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05.07.2011

17:48 Uhr

Autozulieferer

Conti setzt auf Elektroautos

VonMark Christian Schneider

ExklusivDer weltweit drittgrößte Autozulieferer Continental sieht im Wandel zu Elektrofahrzeugen mehr Chancen als Risiken. Er dürfte auch die Möglichkeit eröffnen, den Rückstand auf Marktführer Bosch zu verkürzen.

Ein Elektroauto lädt auf: Continental setzt auf den Wandel beim Fahrzeugantrieb. Quelle: dpa

Ein Elektroauto lädt auf: Continental setzt auf den Wandel beim Fahrzeugantrieb.

DüsseldorfDer weltweit drittgrößte Autozulieferer Continental setzt auf den Wandel zu elektrisch angetriebenen Fahrzeugen. Elektroautos dürften zwar den Absatz von klassischen Komponenten für Verbrennungsmotoren schmälern. Conti sieht allerdings die Vorteile des Technologiewechsels für das eigene Unternehmen überwiegen. „Unter dem Strich bieten uns Elektroautos als neue Antriebsfunktion neue Chancen“, sagte Continentals Vorstand Ralf Cramer dem Handelsblatt.

Aus Cramers Sicht gilt das besonders für moderne Bremsen, die Energie zurückgewinnen können, Fahrerassistenzsysteme zur Vermeidung von Unfällen und Komponenten zum Schutz von Insassen im Fall eines Zusammenstoßes. Cramer führt eine der größten der fünf Divisionen des Dax-Kandidaten Continental. „Wir erhöhen unsere Investitionen weiter, zur Entwicklung neuer Fahrerassistenzsysteme, Bremssysteme und zur weiteren Expansion in Asien“, sagte der Conti-Vorstand. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete der Bereich Chassis & Safety mit mehr als 30.000 Mitarbeitern knapp sechs Milliarden Euro Umsatz. Cramer will die Umsatzrendite auf Ebit-Basis bei mehr als zehn Prozent halten.

Elektroflitzer für die Stadt brauchen eine spezielle Sicherheitsausstattung. „Geraten leichtere Fahrzeuge in die Gefahr eines Unfalls, benötigen sie ganz besonders starke Bremsen, um den Aufprall doch noch zu vermeiden. Am besten, sie sind gleich mit einem Notbremssystem ausgestattet“, sagte Cramer. Doch die Stromer bieten auch völlig neue technische Möglichkeiten. „Wir sehen eine Chance darin, bei Elektroautos erstmals die heute getrennten Steuergeräte für Gas geben und Bremsen zu kombinieren, zu einem sogenannten Motion-Controller. Das wäre ein großer Technologiesprung.“

Mit Rückenwind für den Elektronikspezialisten durch die Entwicklung hin zu emissionsfrei fahrenden Elektroautos rechnen auch Branchenkenner. „Continental kann bei konsequenter Weiterentwicklung der Kompetenzen vom Trend zum E-Auto stark profitieren“, sagt Stefan Bratzel, Autoprofessor an der Fachhochschule Bergisch Gladbach. Die ohnehin vorhandene Tendenz in der Autoindustrie, die Wertschöpfung zu Gunsten der Zulieferer zu verlagern, wird sich aus Sicht des Autoprofessors verstärken. „Zulieferer können durch E-Mobilität ihren Wertschöpfungsanteil am Fahrzeug im Vergleich zu Diesel- und Benzinmotoren erhöhen“, prognostiziert Bratzel.

Von einer steigenden Zahl an Elektroautos dürfte Continental, in Europa die Nummer zwei hinter Weltmarktführer Bosch, überproportional profitieren. Contis Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle will den Abstand zum erheblich größeren Rivalen verkürzen. Bosch erwirtschaftete zuletzt im Autobereich gut 28 Milliarden Euro Umsatz, Conti 16 Milliarden Euro. Die Schwaben weisen allerdings aufgrund einer größeren Abhängigkeit von Komponenten für konventionelle Verbrennungsmotoren – beispielsweise Einspritzanlagen – aus Bratzels Sicht „ein höheres Verwundbarkeitsrisiko als Conti“.

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