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28.01.2009

11:51 Uhr

Automobilindustrie

Autobranche: Alarmstufe Rot für die Zulieferer

VonTino Andresen

ExklusivDie Finanzkrise trifft die Autozulieferer mit voller Wucht. Doch in Deutschland hat der Verband der Automobilindustrie (VDA) Pläne für einen Rettungsfonds verworfen. Dabei dürften rund 15 Prozent der Zulieferer in den kommenden Wochen das Geld ausgehen, wie Handelsblatt.com erfahren hat. Experten rechnen mit einer Flut von Insolvenzen. Und nicht nur damit.

Alarmstufe Rot: Den Zulieferern droht eine Insolvenzwelle. Foto: dpa dpa

Alarmstufe Rot: Den Zulieferern droht eine Insolvenzwelle. Foto: dpa

HB DÜSSELDORF. "Durch den Nachfragerückgang büßen die Autozulieferer Umsatz ein, die Kosten steigen aufgrund höherer Zinsen, und zurückgefahrene Kreditlinien verursachen Liquiditätsengpässe", sagte Jan Dannenberg, Automobilexperte und Partner bei der Unternehmensberatung Oliver Wyman, im Gespräch mit Handelsblatt.com. "Wir schätzen, dass in den kommenden Wochen und Monaten zehn bis 15 Prozent der Zulieferer in eine akute Liquiditätskrise geraten könnten." Das wären ihm zufolge 50 bis 70 Unternehmen in Europa mit einem jeweiligen Jahresumsatz von mehr als 100 Mio. Euro. Die Gewinne in der Branche werden sich nach Dannenbergs Prognosen im laufenden Jahr im Vergleich zu 2007 zumindest halbieren.

Der Verband der Automobilindustrie hat seinen Plänen für einen eigenen Rettungsschirm für Zulieferer vorerst eine Absage erteilt. Berater Dannenberg sieht jetzt drei Alternativen: Hilfen von Autobauern, vom Staat oder die Übernahme durch starke Konkurrenten. Dennoch erwartet er, dass das ein oder andere Unternehmen nicht unterstützt wird. "Ich rechne mit einer Vielzahl an Insolvenzen, vor allem im März. Denn bei Zahlungszielen von üblicherweise zwei Monaten bekommen die Zulieferer dann die längeren Weihnachtsferien und die darauf folgende Kurzarbeit bei den Herstellern zu spüren."

"Die meisten Unternehmen sind operativ gesund, sie kranken an ihrer Finanzstruktur." Besonders gefährdet seien Zulieferer mit geringer Eigenkapitaldecke und unterdurchschnittlicher Rendite. Schon jetzt stützen die Autobauer etliche Unternehmen. "Sonst hätten wir deutlich mehr Insolvenzen", sagt Dannenberg. Dabei stimmen sich die europäischen Hersteller ihm zufolge untereinander ab. Sie unterstützten ihre Lieferanten, etwa indem sie Werkzeuge vorab und Rechnungen schneller bezahlen oder für Vorlieferprodukte bürgen.

In einzelnen Sektoren haben die Autobauer auch mit dazu beigetragen, Zulieferer in Schwierigkeiten zu bringen. "Bei stark rohstoffabhängigen Unternehmen sind die Hersteller zu scharf rangegangen." Als Beispiele nennt er die inzwischen insolventen Wagon Automotive aus Unterfranken und Stankiewicz aus Niedersachsen.

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