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05.10.2016

11:37 Uhr

Autosalon in Paris

Wir sehen, was ihr nicht seht

VonLukas Bay

Futuristische Konzepte und virtuelle Realität: Auf Europas größter Automesse in Paris überspielen die Autobauer mit viel Technologie ihre eigene Ratlosigkeit. Szenen einer Branchenkrise.

Virtuelle Realität ist in Paris ein Trend, auch auf dem VW-Konzernabend. dpa

Brille auf, das Auto kommt

Virtuelle Realität ist in Paris ein Trend, auch auf dem VW-Konzernabend.

ParisBerater sagen, dass das modern wirkt. Also setzte sich die VW-Führungsriege beim Messerundgang auf dem Autosalon in Paris kurzerhand eine dieser Brillen auf, mit der sich eine virtuelle Realität schaffen lässt. In einer Reihe saßen sie da, die Brille im Gesicht: Konzernchef Matthias Müller, Aufsichtsrat Hans-Dieter Pötsch und der Sprecher der Inhaberfamilien Wolfgang Porsche – ein für Fotografen sehr undankbares Motiv. Denn was die Männer sahen, war schließlich nicht abzulichten. Wichtiger war ohnehin die Botschaft: Seht her, wir sind offen für neue Technologien. Wir schauen in die Zukunft.

Früher lief die Automesse für VW so ab: Konzernchef Martin Winterkorn schritt mit seinem Gefolge die Messestände seiner Marken ab, streichelte über den Lack, maß hin und wieder einen Spalt nach – und lehrte nebenbei seine Markenverantwortliche das Fürchten. Und jedes Jahr brachte die Konzerntochter Bugatti einen noch stärkeren Sportwagen mit. Es waren Demonstrationen der Ingenieure. Doch nicht nur VW hat sich verändert.

Der Star der Pariser Automesse ist kein Auto mehr, sondern die Virtual-Reality-Brille. Kaum ein Hersteller verzichtet auf die 3D-Welt im Kompaktformat. VW-Tochter Seat hat gleich eine ganze Tribüne aufgebaut, auf der bis zu 40 Zuschauer in eine Simulation versetzt werden. Und auch Peugeot hat eine eigene Ecke am Stand eingerichtet, in der Besucher zwar komisch aus der Wäsche, aber irgendwie auch in die Zukunft sehen können.

Die Flucht in die virtuelle Realität ist auch aus der Not geboren. Eine Messe ist als Präsentationsfläche längst zu statisch, um zu zeigen, was in Zukunft geplant ist. Das meiste, was an Autos Spaß macht, kann man sich hier nur vorstellen: Beschleunigung beispielsweise oder den Motoren-Sound. Noch schwieriger wird es, wenn man keinen Sportwagen zeigen will, sondern ein ganzes Mobilitätskonzept.

Längst wird hinter den Kulissen offen diskutiert, wie sinnvoll ein Auftritt auf einer Automesse noch ist. Ein führender Manager eines großen europäischen Herstellers bringt es auf den Punkt: „Wir investieren hier mehrere Millionen, die an anderer Stelle viel mehr Wirkung zeigen.“ Fahrpräsentationen für Kunden, eigene Events im Netz – die Plattformen sind so zahlreich geworden, dass eine Automesse fast zum Klassentreffen verkommt. Volumenhersteller wie Volvo, Mazda und Ford sind deswegen gar nicht erst nach Paris gekommen.

Andere versuchen, die schönen Versprechen auf eine bessere Zukunft durch futuristische Konzeptfahrzeuge sichtbar zu machen. VW hat den I.D. mitgebracht, Daimler den EQ. Autos, die bislang nur ein Entwurf sind, beleuchtet mit viel LED-Schnickschnack und beschrieben mit allerlei Modeattributen: vollvernetzt, autonom, emissionsfrei. So sieht die schöne neue Autowelt aus, die für den Normalverbraucher allerdings immer schwerer zu verstehen ist.

Das zeigen nicht nur die Zustimmungsraten für die neuen Technologien, sondern auch die schnöde Absatzstatistik. Während die Hersteller immer schönere Utopien entwerfen, greifen die Kunden im Autohaus bislang immer noch vor allem zum SUV mit Verbrennungsmotor. Die Diskrepanz zwischen der Straße und den Vorstellungen der Hersteller war selten so groß wie heute.

Kommentare (11)

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05.10.2016, 12:02 Uhr

jaja...die neue schöne Welt von Simulationen und Spielzeuggeld.
Von Technik, Ingenieurkunst und wirtschaftlicher Mehrwertschöpfung wollen die neuen Grün-sozialistischen Politik Manager nichts mehr wissen. Hauptsache die eigene Ideologie wird unters Volk gebracht. Und somit geht die Schuldenspirale durch unwirtschafltiche und hochsubventionierte Produkte immr weiter nach oben. Das Geld hat unter Drucker Draghi eh keinen Zins = Wert mehr und somit kann man mit dem Euro Spielgeld auch unendlich hohe Schuldenberge aufbauen mit politisch ideologischen Grün-Sozialistischen Projekten...die weder der Markt noch eine Gesellschaft des Wohlstandes und Fortschrittes leisten kann bzw. nachfragt.

Herr Tom Schmidt

05.10.2016, 12:20 Uhr

Also welche Branche ist in der Krise? Die Messebauer? Unterm Strich bedeutet der Artikel doch nur, dass man andere Werbeplattformen sucht und die sind sowieso austauschbar (spätestens in 15 Jahren ist auch Facebook out). Am Ende zählt, dass der kunde wieder über den Lack streichen kann und ein geiles Auto hat.... Und in dem Moment ist auch vollkommen egal, welche Dumpfbacke wieder etwas vom Ende des Diesels oder was ähnliches geschrieben hat... am Schluss will der Kunde wieder Spass und Qualität!

Herr Charly Schorr

05.10.2016, 12:22 Uhr

Ratlos versucht die Branche die Tatsache zu umschiffen, dass mit Akku-Autos dem Verbraucher viel abverlangt wird. Er soll für diese Autos das doppelte heute gängiger Verbrenner bezahlen. Gleichzeitig soll er gewaltige Nachteile in Kauf nehmen. REICHWEITE ist eines der Stichworte. Man kann sich nicht vom bisherigen Erfolg trennen, der auf dem Ansatzt basiert, Energievorrat an Bord bestimmt die Reichweite.
Andererseits hat Elektromobilität die funktioniert, zwei gänzlich andere Wesensmerkmale: 1. Kein Energievorrat an Bord, 2. Unbegrenzte Reichweite. Die 'Rede ist von der aus dem Netz heraus versorgten E-Mobility der ICE und Konsorten.
Eine U-Bahn fährt, stoppt nach wenigen 100 m wieder, beschleunigt usw. Der dafür notwendige Strom wird außerhalb des Fahrzeuges genau zu dem Punkt auf der Strecke geleitet, wo er gebraucht wird, um nach Übergang ins Fahrzeug, daraus Radantrieb, Klimatisierung und Beleuchtung zu machen. Der Schritt in die Jetztzeit wäre es, diesen Stomübergang nicht per Oberleitung, sondern aus der Fahrbahn heraus über Luftspalt per Induktion zu machen. Induktionselemente in den Straßen sind überall dort ein excellentes Geschäft, wo ein entsprechend großes Verkehrsaufkommen gegeben ist. Viele Fahrzeuge = viel Strombedarf. Das induktive System ist technologisch darauf eingerichtet, LKW, Busse aber auch PKW zu versorgen. Fahrzeuge sind dann aus dem Netz versorgt, egal ob sie alternativ dazu Energie an Bord haben. Dies könnte ein Akku sein, oder ein Sprittank, der Motor und Generator versorgt. Ergebnis dieser Revolution: Straßen mit viel Verkehr haben keine Abgase. Nur auf Strecken mit spärlichem Verkehr gibt es Abgase, da dort ein Verbrennungsmotor läuft, der Sprit zu Stom macht.

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