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07.03.2013

13:55 Uhr

Autosalon Genf

Wie deutsche Autos zu Nichtrauchern werden sollen

VonLukas Bay

Mit neuen Antrieben wollen die deutschen Autobauer ihre CO2-Emmissionen senken. In Genf stellen Audi, VW und BMW ihre Prestigeobjekte vor. Doch von der Marktreife sind die meisten Modelle noch weit entfernt.

VW XL1: Der Plug-In-Hybrid verbraucht auf 100 Kilometer nur noch 0,9 Liter. dpa

VW XL1: Der Plug-In-Hybrid verbraucht auf 100 Kilometer nur noch 0,9 Liter.

GenfWie bringt man einen Kettenraucher zur Abstinenz? Diese Frage stellen sich nicht nur Gesundheitspolitiker, sondern auch die EU-Kommission. Mit strikten Vorgaben zwingt Brüssel die deutschen Premiumhersteller, den CO2-Ausstoß ihrer Fahrzeuge zu senken. In Genf zeigen die Autobauer, wie der Ausstieg funktionieren soll.

Es war 2012, als Greenpeace-Aktivisten die große Volkswagen-Pressekonferenz auf dem Autosalon in Paris sprengten. „Volkswagen, wir rauchen“ , stand auf ihrem Transparent. Eine Blamage, die sich nicht wiederholen soll. In Genf will Volkswagen der Welt darum beweisen, dass der Konzern zum Nichtraucher werden kann. Schon auf dem Markenabend verkündete VW neue, ehrgeizigere Klimaziele. Bis 2018 will der Konzern nicht nur der größte, sondern auch der umweltfreundlichste Autobauer werden. „Das ist ein guter Tag für den Klimaschutz“, lobte selbst Greenpeace die Ankündigung.

Antriebsarten und ihre Abgaswerte

Motoren im Vergleich

Wie sehr ein Auto die Luft verpestet, hängt davon ab, was unter der Haube steckt. Denn je nach Motor stößt ein Wagen unterschiedlich viele Feinstaub-Partikel (PM) und Stickstoffdioxide (NO2) aus. Hier ein Überblick über das Abgasverhalten verschiedener Motoren.

Benzinmotoren

Moderne Benzinmotoren werden durch Direkteinspritzung zwar sparsamer gegenüber der Vergaser-Technik - und damit wird auch ihr CO2-Ausstoß gesenkt. Doch haben die Einspritzmotoren oft einen höheren Feinstaub-Ausstoß. Nach einer Untersuchung der Deutschen Umwelthilfe stoßen sie eine sehr hohe Zahl an ultrafeinen Partikeln aus, die massive gesundheitliche Folgen für die Atemwege und das Herz-Kreislauf-System haben können. In der Untersuchung kam heraus: Benzinfahrzeuge überschritten den aktuellen Grenzwert für Dieselfahrzeuge teils um das Sechsfache.

Dieselmotoren

Trotz Rußpartikelfilter - Selbstzünder sind laut Verkehrsclub Deutschland (VCD) die weniger sauberen. Der Grund: Ihr aktueller Grenzwert nach Euro-5-Norm ist beim Ausstoß von Stickoxiden (NOx) dreimal höher als bei Ottomotoren. Demnach dürfen Diesel bis zu 180 mg/km an Stickoxiden ausstoßen, während der Vergleichswert bei Benzinern bei 60 mg/km liegt. Bei den Feinstaubpartikeln liegen beide Verbrennungsprinzipien mit erlaubten 5 mg/km gleichauf. Diesel-Pkw können die aktuelle Euro-5-Norm nur mit Hilfe eines Partikelfilters erreichen.

Erdgas- und Autogasantriebe (CNG und LPG)

Erdgas gilt unter den fossilen Treibstoffen in der Expertenwelt als der sauberste. So stoßen Fahrzeuge, die CNG (Compressed Natural Gas) tanken, noch weniger Stickoxide aus als Benziner. Der TÜV Süd nennt gegenüber Benzinern eine Reduktion um bis zu 60 Prozent, bei LPG seien bis zu 15 Prozent weniger möglich. Erdgasautos emittieren zudem fast gar keine Rußpartikel.

Hybrid- und Elektroantriebe

Auch Hybridfahrzeuge müssen die Abgasnormen der EU einhalten. Generell lässt sich dem VCD zufolge sagen, dass Dieselhybride, wie sie neuerdings angeboten werden, mehr Schadstoffe ausstoßen als Benzinhybride. Fahren sie im rein elektrischen Modus, stoßen sie keine Schadstoffe aus - doch liegt die Reichweite für den E-Modus meist nur bei wenigen Kilometern. Dann springt der Verbrenner an. Elektroautos stoßen während der Fahrt zwar keinerlei Schadstoffe aus. Doch bei ihrer industriellen Fertigung und bei der Stromerzeugung werden ebenfalls Rußpartikel und Stickoxide erzeugt.

Aktuelle Luftdaten
Übersicht: Deutsche Umweltzonen
Studie zu Umweltzonen
Kurzinfo zu Umweltzonen
Hintergrundpapier zu Feinstaub
Fragen und Antworten zu Feinstaub
Fragen und Antworten zu Stickstoffoxiden

Ganz freiwillig ist die Nichtraucherinitiative von Volkswagen allerdings nicht. Denn der Konzern muss den CO2-Ausstoß der Neuwagenflotte bis 2020 auf 95 Gramm pro Kilometer sinken, so verlangt es eine EU-Richtlinie. Ein Wert, von dem insbesondere die Premiummarken des Konzerns noch weit entfernt sind. Um weiter Bugattis, Bentleys und Porsches bauen zu können, muss VW den Antrieb umbauen.

Der Schlüssel dazu soll die Plug-In-Hybrid-Technologie sein, ein Zwitter aus Verbrenner und Elektromotor, dessen Lithium-Ionen-Batterie über die Steckdose geladen werden kann. Vor einem Jahr hatte der VW-Aufsichtsrat beschlossen, bis 2016 knapp 33 Milliarden Euro in neue Automobile und Varianten zu investieren – und die ersten Ergebnisse sind in Genf sichtbar.

VW XL1 : Fast wie ein richtiges Auto

VW XL1

Fast wie ein richtiges Auto

Ein Wagen, der auf 100 Kilometern weniger als einen Liter Sprit verbraucht: Das verspricht Volkswagen mit dem XL1. Und wie fährt sich das extrem windschnittige Sparmobil nun?

Zum einen das Modell des guten Willens: der XL1. Das erste Ein-Liter-Auto des Konzerns eröffnete nicht nur den Markenabend. Der Plug-In-Hybrid, der auf 100 Kilometer nur noch 0,9 Liter verbraucht, bekommt auch auf der Messe seinen großen Auftritt. Er wird in einer Kleinserie von 250 Stück produziert wird, über den Preis schweigt VW sich noch aus. Patriarchen-Gattin Ursula Piëch hat sich ein Exemplar für 100.000 Euro gesichert. Bei 1700 Arbeitsstunden, die in einen XL1 investiert werden müssen, ein guter Preis. Doch es dürfte nicht viele Autokäufer geben, die diese Summe in einen VW investieren.

Kommentare (5)

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MMnews_de

07.03.2013, 14:18 Uhr

Was ist an einem "neuen" Auto neu?

Seit 100 Jahren hat sich an den Autos die uns als "neu" verkauft werden nichts außer dem Designs geändert!!!

Die Grundtechnik ( Otto- bzw. Dieselmotor ) ist über 100 Jahre alt!!!

Glaubst Du wirklich wir sind nicht in der Lage in 100 Jahren einen neuen Antriebsmotor zu entwickeln, weg vom Öl???

Warum erfahren wir in den Medien nichts über kosmische Energie??? ( Dr. Yoshiro Nakamats )

Ist sie nicht gewollt???

Hier der Nachweis von Prof. Dr. Claus W. Turtur:

Theoretischer und praktischer Nachweis von Vakuumfeldenergie ( Kosmische Energie )

http://wearechangeaustria.wordpress.com/2010/06/14/teslas-raumenergie-nachgewiesen/

Warum erfahren wir nichts davon in den Medien?

Wem gehören eigentlich weltweit die ganzen Medien AGs?

Sind die Medien vielleicht garnicht so objektiv wie wir alle glauben??? ;-)

Aufwachen!!!

Bitte nicht löschen, Herr/Frau Zensor danke

hgert

07.03.2013, 15:03 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Account gelöscht!

07.03.2013, 15:21 Uhr

Wir fahren also alle demnächst Autos mit Elekromotoren, die einen geringen CO2 Ausstoß haben, und fühlen uns sehr edel dabei. Dumm nur, dass in Deutschland der größte Stromlieferant die Braunkohle ist, die wiederum der schmutzigste Energielieferant überhaupt ist.

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