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26.09.2013

21:57 Uhr

Autos

USA zerschlagen japanische Zulieferer-Kartelle

Japanische Autozulieferer sollen jahrelang die Preise für Autobauteile abgesprochen haben, vom Scheibenwischer bis zum Anlasser. In den USA droht ihnen eine Millionenstrafe - und auch in Europa laufen Ermittlungen.

Der US-Autoriese General Motors soll auch zu den Geschädigten des Zulieferer-Kartells gehören. dapd

Der US-Autoriese General Motors soll auch zu den Geschädigten des Zulieferer-Kartells gehören.

WashingtonDie USA haben mehrere Kartelle von Autozulieferern zerschlagen. Neun japanische Firmen und zwei Manager bekannten sich schuldig, sich bei den Preisen für mehr als 30 Zubehörteile abgesprochen zu haben, darunter Sicherheitsgurte, Klimaanlagen, Fensterheber und Scheibenwischer. Sie müssen nun gut 740 Millionen Dollar (547 Mio Euro) an Strafen zahlen, wie das US-Justizministerium am Donnerstag in Washington bekanntgab.

Für die US-Kartellbehörde seien es die umfassendsten Ermittlungen aller Zeiten gewesen, erklärte Justizminister Eric Holder am Donnerstag in Washington. Die fraglichen Teile seien in mehr als 25 Millionen in den USA verkaufte Wagen eingebaut worden. Leidtragende seien sowohl die drei großen US-Hersteller General Motors, Ford und Chrysler gewesen als auch japanische Autobauer mit US-Werken wie Toyota und Nissan.

Die Manager hätten bei persönlichen Treffen oder am Telefon ihre Angebote abgesprochen, Preise festgelegt und bestimmt, wohin welche Teile geliefert würden, sagte Holder. „Um ihre illegalen Aktivitäten geheim zu halten, haben sie Decknamen benutzt und sich an abgelegenen Orten getroffen.“

Die Firmen gingen nun Vergleiche mit der US-Justiz ein. Die höchste Strafe zahlt Hitachi Automotive Systems mit 195 Millionen Dollar. Die Absprachen betrafen unter anderem Anlasser und Einspritzanlagen. Die Mitsubishi Electric Corporation (Melco) wird mit 190 Millionen Dollar zur Kasse gebeten, hier ging es unter anderem um Zündspulen und Lichtmaschinen.

Die weltweit größten Automobilzulieferer

Platz 10

Faurecia - 18,03 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Das Schicksal des Autozulieferers ist eng verbunden mit PSA Peugeot/Citroën. Derzeit stagnieren die Geschäfte. Zum Portfolio gehören Sitze und Emissionskontrollsysteme.

Platz 9

Aisin Seiki - 18,92 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Die Japaner gehören zur Toyota-Gruppe und produzieren etliche Komponenten für die Autoindustrie, darunter Getriebe und Navigationssysteme.

Platz 8

Michelin - 20,25 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Der französische Reifenriese musste zuletzt erneut Rückschläge beim Absatz hinnehmen. Neben Reifen stellt das Unternehmen aus Clermont-Ferrand auch Navigationssysteme her.

Platz 7

Johnson Controls - 20,93 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Die US-Amerikaner aus Milwaukee konzentrieren sich die Zulieferung von Sitzen, Türen und Instrumenten. Damit legte der Umsatz zuletzt leicht zu.

Platz 6

Hyundai Mobis - 23,25 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Die Koreaner sind Teil des riesigen koreanischen Hyundai-Imperiums und zählen zu den wichtigsten Zulieferern für die Autobauer Hyundai und Kia. Gebaut werden Sicherheitssysteme, Airbus, Lampen und Antriebsstränge.

Platz 5

Bridgestone / Firestone - 24,62 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

In der Gummiverarbeitung sind die Japaner sogar weltweit führend. In Frankreich, Italien, Polen und Spanien betreiben sie eigene Werke.

Platz 4

Magna - 24,95 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Unter der Führung der schillernden Österreichers Frank Stronach wuchs der Konzern - und kann nahezu alle Bauteile selbst Produzieren. Fahrgastzellen, Sitze, Antrieb und Elektronik gehören zum Portfolio des Unternehmens.

Platz 3

Denso - 27,79 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Die Japaner verloren zuletzt wieder Marktanteile. Kunden sind insbesondere die großen japanischen Autobauer. Das Unternehmen baut unter anderem Klimaanlage, Antriebsstränge und Elektronik.

Platz 2

Robert Bosch - 30,7 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Der zweitgrößte Autozulieferer der Welt ist in Stuttgart daheim. Neben Benzin- und Dieselsystemen baut Bosch auch Multimedia-Systeme, Bremsen, Elektronik und Batterien für etliche große Autohersteller .

Platz 1

Continental - 33,32 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Aus Hannover in die Welt: Neben den bekannten Reifen liefert Conti auch Sicherheits- und Telematiksysteme, Steuerinstrument und die Elektronik für Antriebsstränge. Im Vergleich zum Vorjahr legte der Umsatz damit leicht zu.

Alle Teile zusammen, bei denen gemauschelt worden sei, hätten einen Wert von 5 Milliarden Dollar gehabt, erklärte das Justizministerium. „Manche der Kartelle liefen seit zehn Jahren und länger“, sagte Scott Hammond von der Kartellbehörde, die dem Ministerium angeschlossen ist.

Die US-Kartellbehörde hat derzeit ein besonders wachsames Auge auf die Autobranche. Sie hat in ihren laufenden Untersuchungen bis dato 20 Zulieferer und 21 Manager zur Rechenschaft gezogen und dabei Geldstrafen von 1,6 Milliarden Dollar verhängt. Einige Verantwortliche bekamen Haftstrafen. Den Angaben zufolge sind aber noch längst nicht alle Fälle aufgearbeitet.

Bei der Aufdeckung der Kartelle hatten die Amerikaner mit ausländischen Kartellbehörden zusammengearbeitet. Im Juli hatte die EU vier Hersteller von Kabelbäumen mit 141,8 Millionen Euro an Bußen belegt - auch das zumeist japanische Firmen. Erst am Dienstag durchsuchte das deutsche Bundeskartellamt die Standorte von sechs Zulieferern von Motorraumisolierungen, Kofferraumauskleidungen und Hutablagen.

Von

dpa

Kommentare (3)

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keineahnung

26.09.2013, 22:16 Uhr

das ist ja total klasse. Dann werden ja die bürger nix von der Miostrafe sehen und die ganzen Mios in die rüstung gepumpt. Perfekt.

JoMei

27.09.2013, 06:41 Uhr

die paar Millionen reichen doch nicht einmal, um ein paar Stunden Zinslast der USA abzudecken. Sarkasumus aus.

jupphirsenkoetter

27.09.2013, 10:36 Uhr

Karaoke Abende und Puffbesuche, sowie gemeinsame Oktoberfestbesuche sind eben teuer!

und die alten Senioren von Lieferanten und Abnehmern wissen zu feiern!

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