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06.01.2010

16:05 Uhr

Autoshow

Autobranche ringt um Hoffnungsbringer Indien

VonFlorian Brückner

Die Automobilindustrie steht erneut vor einem schwierigen Jahr. Jetzt blickt die Branche hoffungsvoll auf Indien. Nicht ohne Grund. Experten der Beratungsgesellschaft PA Consulting Group rechnen mit einem starken Wachstum des indische Automarktes. Aus deutscher Sicht ist vor allem VW gut aufgestellt - aber es bleiben Fragezeichen.

Bollywood-Star Shah Rukh Khan auf der Auto Expo in Neu Delhi. Reuters

Bollywood-Star Shah Rukh Khan auf der Auto Expo in Neu Delhi.

DÜSSELDORF. Indien ist Hoffnung, zumindest, wenn es um die Autoindustrie geht. Die fährt derzeit etwa auf der Autoshow im indischen Neu Delhi ein neues Modell nach dem anderen auf. Und viele davon wie etwa der Toyota "Ethios" sind speziell für den Automarkt in Indien entwickelt worden. Denn während etwa in westlichen Märkten vielfach von Wachstum keine Rede mehr sein kann, legt Indien zu. Nach Prognosen der Beratungsgesellschaft PA Consulting Group ist Indien weiter ein deutlich aufstrebender Automarkt.

2008 wurden in dem südasiatischen Land noch 1,544 Millionen Autos verkauft, 2009 waren es geschätzt 1,775 Millionen - und für 2010 rechnen die Berater bereits mit zwei Millionen verkauften Fahrzeugen. Tendenz weiter steigend. Geht alles nach Plan, dann dürften 2015 gut 3,4 Millionen Autos verkauft werden "Das wäre eine Verdoppelung des Marktvolumens in sechs Jahren", sagt Autoexperte Engelbert Wimmer von PA Consulting Group dem Handelsblatt. Kein Wunder also, dass alle namhaften Hersteller auf den indischen Markt setzen. Indien, so Toyota-Vizepräsident Kazuo Okamoto, spiele eine "entscheidende Rolle" in den weltweiten Expansionsplänen des japanischen Autobauers. "Der Markt ist extrem wichtig für uns", sagt Okamoto, der sogar ein Wachstum auf vier Millionen verkaufter Autos bis 2015 für möglich hält.

Auch die deutschen Hersteller wollen davon profitieren. Der Premium-Autobauer Daimler kündigte etwa an, den Absatz in Indien zweistellig steigern zu wollen. "2010 gehen wir mit einer Reihe neuer Produkte an den Start" sagt Wilfried Aulbur, zuständig bei Daimler für das Geschäft in Indien. 2009 verkaufte Daimler allerdings etwas weniger Autos als im Jahr zuvor. Ohnehin dürften die Bäume für die deutschen Premium-Bauer ohnehin wohl kaum in den Himmel wachsen. Derzeit liegt der Marktanteil von BMW und Mercedes nur bei 0,2 Prozent. "Zwar wächst auch das Premium-Segment leicht, doch das klassisch deutsche Portfolio passt nicht richtig zu den Bedürfnissen des indischen Automarktes", sagt Wimmer. Beispiel: Die Inder sehen Skoda derzeit als "Luxury Vehicle".

Dort sind vor allem Kleinwagen gefragt, je billiger, desto besser. Ein Grund, warum der Markt bislang fest in der Hand von Maruti Suzuki ist, die mit Modellen wie etwa Maruti 800 oder Swift für Furore sorgen. Laut PA Consulting Group hält das indisch-japanische Jointventure mit gut 617 000 verkauften Autos etwa 46,4 Prozent Marktanteil. Mit großem Abstand folgt der koreanische Autobauer Hyundai mit 245 000 verkauften Autos auf Platz zwei, dahinter liegt der indische Tata-Konzern mit einem Marktanteil von 14,9 Prozent und 231 000 abgesetzten Fahrzeugen. Davon kann der größte deutsche Wettbewerber nur träumen.

Volkswagen kommt inklusive der Marke Skoda gerade einmal auf ein Prozent. Vielleicht ein möglicher Grund dafür, wieso VW mit 19,9 Prozent bei Suzuki eingestiegen ist. "Die Verbindung mit Suzuki kann das Spiel für VW in Richtung Durchbruch für Indien verändern", sagt Wimmer. Gemeinsame Produkte und Kapazitäten von VW und Suzuki, so Wimmer, seien beabsichtigt. Nur: "Noch offen ist die Frage, ob VW auch das Vertriebsnetz von Suzuki nutzen kann", so der PA Experte. In Neu Delhi kündigte VW-Produktionschef Jochem Heizmann indes eine engere Zusammenarbeit mit Maruti Suzuki an.

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