt geht es Ford allerdings gut. Die US-Amerikaner kaufen massenhaft Neuwagen und auch im asiatisch-pazifischen Raum florierten die Verkäufe. Der Umsatz stieg dadurch konzernweit um 10 Prozent auf 35,8 Milliarden Dollar. Der Gewinn verbesserte sich um 15 Prozent auf unterm Strich 1,6 Milliarden Dollar. „Wir gehen weiterhin davon aus, dass 2013 ein starkes Jahr wird“, erklärte Konzernchef Alan Mulally. Vorbörslich stieg der Aktienkurs um 1 Prozent.

Fords Schicksal steht beispielhaft für die amerikanischen Autobauer. Auch Erzrivale General Motors verliert Geld in Europa und beendet 2014 seine Autoproduktion in Bochum. Im Fiat-Konzern ist es die amerikanische Tochter Chrysler, die das Geld heranschafft. GM und Chrysler veröffentlichen in der kommenden Woche ihre aktuellen Geschäftszahlen.

Die größten Autohersteller in Europa

Platz 10

Nissan - 239.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Im Vergleich zum Vorjahr büßen die Japaner Marktanteile ein. Die Zahl der Neuzulassungen schrumpfte um drei Prozent.

Platz 9

Toyota - 295.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Weltweit gehören die Japaner zu den größten Autokonzernen. In Europa stagnieren die Absätze allerdings. Im Vergleich zum Vorjahr wurden ein Prozent weniger Neuwagen verkauft.

Platz 8

Daimler - 349.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Der deutsche Premiumhersteller kann sich freuen: Als einziger Hersteller in der europäischen Top Ten verkauften die Stuttgarter mehr Autos als im Vorjahr. Die Verkäufe legten um ein Prozent zu.

Platz 7

BMW - 421.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Trotzdem kann BMW die Premiumkrone auch in Europa behaupten. Die Münchner verkauften zwar ein Prozent weniger Neuwagen als im Vorjahr - doch das ist immer noch besser als die Konkurrenz.

Platz 6

Fiat - 456.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Die Sorgenfalten von Fiat-Chef Sergio Marchionne dürften zunehmen. Mit einem Minus von 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr befinden sich die Italiener in einer der tiefsten Absatzkrisen der Unternehmensgeschichte.

Platz 5

Ford - 533.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Auch für den US-Autobauer, dessen größtes Werk in Europa nördlich von Köln liegt, sind die Verkäufe in Europa eingebrochen. 11 Prozent weniger Fahrzeuge wurden an den Mann gebracht.

Platz 4

General Motors - 573.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Die Zahlen sind besorgniserregend. So besorgniserregend, dass zuletzt auch Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke gehen muss. In Europa brachen die Verkäufe des US-Riesen im Vergleich zum Vorjahr um 11 Prozent ein.

Platz 3

Renault - 583.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Noch schlimmer trifft es den französischen Autoriesen Renault. Satte 17 Prozent weniger Autos konnten die Franzosen im ersten Halbjahr absetzen. Die Regierung denkt bereits über Staatshilfen für die angeschlagene heimische Autoindustrie nach.

Platz 2

Peugeot/Citroën - 827.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Auch der größte französische Autobauer klagt über Absatzprobleme und kündigte zuletzt an, 8000 Stellen streichen zu wollen. Im ersten Halbjahr schrumpften die Verkäufe um 14 Prozent.

Platz 1

Volkswagen - 1,66 Millionen Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Es ist einsam an der Spitze: Die Wolfsburger deklassieren die Konkurrenz um längen. Im schwierigen europäischen Massenmarkt verliert Volkswagen zwar ein Prozent - doch insgesamt nehmen die Marktanteile zu.

Den Autoherstellern kommt in den USA zugute, dass die Wirtschaft anzieht, insbesondere der Häusermarkt. So kaufen Handwerker verstärkt Pick-up-Trucks. Zudem müssen sich viele Amerikaner schlicht einen neuen Wagen kaufen, weil ihr alter auseinander fällt. Im Durchschnitt hat ein Auto in den USA mittlerweile elf Jahre auf dem Buckel. Das ist ein Negativrekord.

Ford-Chef Mulally hat auch in Asien große Pläne, vor allem in China. In der Region baut der Konzern mehrere neue Werke. Ziel ist es, die weltweiten Verkäufe bis 2015 auf rund 8 Millionen Autos jährlich zu steigern. Im vergangenen Jahr hatte Ford seinen Absatz annähernd stabil halten können bei 5,7 Millionen Autos.

Von

dpa

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