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12.04.2014

17:08 Uhr

Autozulieferer

Continental trennt sich von Personalchefin

ExklusivDer Vertrag der einzigen Frau im Vorstand des Dax-Konzerns Continental, Elke Strathmann, wird überraschend nicht verlängert. Ihr Nachfolger soll wieder eine Frau werden. Managerinnen werden derzeit händeringend gesucht.

Elke Strathmann ist nicht mehr länger der Personalvorstand von Continental. „Sie ist zu vielen Männern mit ihrer selbstbewussten Art auf die Füße getreten“, hieß es in Kreisen des Aufsichtsrates. PR

Elke Strathmann ist nicht mehr länger der Personalvorstand von Continental. „Sie ist zu vielen Männern mit ihrer selbstbewussten Art auf die Füße getreten“, hieß es in Kreisen des Aufsichtsrates.

HamburgEigentlich schien die anstehende Verlängerung des Ende 2014 auslaufenden Vertrages von Elke Strathmann als Personalvorstand des Dax-Konzerns Continental eine Formsache zu sein. Doch nun trennt sich der Autozulieferer und Reifenhersteller aus Hannover überraschend von der anerkannten Personalmanagerin. Das berichtet das Handelsblatt in seiner Montagsausgabe mit Verweis auf Aufsichtsratskreise.
Continental äußerte sich auf Anfrage nicht zu der Personalie. Weder Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle noch Strathmann selbst waren erreichbar. Der Abgang der 56-Jährigen kommt gänzlich unerwartet. Der Grund für die Trennung ist offenbar vorwiegend atmosphärischer Natur.

Spektakuläre Wechsel in der Autobranche

JOSE IGNACIO LOPEZ

1993 holt Volkswagen den General-Motors-Manager als Einkaufsvorstand zu VW und handelt sich mit GM reichlich Ärger ein: Lopez soll geheime Unterlagen von GM mitgenommen haben. Es folgen jahrelange Rechtsstreitigkeiten, das Verfahren gegen Lopéz wird eingestellt, die beiden Autoriesen einigen sich.

BERND PISCHETSRIEDER

Pischetsrieder fiel 1999 bei BMW wegen des Debakels um die kostspielige Rover-Übernahme in Ungnade. 2000 wurde er als Seat-Chef zu VW geholt und übernahm 2002 den Chefsessel von VW-Patriarch Ferdinand Piëch. 2006 musste er auch bei VW seinen Hut nehmen. Heute ist er Aufsichtsratschef beim Rückversicherer Munich Re.

WOLFGANG BERNHARD

2004 endete Bernhards Zeit im Daimler-Vorstand im Streit mit dem damaligen Vorstandsvorsitzenden Jürgen Schrempp - 2005 wechselte er zu VW. Als Martin Winterkorn im Januar 2007 den Chefsessel in Wolfsburg übernahm, musste Bernhard gehen. 2009 kehrte er zurück zu Daimler und sitzt nun als Nutzfahrzeugchef im Vorstand.

WOLFGANG REITZLE

Reitzle arbeitete sich bei BMW in den Vorstand hoch. 1999 musste er wie Pischetsrieder wegen der Rover-Übernahme gehen und kümmerte sich fortan um die Luxusparte des US-Autobauers Ford. 2002 wechselt er zum Industriegase-Spezialisten Linde, wo er zum Vorstandschef aufstieg.

ALAN MULALLY

Der Boeing-Manager kam 2006 zu Ford und baute den damals von Rückrufen gebeutelten US-Hersteller wieder auf. Als einziger US-Autobauer überstand Ford aus eigener Kraft die Wirtschaftskrise.

KARL-THOMAS NEUMANN

Im März 2013 wechselte Neumann von VW an die Opel-Spitze. Im August 2012 hatte Neumann seinen Posten als China-Chef von Volkswagen verloren. Drei Jahre zuvor hatte ihn ein Machtkampf mit Großaktionär Schaeffler den Chefposten beim Autozulieferer Conti gekostet.

„Sie ist zu vielen Männern mit ihrer selbstbewussten Art auf die Füße getreten“, hieß es in Kreisen des Aufsichtsrates. Die Arbeitnehmer standen dem Vernehmen nach hinter Strathmann, doch Reitzle setzte auf Wunsch von Vorstandschef Elmar Degenhart die Trennung durch.
Strathmann ist erst seit Januar 2012 im inzwischen neunköpfigen Vorstand des Konzerns. Sie kam von Nestlé, war vorher in leitenden Positionen bei Johnson & Johnson und Procter & Gamble. In der neuen Position hatte sie die Aufgabe, Contis Personalarbeit nach vielen Zukäufen zu vereinheitlichen und zu modernisieren. Offenbar stieß die diplomierte Mathematikerin dabei auf erheblichen Gegenwind in einigen der fünf Divisionen. Das Unternehmen arbeitet sehr dezentral.
Reitzle und Degenhart haben Continental nach der feindlichen Übernahme durch das Familienunternehmen Schaeffler stabilisiert und zurück auf Wachstumskurs gebracht. Degenhart hat einen Kulturwechsel im traditionell zahlenlastigen und von Männern dominierten Konzern gestartet. Im Fall von Strathmann habe er sich aber den traditionellen Kräften gebeugt, hieß es in Konzernkreisen. „Eine Frau und dann auch noch aus der Konsumgüterindustrie, damit konnten einige nicht umgehen.“
Dem Vernehmen nach favorisiert Aufsichtsratschef Reitzle dennoch erneut eine Managerin für den Personalposten. Managerinnen sind in den Vorständen der Dax-Konzerne und besonders in der Autoindustrie aufgrund des großen Nachholbedarfs gesucht.

Von

mcs

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