Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.01.2009

16:53 Uhr

Autoshow

Detroiter Drohung für VW

Die deutschen Autobauer haben sich bei der Detroit Motor Show viel vorgenommen. Zwar wollen die Hersteller in der Krise den Marktanteil steigern. Aber nicht zuletzt Volkswagen trumpft angesichts des Niederganges ihrer US-Rivalen nicht auf – sondern begreift das Schicksal Detroits als Mahnung.

VW-Chef Martin Winterkorn am Steuer des neuen Bluesport Roadster auf der Detroit Motor Show. Foto: Reuters Reuters

VW-Chef Martin Winterkorn am Steuer des neuen Bluesport Roadster auf der Detroit Motor Show. Foto: Reuters

DETROIT. Martin Winterkorns Stirn liegt in Falten. Dabei hätte der Deutsche Grund zum Feiern: Volkswagen schließt 2008 als einziger Massenhersteller stabil ab. Der Absatz steigt um 0,6 Prozent auf 6,23 Mill. Autos – neuer Rekord. Zumindest ein Glas Rotwein gönnt sich der VW-Chef auf den Erfolg. Nach dem ersten Messetag in Detroit lädt er Sonntagabend ins Erdgeschoss des denkmalgeschützten Art-Deco-Wolkenkratzers Guardian Building um die Ecke der Messehalle in Downtown Detroit ein.

Auf dem hell erleuchteten VW-Messestand sorgt tagsüber das Konzeptauto BlueSport für Furore, während sich auf der trostlos zerstückelten Fläche gegenüber ein Designcollege und ein improvisiertes Café die kurzfristige Absage von Nissan überdecken sollen.

Die Volkswagen-Show ist nüchtern gehalten, nur ein paar Tänzer haben die Wolfsburger engagiert. Am Ende strömen Kinder mit Orange farbenen Gerbera in der Hand und Kappen auf dem Kopf auf die Bühne. BlueSport ist ein von VW-Chef-Designer Walter de Silva entworfener Roadster mit schmalem Stoffdach in leuchtendem Orange, der auf dem neuen Konzernbaukasten aufbaut. Als universelle Basis soll der eine Vielzahl an Modellen zu niedrigen Kosten ermöglichen.

Der Clou des Roadsters: Der 180-PS-starke Diesel-Mittelmotor beschleunigt den Sportwagen zwar in 6,6 Sekunden auf 100 Kilometer pro Stunde – trotzdem verbraucht der Wagen mit Sechs-Gang Doppelkupplungsgetriebe und Start-Stopp-Automatik nur 4,3 Liter pro 100 Kilometer. Bereits 2011 könnte der Volks-Flitzer bei den Händlern stehen und dem Marktführer Mazda MX5 das Leben schwer machen. Für die Autobranche käme ein solches Fahrzeug in Serie der Quadratur des Kreises gleich: Fahrspaß, Sparsamkeit und Umweltfreundlichkeit in einem.

Das ist das Ziel dieser geplagten Industrie, die sich dieses Jahr in Detroit mangels echter Nachrichten vor allem in krisenresistenter Rhetorik übt. Selbst der Stuttgarter Limousinenbauer Mercedes-Benz beschreibt die neue E-Klasse mit dem Wortpaar „Faszination und Verantwortung“. Spaßmaschinen wie die debütierende Neuauflage des BMW Z4 müssen vertretbare Verbrauchs- und Abgaswerte vorweisen. Ob Daimler-Chef Dieter Zetsche oder Audi-Boss Rupert Stadler: Jeder will mit „starken Produkten“, die „emotional wie umweltschonend“ sind, „gestärkt aus der Krise hervorgehen“.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×