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17.06.2015

14:43 Uhr

Autozulieferer

EU verdonnert Eberspächer zu hoher Geldstrafe

Der Autozulieferer Eberspächer hat gegen das Kartellrecht der EU verstoßen. Jahrelange „Mauscheleien“ kosten das Familienunternehmen eine Stange Geld. In den USA steht es auch im Visier der Behörden.

Der Firmensitz des Zulieferers in Esslingen: Das Familienunternehmen muss eine hohe Strafe zahlen. dpa

Eberspächer

Der Firmensitz des Zulieferers in Esslingen: Das Familienunternehmen muss eine hohe Strafe zahlen.

Brüssel/EsslingenEU-Bußgeld für den Autozulieferer Eberspächer: Das Familienunternehmen aus Esslingen muss eine Kartellstrafe von 68 Millionen Euro zahlen. Der Abgas- und Klimaanalagen-Spezialist habe mehr als zehn Jahre lang mit seinem bayerischen Wettbewerber Webasto abgesprochen, sich gegenseitig keine Konkurrenz zu machen, teilte die EU-Kommission in Brüssel am Mittwoch zur Begründung mit.

Beide Unternehmen hätten sich bei Preisen für Standheizungen und Zuheizer abgestimmt und diese somit künstlich hoch gehalten. Zudem hätten die Firmen ihre Kunden untereinander aufgeteilt. Beim Verkauf an Händler tauschten sie der EU-Behörde zufolge ihre jährlichen Preislisten aus und glichen ihre Rabatte für die Händler an.

Eberspächer erklärte, das Unternehmen habe die kartellrechtliche Untersuchung von Anfang an in vollem Umfang unterstützt. Zudem seien alle notwendigen Schritte unternommen worden, um künftige Kartellverstöße auszuschließen: „Das bereits vor einigen Jahren eingeführte Compliance-Programm wurde deutlich ausgebaut sowie alle Vertriebsmitarbeiter im Hinblick auf angemessenes Verhalten im Rahmen der wettbewerbsrechtlichen Vorschriften geschult.“

Womit die Zulieferer zu kämpfen haben

Hoher Finanzbedarf

Immer mehr Innovationen müssen von den Zulieferern selbst kommen. Die Forschungs- und Entwicklungsausgaben steigen dadurch stark an. Die Zulieferer müssen stärker in Vorleistung gehen und tragen damit ein höheres unternehmerisches Risiko.

Globalisierung

Die Autokonzerne bauen immer mehr Werke in Asien oder Mexiko. Damit steigt der Druck auf die Zulieferer, ebenfalls in neue Standorte zu investieren.

Benachteiligung von Mittelständlern

Global agierende Autokonzerne schreiben ihre Aufträge immer öfter für die weltweite Produktion aus. Viele mittelständische Zulieferer können weder die geforderten Stückzahlen herstellen noch den Konzernen einfach ins Ausland nachfolgen.

Hoher Preisdruck

Autokonzerne wie PSA und GM bilden immer öfter Einkaufsgemeinschaften, gleichzeitig steigt die Zahl von Modulbaukästen für die identische Teile in sehr hoher Stückzahl benötigt werden. Beides führt dazu, dass der Preisdruck steigt. Die Zahl der Zulieferer, die das leisten kann, sinkt.

Absprachen zum Nachteil von Firmen und Verbrauchern sind in der EU verboten. Der Verstoß war in diesem Fall laut EU-Kommission besonders schwer, weil Eberspächer und Webasto die einzigen Hersteller für Standheizungen in Europa seien. Standheizungen heizen geparkte Autos oder Lastwagen, während Zuheizer die Heizung laufender Fahrzeuge unterstützen. EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager sagte: „Diese Mauschelei ging zulasten eines großen Teils der europäischen Automobilindustrie und letztlich der Auto- und Lastwagenkäufer.“ Die Absprachen seien von 2001 bis 2011 gegangen.

Webasto wurde das Bußgeld komplett erlassen, weil das Unternehmen die EU-Kommission über das Kartell unterrichtet hatte. Sonst wäre eine Strafe von 222 Millionen Euro angefallen.

Eberspächer ist zugleich im Visier der US-Justiz: Eine Einigung mit den dortigen Behörden sehe ein Bußgeld von rund 13 Millionen Euro wegen wettbewerbswidrigen Verhaltens vor. Der Vergleich müsse aber noch von einem Gericht genehmigt werden, der Termin sei für nächste Woche geplant.

Von

dpa

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