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01.07.2015

09:00 Uhr

Automobilindustrie

Zulieferer verlieren den Glauben an Deutschland

VonLukas Bay

Für die Automobilzulieferer bleibt der deutsche Markt schwierig. Der Kostendruck steigt, Wachstum erwarten sie fast nur noch im Ausland. Für manche wird der Wandel zu Existenzfrage.

Wer groß ist, dem geht es besser: Ein Grund für die Übernahme von TRW Automotive durch den deutschen Konkurrenten ZF Friedrichshafen. dpa

Zulieferer auf Wachstumskurs

Wer groß ist, dem geht es besser: Ein Grund für die Übernahme von TRW Automotive durch den deutschen Konkurrenten ZF Friedrichshafen.

DüsseldorfObwohl der Absatz in Europa wieder anzieht, sehen die Automobilzulieferer nur wenig Wachstumspotential im Heimatmarkt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage des Center of Automotive Management (CAM) der FHDW Bergisch Gladbach unter 125 hochrangigen Managern von Zuliefererunternehmen in Deutschland. Die Branche, die bundesweit 850.000 Menschen beschäftigt, verliert zunehmend das Vertrauen in die Heimat.

54 Prozent glauben, dass der Standort an Bedeutung verlieren wird – nicht nur bei der Produktion, sondern auch bei der Entwicklung. Auch wenn die Industrie in Deutschland als stark verwurzelt gilt, haben sich die meisten längst auch Richtung Ausland orientiert. Über die Hälfte aller Befragten Unternehmen ist bereits in China aktiv, weitere 15 Prozent denken über ein zusätzliches Engagement in Fernost nach. In Westeuropa liegt dieser Wert gerade einmal bei rund zwei Prozent.

Die Blick in die Ferne hat strategische Gründe: In der Branche gilt nur als überlebensfähig, wer sich internationalisiert. Doch in einigen einst hoffnungsvollen Märkten werden die Zulieferer vorsichtig. Die Russlandkrise hat nach Ansicht der Studienautoren Spuren hinterlassen. Nur noch neun Prozent wollen heute noch in Russland investieren. Vor der Ukraine-Krise hatte hier noch jeder vierte Zulieferer eigene Pläne verfolgt. Noch schlechter sieht die Lage in Osteuropa aus, dort knickte die Investitionsbereitschaft um zwei Drittel ein.

Die größten Autozulieferer der Welt

Platz 10

Aisin (Japan): 18,9 Milliarden Euro

Platz 9

Michelin (Frankreich): 20,2 Milliarden Euro

Platz 8

Johnson Controls (USA): 20,9 Milliarden Euro

Platz 7

Hyundai Mobis (Korea): 23,3 Milliarden Euro

Platz 6

Bridgestone / Firestone (Japan): 24,6 Milliarden Euro

Platz 5

Magna (Kanada): 24,9 Milliarden Euro

Platz 4

Denso (Japan): 27,8 Milliarden Euro

Platz 3

ZF Friedrichshafen + TRW (Deutschland): 29,9 Milliarden Euro
(Anm. d. Red. In einer ersten Fassung war versehentlich der Umsatz verkauften Sparte ZF Lenksysteme doppelt herausgerechnet worden)

Platz 2

Bosch (Deutschland): 30,7 Milliarden Euro

Platz 1

Continental (Deutschland): 33,3 Milliarden Euro

Insbesondere kleine Zulieferer stecken in der Klemme: Ihr Geschäft auf dem stagnierenden Heimatmarkt wird wohl auch künftig nicht mehr wachsen – und bei der Innovation, Internationalisierung und den Kosten können sie nicht mit den großen Zulieferern mithalten. Nicht alle bringen genug Kapital mit, um den Wachstumskurs mitzugehen.

Wer groß ist, hat im schwierigen Umfeld eine höhere Chance zu überleben – auch das zeigt die CAM-Studie. Fast zwei Drittel aller Zulieferer mit mehr als 500 Angestellten rechnen mit einer positiven Geschäftsentwicklung im Jahr 2016, nur zehn Prozent blicken pessimistisch ins nächste Jahr. Im zurückliegenden Jahr hatten 59 Prozent aller befragten Unternehmen bereits die Mitarbeiterzahl erhöht, während nur acht Prozent Rückgänge zu verzeichnen hatte.

Doch der zunehmende Kostendruck durch die Autohersteller wird für die Zulieferer zunehmend zur existenziellen Belastung. 54 Prozent aller Befragten fürchten sogar um die eigene Existenz, wenn der Kostendruck weiter steigen sollte. Bei kleinen Zulieferern sind es sogar 64 Prozent. In Zeiten, in denen der Marktführer Volkswagen über Effizienzprogramme verhandelt, geht unter den Zulieferern die Angst vor der Sparkeule um. Zwei Drittel aller Befragten fürchten zudem, dass ein preisgetriebener Einkauf auch für Qualitätsprobleme sorgen könnte. Eine Einschätzung, die in Zeiten millionenfacher Rückrufe durchaus als Warnung verstanden werden kann.

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

01.07.2015, 10:22 Uhr

Diese Grün-sozialistische Merkel-Union Politik macht die Marktwirtschaft und das Unternehmertum in Deutschland kaputt. Die Merkel hat nicht nur die marktwirtschaftlichen und freiheitlichen Werte der Union verraten, sondern hat auch dafür gesorgt, dass die "Grünen und Greenpeace" mit ihrer Propaganda der "gefühlten Ängste" ein Klima in Deutschland geschaffen hat, das dazu dient, jedes Wirtschafts- und Konsumprodukt durch geschürte-gefühlte Ängst auf dem deutschen Markt bzw. in der Fertigung in Deutschland zu verbieten. Hier haben die Grün-Sozialisten unter der Führung von Merkel = Grüne und Greenpeace ganze Arbeit geleistet, in dem man politisch über das Thema "gefühlte Ängst" den Menschen in Deutschland mit Medienberichten und anderer Ideologischer Propaganda eine "Angstkultur" herbeigeführt hat, die man also Politik dann über Gesetze und absurden Grenzwerten zu bekämpfen gedenkt. Zum Schluss ist nämlich alles in unserer Umwelt GIFTIG und GEFÄHRLICH...es ist nur eine Frage der Dosis. Und diese Dosis für mit den gefühlten Ängsten gleichgesetzt und die Grenzwerte für bestimmte Stoffe so niedrig angesetzt, dass dies automatisch zum Verbot in Grün-Sozialisten Deutschland führt. Es ist einfach perfide und asozial, wie diese Grün-Sozialistsiche Ideologie unter Führung der Merkel-Union uns als Gesellschaft Grenzwerte aufzwingt, die unser Leben und unsere Freiheit komplett unterdürckt und steuert.

Account gelöscht!

01.07.2015, 11:04 Uhr

"Nur noch neun Prozent wollen heute noch in Russland investieren."

Wer über wenig Weitsicht verfügt handelt so. Wer tatsächliche Fakten anerkennt, wird in Russland investieren. Ich denke der (...) kam hier seinen obligatorischen Propagandaverpflichtungen nach.
Russland bietet fast alles von niedrigen Löhnen die weit günstiger sind als mittlerweile in China, billigen Rohstoffen und absolute Rohstoff- und Energiesicherheit, schwacher Rubel, Nähe zum zukünftigen immer wichtiger werdenden asiatischen Wirtschaftsraum, kaum Gefährdung durch Naturkatastrophen, wesentlich weniger Umweltprobleme bis zu relativ stabilen politischen Verhältnissen.
An der Rechtssicherheit und korrupten Verhältnissen muss allerdings noch stark gearbeitet werden.

Russland ist also heutzutage China vorzuziehen. In China müssen immer noch über fünfzig Prozent der Geschäftsanteile in chinesischer Hand liegen. Wer will und braucht das?!!

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Herr Franz Paul

01.07.2015, 11:24 Uhr

Der Ami will Deutschland arm, klein und doof machen, und Merkel ist sein Erfüllungsgehilfe. Es geht alles in die selbe Richtung. Ob Ukraine, Griechenland, EU, Asylanten...... Wäre Deutschland wirklich souverän, wäre es das reichste, schönste und lebenswerteste Land der Welt.

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