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28.01.2010

15:22 Uhr

Automobilzulieferer

Der lange Weg zu alter Profitabilität

VonMarkus Fasse, Mark Christian Schneider , Martin Buchenau

Die Autokrise hat auch bei der Zulieferindustrie Spuren hinterlassen: In den vergangenen beiden Jahren kam es zu 340 Insolvenzen. Viele Unternehmen nutzten den Abschwung allerdings, um ihre strukturellen Probleme anzugehen und wollen so von einem möglichen Aufschwung profitieren.

Viele Automobilzulieferer wie Conti nutzen die Krise um ihre strukturellen Probleme anzugehen. Mit schlankeren Kostenstrukturen wollen sie vom möglichen Aufschwung profitieren. ap

Viele Automobilzulieferer wie Conti nutzen die Krise um ihre strukturellen Probleme anzugehen. Mit schlankeren Kostenstrukturen wollen sie vom möglichen Aufschwung profitieren.

STUTTGART. Die Autokrise hat die Zulieferindustrie einem gewaltigen Stresstest unterzogen. Nach einer bislang unveröffentlichten Studie von Roland Berger hat die Krise 2008 und 2009 in der Branche zu 340 Insolvenzen geführt. Viele Unternehmen haben den Abschwung allerdings genutzt, um ihre strukturellen Probleme anzugehen. Mit schlankeren Kostenstrukturen wollen sie vom möglichen Aufschwung profitieren.

Weltmarktführer Bosch etwa hat sich von vier unrentablen Werken getrennt. Weltweit wurden 11 000 Stellen gestrichen. Auch der zweitgrößte deutsche Zulieferer Continental hat seine Kosten seit Beginn des Nachfrageeinbruchs im Herbst 2008 erheblich gesenkt und 5 000 Stellen abgebaut. Vor allem die von VDO übernommene Problemsparte Powertrain, die Komponenten für Motoren und Getriebe fertigt, schrieb Verluste in dreistelliger Millionenhöhe. Ohne die 2009 extrem profitable Reifensparte wäre Conti in die Hände der Banken gefallen, heißt es in Finanzkreisen. Die Niedersachsen stehen bei ihren Gläubigern mit rund 9,5 Milliarden Euro in der Kreide. Mit der Hilfe von Großaktionär Schaeffler kommt Conti bei der Restrukturierung nun aber endlich voran. "Powertrain wird noch durchleuchtet. Aber das kriegen wir wieder schwarz", sagt Schaeffler-Chef Jürgen Geißinger dem Handelsblatt. Auch für die gesamte Schaeffler-Gruppe ist er optimistisch: "Wir kommen voran. Das Jahr 2010 wird operativ nicht schlechter als 2009."

Auch Leoni ist wieder zuversichtlich. "Den Tiefpunkt haben hinter uns", sagt ein Sprecher. Nach einem Umsatzeinbruch von 25 Prozent will der Spezialist für Kabelbäume 2010 um zehn Prozent wachsen und schwarze Zahlen schreiben. Die Nürnberger bauen sogar wieder Personal auf, nachdem Leoni 8



000 seiner weltweit 53 000 Beschäftigten entlassen hat. In der Krise wird aber stark verlagert. Nachdem Leoni zwei Werke in Portugal und Polen geschlossen hat, erweitert der Konzern seine Produktion in Nordafrika. "Zulieferer wie Leoni waren durch Low-Cost-Standorte äußerst schnell in der Lage, die Kapazitäten anzupassen", sagt Autoexperte Marcus Berret von Roland Berger.

Allerdings war das Management der meisten Zulieferer in der Krise vor allem mit Liquiditätssicherung und Kostensenkung beschäftigt. Übernahmepläne wurden auf Eis gelegt. "Die dringend notwendige Konsolidierung in der Zulieferbranche kommt in der Krise nicht so schnell voran, wie es eigentlich erforderlich wäre", sagt Berret. Überkapazitäten blieben in vielen Bereichen weiter hoch, führten zu Preiskämpfen und belasteten die Profitabilität. Berret erwartet deshalb, dass die durchschnittliche Ebit-Marge in den nächsten Jahren maximal drei bis vier Prozent erreicht. Zum Vergleich: Im Rekordjahr 2007 lag die Ebit-Marge im Schnitt bei 5,7 Prozent. Selbst Bosch-Chef Franz Fehrenbach glaubt, dass der Weg zurück länger dauern wird. Das Ziel einer Rendite von sieben bis acht Prozent will der Branchenprimus aber nicht aus den Augen verlieren.

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