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07.09.2015

16:53 Uhr

Autozulieferer

China-Flaute dämpft bei Mahle die Zuversicht

Wegen der Einbrüche auf dem chinesischen Automarkt rechnet auch der deutsche Zulieferer Mahle mit deutlichen Umsatzrückgängen. Der Konzern hatte zuletzt vor allem durch Übernahmen seinen Umsatz fast verdoppelt.

Der deutsche Autozulieferer Mahle beliefert westliche wie chinesische Autobauer in China mit Motorkomponenten und Kühltechnik. Das Geschäft in der Volksrepublik bereitet vielen westlichen Herstellern zunehmend Sorgen. dpa

Mahle-Zentrale in Stuttgart

Der deutsche Autozulieferer Mahle beliefert westliche wie chinesische Autobauer in China mit Motorkomponenten und Kühltechnik. Das Geschäft in der Volksrepublik bereitet vielen westlichen Herstellern zunehmend Sorgen.

StuttgartDer Zulieferer Mahle rechnet in China angesichts des Einbruchs auf dem Automarkt mit deutlichen Bremsspuren in diesem Jahr. Der Umsatz dort werde im zweiten Halbjahr 2015 stark zurückgehen und den kräftigen Zuwachs der ersten Jahreshälfte zunichte machen, erklärte der neue Mahle-Chef Wolf-Henning Scheider am Montag in Stuttgart.

In den ersten sechs Monaten hatte der Produzent von Kolben, Luftfiltern oder Elektromotoren den Erlös auf dem weltgrößten Automarkt noch um 26 Prozent auf 521 Millionen Euro gesteigert. Scheider rechnet wegen der Flaute im Gesamtjahr mit einem stagnierenden Umsatz im Reich der Mitte.

Mahle beliefert westliche wie chinesische Autobauer in China mit Motorkomponenten und Kühltechnik. Das Geschäft in der Volksrepublik bereitet vielen westlichen Herstellern zunehmend Sorgen. Im Juli waren die Verkaufszahlen dort den vierten Monat in Folge gesunken - das ist die längste Schwächephase seit mindestens fünf Jahren.

Warum in China die Börse abstürzt

Wie tief fallen die Kurse noch?

Am 27. Juli erlebte Chinas Börse den größten Tageseinbruch seit acht Jahren. Wie weit es noch nach unten geht, kann niemand sagen. Doch der Einbruch wäre vermutlich noch schlimmer ausgefallen, wenn die Börsenaufsicht und die Zentralbank nicht neue Hilfen angekündigt hätten.

Welche Rolle spielt der Staat für die Entwicklung an den Börsen?

Indem die chinesische Regierung Privatanleger in Aktien drängt, versucht sie, das Finanzierungsproblem für Unternehmen zu lösen – und die Schwächen des Bankensektors zu vertuschen.

Welche Nachteile ergeben sich hieraus?

Einmal angefangen, kommt der Staat nun nicht mehr aus der Sache heraus: Damit die Strategie aufgeht, sich das Ersparte für Kleinanleger mehrt und Firmen an Geld kommen, müssen die Kurse oben bleiben. Einen Crash kann man sich schon wegen der Reputation im Grunde nicht leisten.

Warum greifen die staatlichen Maßnahmen nicht?

Die Hilfsprogramme der Regierung nutzen sich ab – oder besser: sie nützen nichts, wenn gleichzeitig immer mehr Anleger nicht mehr an die Börsen glauben.

Hat der Börsencrash in China Auswirkungen auf die Realwirtschaft?

Wenig. Der Aktienmarkt hat sich schon lange von der Realwirtschaft entkoppelt.

Wie hart trifft der Börsencrash die chinesischen Sparer?

Chinesen sind zwar emsige Sparer. Sie haben aber nur einen kleinen Teil ihres Geldes in Aktien investiert. Fünf Prozent der Ersparnisse stecken in Wertpapieren.

Welche deutschen Aktien geraten durch die Turbulenzen in China unter Druck?

Besonders exportorientierte deutsche Unternehmen. Für Volkswagen und Daimler ist China enorm wichtig. Auch Chemiekonzerne wie Bayer und BASF geraten unter Druck.

Wie groß ist die Ansteckungsgefahr an den Börsen der Welt?

Lange Zeit durften Ausländer nicht an Chinas Börsen handeln. Peking hatte seine Finanzmärkte weitgehend abgeschottet. Dadurch schlagen Turbulenzen in China nur sehr abgeschwächt auf internationale Börsen durch.

Welche Rollen spielen ausländische Anleger bei dem Börsen-Crash?

Seit den Turbulenzen ziehen viele internationale Anleger ihr Geld über die Börse in Hongkong wieder aus dem chinesischen Festland ab. Bis Wochenanfang waren auf diesem Weg bereits mehr als sechs Milliarden US-Dollar abgeflossen.

Der China-Effekt wird das weltweite Wachstum aus eigener Kraft bei Mahle, dem viertgrößten deutschen Autozulieferer, Scheider zufolge im zweiten Halbjahr um einige Zehntel Prozent dämpfen. Von Januar bis Juni legte der Umsatz um 12,5 Prozent auf 5,5 Milliarden Euro zu. Aber nur 2,3 Prozent Umsatzplus brachte das angestammte Geschäft ein, während fast acht Prozent von der Euro-Schwäche und gut zwei Prozent von zugekauften Firmen herrührten, die erstmals eingerechnet wurden.

In der zweiten Jahreshälfte werden dann die beiden großen Zukäufe Delphi-Klimatechnik aus den USA, und der japanische Elektromotor-Hersteller Kokusan Denki in der Mahle-Bilanz erfasst. In diesem Jahr rechnet Scheider, der vor seinem Einstieg bei Mahle im Juli die Kfz-Sparte von Bosch führte, mit einem Umsatzanstieg um 15 Prozent auf rund 11,5 Milliarden Euro.

Die große Einkaufstour sei vorerst beendet, erklärte Scheider. In den vergangenen fünf Jahren hat der nicht-börsennotierte Stiftungskonzern seinen Umsatz vor allem durch Übernahmen, etwa auch des ebenfalls in Stuttgart sitzenden Kühl- und Klimaspezialisten Behr, fast verdoppelt. „Nach den Zukäufen liegt unser Hauptaugenmerk auf der Integration“, sagte Scheider. Das schließe kleinere Übernahmen von Firmen mit einem Umsatz in zweistelliger Millionenhöhe nicht aus.

Von

rtr

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